Modeirrtümer 6 bis 10: "Farbe muss man sich einfach mal trauen"

Farbe sichert in der richtigen Dosierung den Wiedererkennungswert
Kräftige Farben sollten Sie nur in Maßen tragen

Wir klären auf: Zum Smoking braucht man keinen Lackschuh mehr und ein hochgestellter Kragen ist definitiv nicht verwegen

Irrtum 6
Kurze Hosen sind in diesem Winter eher nicht zu empfehlen
Einfach zu kalt draußen. Kleiner Scherz, denn die Rede ist nicht von Shorts, sondern von etwas kürzeren Hosen, wie sie unsere Trendscouts gerade in Stockholm auf der Straße beobachten konnten: Jeans bis zum Knöchel, rote Socken,weiße Schuhe. Nun haben die Skandinavier in Sachen Mode und Design im Augenblick so dermaßen die Nase vorn, dass wir diesen Look bei uns (noch) nicht zur Regel erklären wollen, aber: Die Hochwasser-Hose ist definitiv Trend; die überlange Jeans, an der Ferse durchgetreten und ausgefranst, ist definitiv out. Bitte umkrempeln. Spannend an der kurzen Hose: Die Socken-Frage muss wieder neu gestellt und beantwortet werden. Die weiße Socke hilft hier nur sehr eingeschränkt, nämlich in Kombination mit Sneakers weiter (siehe Irrtum 2: weiße Socken). Wir raten dringend von aufgedruckten Comics und launigen Sprüchen ab. Beinfleisch wollen wir auch nicht sehen. Ähnlich wie bei Schuhen sollte bei Socken nicht am falschen Ende gespart werden, und dann sollte es eher gedeckt und eher uni werden. Im Zweifel bis zum nächsten Sommer warten: Ohne Socke ist immer noch am besten. Schwierige Textilie, die Socke.

Irrtum 7
Farbe muss man sich einfach mal trauen
Und das kann schnell zur Mutprobe werden. Überdosiert wirkt Farbe häufig wie ein schlecht kopierter Ernie-und-Bert-Look. Immer nur Schwarz-Weiß steigert hingegen nicht gerade den Wiedererkennungswert. In dieser Saison gibt es eine schwer angesagte Farbe: Blau, kräftig bis eisig (siehe Seite 96). Prima zu Anzügen zu kombinieren mit Pudelmütze, Schal, Pulli, Jeanshemd (siehe Irrtum 14: Anzüge). Generell gilt: Ein kräftiger Teint verträgt besser grellere Farben, bei blasserem Teint sind dezentere Farben vorteilhafter. Vorsicht bei emotional oder politisch besetzten Farb-Kombis wie schwarz-rot-gold, rot-grün oder rot-weiß (Pommes).

Irrtum 8
Kragen hoch ist cool und verwegen
Eigentlich sieht ein Sakko mit hochgeschlagenem Kragen – ein- oder beidseitig – gar nicht so übel aus. Ein bisschen so, als ob wir von der heißesten Affäre unseres Lebens auf dem Weg nach Hause etwas derangiert, aber glücklich nach Hause wanken. Oder als ob wir nach dem Gig unseres Lebens von der Bühne gehen. In Ausnahmesituationen trägt man eben keinen akkurat anliegenden Kragen. Andererseits bringt der gemeine hochgeschlagene Kragen auf der Außenseite einen eher trostlos anmutenden Filz ans Tageslicht. Und außerdem suggeriert er eben auf tendenziell penetrante Weise, dass der Träger entweder etwas Unerhörtes vorhat oder erlebt hat. Und wer will das in dieser eher aufdringlichen Tonlage so genau wissen? Eben. Also: Kragen runter. Das Leben ist wild und gefährlich genug.

Ein Mann im Smoking macht immer eine gute Figur
Braucht der Mann zum Smoking Lackschuhe?

Irrtum 9
Ein Smoking braucht den Lackschuh
Lieber Lackschuh. Wir haben gute Nachrichten für dich. Endlich darfst du dich in den wohlverdienten Vorruhestand verabschieden. Kein Vorwurf, lieber Lackschuh, kannst ja nichts dafür, war aber schon anstrengend, dich nur für die wenigen ganz strengen Anlässe teuer anschaffen zu müssen. Und dich für die restliche Zeit angestaubt und mit festem Spanner im Schuhschrank wegsperren zu müssen. Jetzt kommt halt der schlichte, schwarze Schuh daher und macht dir – akkurat, sauber geputzt und blank gewichst – Konkurrenz. Aber auch der farbige Samtschuh. Was unsere Empfehlung für eine Alternative wäre. Trost für den klassischen Lackschuh: Mit dir kann man nach wie vor nichts falsch machen, wenn man bei der Kanzlerin eingeladen ist. Oder das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommt. Und noch ein Trost: In Kombi mit Jeans bist du gerade wieder schwer angesagt. Und du darfst endlich Farbe tragen, Grau, Blau. Nicht schlecht, oder?

Irrtum 10
Gut angezogen Vom Büro in die Bar ist gar nicht so einfach
Stimmt. Das fängt schon mal bei der Frage an, wo man sich aufbrezelt. Im Großraumbüro gibt es immer eine gewisse Öffentlichkeit: Entweder man wartet, bis alle nach Hause gegangen sind, oder geht verschämt mit einem kleinen Täschchen auf die Toilette. Auch Einzelzimmer sind nicht ohne Tücken: Wer kann wissen, ob nicht Frau Kruse aus der Revision noch Überstunden schiebt und plötzlich in den Garderobenwechsel platzt. Abgesehen von den räumlichen Widrigkeiten können wir aber nur erfreuliche Mitteilungen machen: Mit einem Jeanshemd, einem weißen T-Shirt, vielleicht sogar einer Jogginghose unter dem Sakko (siehe Irrtum 14: Anzüge) ist man schon ganz gut aufgestellt. Und so was von im Trend.

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