Abenteuerreise: Eine Segel-Regatta über den Atlantik

Segel-Regatta Atlantik

Bei einer 14-tägigen Segel-Regatta mit einem Katamaran über den Atlantik, elebt man mehr als Wellen, Wind und Wasser. Zum Beispiel vier Männer auf engstem Raum

26°57‘N, 16°04’W
Ich befinde mich mitten auf dem Atlantik, unterwegs auf jener Reise, die Christoph Columbus vor gut fünfhundert Jahren als erster Seemann absolviert hat. Ein paar Unterschiede gibt es zwischen ihm und uns. Wir bestreiten weniger eine Entdeckungsfahrt als vielmehr eine 2680 Seemeilen lange Wettfahrt. Unser Schiff ist kein monströser hölzerner Kahn, sondern ein ultramoderner Katamaran. Und im Gegensatz zu Columbus wissen wir genau, was uns am Ende unserer rauschenden Fahrt erwartet: die Karibik, ganz konkret St. Lucia.

Volle Kraft voraus!
Der Startschuss ist gefallen – die Segel-Regatta beginnt!

Volle Kraft voraus!

Wenn alles gut läuft, werden wir in 14 Tagen dort sein. Dennoch, zwei Wochen lang gibt es für uns nur Wasser, Wind und Wellen. Zwei Wochen lang keinen festen Boden unter den Füßen, keine Intimsphäre, keine Frau. Wird das gut gehen? Für unseren Skipper Fiete (40) ist das keine Frage, er hat dem Atlantik bereits zwölfmal die Zähne gezeigt.

Siebter Tag – Zeit zum Nachdenken

An Deck ist es ruhig, bis auf das Surren der Taue und das Klicken von Haken und Ösen. Der Himmel ist tiefschwarz, unendlich viele Sterne überziehen das Firmament, der Mond leuchtet blass und dürr durch ein paar dicke Passatwolken.

18°40‘N, °37‘ 24°W
Ich blinzele in die Nacht, die siebte unserer Reise, habe wieder Wache von neun bis Mitternacht. Der Autopilot summt, die Timaios II rauscht unter Spinnaker mit zehn Knoten über lang gezogene Wellenberge und durch tiefe Täler. Ich habe Zeit zum Nachdenken. Mit Überschall hätte ich diese Reise in vier Stunden, mit der QE2 in fünf Tagen geschafft.

Aber es geht um mehr als nur auf der anderen Seite des großen Teiches anzukommen, es geht um das Messen mit den Naturgewalten. Vielleicht auch um den Wunsch, in der Grenzenlosigkeit des Atlantiks mehr über mich selbst und das Leben zu erfahren.

Wild und stürmisch – die See kennt kein Erbarmen
Wild und stürmisch – die See kennt kein Erbarmen

Neunter Tag – Stürmische Zeiten

Am Mittag des neunten Tages erreicht uns wie immer per E-Mail die Wetterprognose, aber heute nährt sie die schlimmsten Fantasien: „Thunderstorms with gusty winds in exceed of 50 knots“, werden da für unser Seegebiet vorausgesagt, also Windgeschwindigkeiten, bei denen an Land Bäume entwurzelt werden.

16°49‘N, 42°49’W
In Kürze soll die Hölle losbrechen! Alle Crews sind in heller Aufregung, E-Mails werden verschickt, Funkgespräche geführt. Mario wird ganz blass. Jetzt bloß keinen Fehler machen, denke ich mir. Nur Fiete, der Kapitän, bleibt locker, nennt die Voraussage einen „totalen Schwachsinn“ und rechnet höchstens mit einer gewöhnlichen „Passatstörung samt Gewitter“. Unser Spinnaker bleibt also oben. „Schließlich ist das für uns die beste Gelegenheit, um sich von ein paar Angsthasen abzusetzten“, sagt Fiete.

Regelmäßig wie ein Uhrwerk rücken uns in der Nacht immer neue, größere Brecher auf die Pelle. Sonst passiert nichts, Fiete behält Recht und katapultiert uns durch diesen Höllenritt unter die ersten zehn in der Gesamtwertung.

Alles sieht noch ruhig und friedlich aus. Noch!
Alles sieht noch ruhig und friedlich aus. Noch!

Dreizehnter Tag – Ist das die Sintflut?

In der vorletzten Nacht donnert wieder eine Gewitterfront über uns, sintflutartiger Regen prasselt auf das Deck.

15°01‘N, 55°54’W
Michael klammert sich am Ruder fest und versucht, die Dunkelheit zu durchschauen. Es könnte ja sein, dass ein schlafender Buckelwal im Weg rumschwimmt oder ein verloren gegangener Container.

Und plötzlich ein Knall, der durch Mark und Bein fährt. „Unser Spinnaker ist gerissen!“, schreit Michael ohne den Steuerstand zu verlassen. Knattern. Flattern. Hektik in Unterhose! Bis wir die beiden Hälften des 7000-Euro-Segels geborgen und gegen einen neuen Spinnaker ausgetauscht haben. The Race must go on.

Seite 1 von 3

Sponsored SectionAnzeige