Ununterbrochen: 72 Stunden vor dem Rechner

Mehrere Tage am Stück hängen die Süchtigen am Computer
Wie angekettet, kleben die Süchtigen vor dem Rechner

Gegen den Virus aus dem Internet hilft keine Firewall. Er überträgt sich spielend und unbemerkt, getarnt als unverbindlicher Zeitvertreib

Das Ziel: die wichtigste Festplatte überhaupt – das Gehirn. Aber was genau passiert bei der Computerspielsucht im Kopf? "Dasselbe wie bei einer Alkohol- oder Drogensucht", so Wölfling. Der Spieler entwickelt eine Abhängigkeit durch das Belohnungsgefühl, das Spiele wie "World of Warcraft", kurz WoW, vermitteln. Wenn er spielt, fühlt er sich gut. "Das Spielen wird immer wichtiger, weil sich die Hierarchie der eigenen Werte verschiebt", sagt der Psychologe. So rückt Spielen an die Stelle, an der vorher das Essen oder die Freunde oder der Job standen.

Diese Dinge werden dann immer unwichtiger. So ist es auch zu erklären, dass abhängige Spieler 72 Stunden ohne Pause vor dem Rechner sitzen – ohne auf die Toilette zu gehen, ohne zu essen oder zu trinken. Die Folgen können verheerend sein. Ein Spielsüchtiger beispielsweise starb, weil er beim Daddeln vergessen hatte zu trinken und deshalb dehydrierte. Andere stellen sich einen 10-Liter-Eimer unter den Tisch, pinkeln in eine leere Flasche oder tragen sogar Windeln, damit sie nicht während eines wichtigen Kampfes zur Toilette müssen. Wölfling: "Dieses Extrem ist aber eher die Ausnahme."

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