Kragen-Dramen

Unser Mann in Stilfragen
Stilspezialist Bernhard Roetzel

Style-Spezialist Bernhard Roetzel schreibt hier für uns über die besten Style-Blüten: Dieses Mal über das besondere Flair abgewetzter Hemdenkragen.

Es gibt in Hamburg einen Maßschneider, der sich nur vom Feinsten kleidet. Doch was viele nicht verstehen ist, dass seine Hemden an Kragen und Manschetten oft völlig durchgescheuert sind. „Wie kann der Mann so rumlaufen?“ Wer das fragt, kennt nicht die geheimen Erkennungszeichen der Stil-Snobs.

Das Hemd wird für sie erst richtig schön, wenn es andere in die Tonne treten. Stil-Snobs würden nie ein Hemd wegwerfen. Wieso auch? Sind Kragen und Manschetten bis auf die Einlage durch, lassen sie ihr Hemd eben runderneuern, so wie andere ihre Autoreifen. Sprich: Auf Po-Höhe wird Stoff entnommen, um daraus einen neuen Kragen und Ersatzmanschetten zu nähen.

Wenn die Austauschteile nach einigen Jahren auch am Ende sind, muss das Hemd immer noch nicht sterben. Dann kriegt es einen Kragen und Manschetten aus weißem Stoff, denn das Original-Gewebe gibt es meist nicht mehr. Dann zeigen sich erste Verschleißerscheinungen an den Ellenbogen. Dafür gibt es Kunststopfereien. Machen nur krankhafte Geizhälse? Stil-Snobs eben. Die haben nämlich nur deshalb Geld für all die Klamotten, weil sie keinen Pfennig verschwenden.

Bernhard Roetzel, 35, verfasste das Buch "Der Gentleman" (1999, Könemann Verlagsgesellschaft), das zum Welt-Bestseller für klassische Herrenbekleidung wurde.

Haben Sie Fragen an den Stil-Spezialisten? Dann schreiben Sie an roetzel@menshealth.de.

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