Modeirrtümer 11 bis 15: "Mit einem Anzug ist man immer richtig gut angezogen"

Hüte sind eher etwas für jüngere und unkonventionelle Typen
Hüte sind eher etwas für jüngere und unkonventionelle Typen

Seit Pete Doherty sind Hüte nicht nur was für alte Männer und Military-Look muss nicht geschmacklos sein

Irrtum 11
No brown after six
Ist passé. Selbst für formelle Anlässe, an denen Smokings erwünscht sind, gibt es jetzt ebenso coole wie passende Samtschuhe, die gerade wegen ihrer Hausschuh-Anmutung einen lässigen Kontrast zum Anlass darstellen.

Irrtum 12
Skinhead- und Military-Look sind total geschmacklos
Also, man sollte zumindest wissen, was man trägt, um Fragen wie: "Na, Bombenstimmung heute Abend?", oder: "Bist du Rechtsträger?" adäquat beantworten zu können. Mit den Skinheads ist es ja zum Beispiel so: Es sind unangenehme Zeitgenossen, die den Look benutzen, um Ausländer und Schwule aus dem Land zu treiben. Gehören selber mit dem Klappspaten aus dem Land getrieben. Ursprünglich aber waren die Skins eine Jugendbewegung, die sich stark der Arbeiterschaft und natürlich auch den Klamotten, die man bei der Arbeit trägt, verbunden gesehen haben. Keine Faschos also, sondern eher bodenständige Typen, die sich erst später in weiten Teilen in eine sehr unangenehme Richtung entwickelt haben.

Das sollte man wissen, wenn man einen Hosenträger, ein Karohemd, eine umgekrempelte Jeans oder Springerstiefel mit seinem normalen Outfit kombiniert. Wobei ein Detail unserer Meinung nach völlig ausreichend wäre. Mehr würde den Verfassungsschutz auf den Plan rufen. Oder zu Ärger in der autonomen Szene führen. Und beides wollen wir ja nicht.

Irrtum 13
Hüte sind nur was für alte Männer
Tatsächlich war die Spezies "Mann mit Hut" in den letzten Jahrzehnten eigentlich nur noch bei einem besonderen Typ von Autofahrer anzutreffen, Durchschnittsalter jenseits der 70, Durchschnittstempo deutlich unter 30. Damit war der Hut eigentlich schon erledigt. Gott war’s gedankt. Bis Pete Doherty kam. Seitdem haben wir den Salat. Denn man kann über seine ausgeleierte Filzkappe, die unter Mode-Experten gerade mal noch als "Trillby" oder "Pork-Pie" durchkommen würde, sagen, was man will: Der Typ hat seinen Stil gefunden, und der Stil hat was. Sein Look orientiert sich ziemlich eng an Hedi Slimane für Dior Homme – schmal geschnittene Hosen, Westen und Sakkos, ziemlich schwarz, Ton in Ton. Und der Hut ist ein gekonnt aufgesetzter Stilbruch: Pepita-Anmutung zu Edel-Design. Wem das steht? Vermutlich dem eher etwas jüngeren, etwas schlankeren und etwas unkonventionelleren Typ. Wir empfehlen: aufsetzen, vor den Spiegel stellen und prüfen, ob Sie den Look ohne Drogen ertragen. Dann die ersten Schritte in die Öffentlichkeit wagen. Ansonsten sind Outfits im Stil von Dior Homme eine sichere Bank – auch ohne Hut.

Ein Anzug steht nicht jedem Mann gut
Im Anzug sind Sie zwar gut angezogen, aber nicht zwingend modisch

Irrtum 14
Mit einem Anzug ist man immer richtig gut angezogen
Aber nicht unbedingt besonders modisch. Abgesehen von strengen Anlässen oder rigiden Job-Dresscodes gilt: Er muss nicht mehr komplett auftreten. Stattdessen: Jeans zum Sacko, aber bitte Ton in Ton. Weißes T-Shirt unter dem Smoking-artigen Sakko plus Jeans empfiehlt sogar Neil Barrett. Die noble Jogginghose geht genauso wie das Jeanshemd (siehe auch Irrtum 10: Vom Büro in die Bar). Schöne Zeiten, in denen wir leben, denn an den Anzügen, selbst an den coolsten und angesagtesten, nervte doch oft, dass man sie komplett tragen musste, und das sah immer so unentspannt und angezogen aus. Aus und vorbei. Willkommen in der neuen Freiheit!

Irrtum 15
Sonnenbrillen sehen smart aus
Sagen wir mal so: Eine Sonnenbrille zu tragen ist tendenziell schon mal ganz schön dick aufgetragen. Wer mit Sonnenbrille rausgeht, sagt selbstbewusst: Heute habe ich frei bzw. ich bin frei! Oder er sagt: Gestern ist es spät geworden, ich bin trotzdem schon wieder auf der Piste, schau aber erst mal in Ruhe, was heute Abend noch gehen könnte, meine Augen sind noch etwas empfindlich. Das kann man machen, sollte dabei aber die Proportionen beachten: Großer runder Kopf und kleine, rund geschnittene Brille sieht halt schnell aus wie die Nummer 6647364 von den Panzerknackern. Und ein kleines kirschkernartiges Profil mit XXL-Rennfahrer-Modell wie aus Versehen aufgesetzt. Ein großer, runder Kopf verträgt nicht wirklich eine große, rund geschnittene Brille – da lässt der Kinderschreck aus der Geisterbahn grüßen. Und einem länglich-kantigen Gesicht bekommt eine länglich-kantig gestylte Brille auch nicht besonders. Und wohin mit der Brille, wenn die Sonne nicht mehr so kneift? Auf den gewachsten Scheitel oder in das Poloshirt geklinkt? Auch wenn wir Leser aus Süddeutschland verprellen: Geht beides nicht. Bitte etwas mehr Understatement. Die Brille soll die Augen vor der Sonne schützen und nicht Stirnlocken oder Polohemden schmücken. Wie? Sie wollen das aber? Fühlen sich wohl mit der Brille auf dem Scheitel oder im Ausschnitt? Ach, machen Sie doch, was Sie wollen. Hauptsache, Sie wissen, was Sie tun.

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