Fastenarten im Check: Kann man durch Fasten wirklich abnehmen?

Kann man durch Fasten wirklich abnehmen?
Mit Fasten wollen die meisten Menschen abnehmen, ihrem Körper gutes tun und sich besinnen. Aber klappt das wirklich?

Eine Zeit lang mal nichts essen und damit langfristig schlank und gesund bleiben – geht das wirklich? Wir sagen Ihnen, wie effektiv Fasten wirklich ist

In diesem Artikel:

Brave Katholiken tun es von Aschermittwoch bis Karfreitag, Moslems während des Ramadan, solange die Sonne scheint, und die Juden am Jom-Kippur-Tag. Gandhi protestierte so gegen die englischen Unterdrücker, da nannte es sich dann zwar Hungerstreik und nicht Fasten, bedeutete aber im Prinzip dasselbe: tagelang nichts essen, nur Wasser oder Tee trinken.

Wer fastet, kann hundert Tage durchhalten. Vorausgesetzt, er ist gesund und trinkt viel. "Historisch gesehen ist das Fasten ein religiöser Brauch, um Buße zu tun", sagt Dr. Peter Liffler, ärztlicher Direktor der Bellevue-Fachklinik für Ganzheitsmedizin auf Fehmarn.

Mit Fasten gegen Krankheiten

Immer mehr Männer und Frauen in Deutschland fasten ein- oder mehrmals im Jahr wenige Tage bis mehrere Wochen lang. Um Protest oder Buße geht es dabei jedoch selten. Moderner Anlass der gewollten Kohldampfschieberei ist oft die Suche nach innerer Erkenntnis oder äußerer Veränderung, purzelt doch beim Fasten bekanntlich so manches überflüssige Kilo.

Von Ärzten bewusst eingesetzt, kann Fasten allerdings auch Krankheiten lindern. Der völlig aus den Fugen geratene und anders nicht zu bändigende Blutzuckerspiegel eines Diabetikers lässt sich beispielsweise oft durch eine vorübergehende, spezielle Fastenkost aus Eiweißen und Mineralstoffen wieder unter Kontrolle bringen. Hautentzündungen wie Neurodermitis und Ekzeme reagieren ebenfalls positiv auf das Hungern: "Mit dem allgemeinen Eiweißabbau beim Fasten werden auch die Proteine zerstört, die Entzündungen im Körper überhaupt erst auslösen", so der Ganzheitsmediziner Liffler.

Auch ein überdrehtes Immunsystem – häufig der Grund für die Entstehung von Allergien – verliert während des Fastens an Schwung. Allerdings dauern diese Effekte "nur solange an, wie gefastet wird", so Professor Hans Hauner, Stoffwechselmediziner am Diabetes-Forschungsinstitut der Universität Düsseldorf. "Eine Heilung von Entzündungen und Allergien durch Fasten ist aber nicht möglich", sagt der Experte.

Verschiedene Fasten-Arten im Check

Hungern oder Essen? Beim Fasten ist alles möglich © Eugenio Marongiu / Shutterstock.com

  • TOTALES FASTEN Hier trinken Sie nur Wasser und Tee. "Der menschliche Körper kann sehr viel ertragen. Gesund ist diese Kur allerdings nicht", warnt die Expertin.
    Wie lange?* höchstens 4 Tage
    Für wen? Eigentlich kann man diese Art zu fasten niemandem empfehlen, denn außer dass Sie dabei auf ungesunde Weise Gewicht verlieren, hat sie keinen Effekt.
  • F.-X.-MAYR-KUR Der österreichische Arzt (1875–1965) verordnete löffelweise Milch und trockene Brötchen. Da müssen Sie viel kauen – bis zu 50-mal pro Stück. Link-Tipp: Wir haben die Myr-Kur 14 Tage ausprobiert. In Österreich. Wie es war? Lesen Sie hier
  • Wie lange?* nicht länger als 5 Tage
    Für wen? Menschen, die ihre Mahlzeiten grundsätzlich herunterschlingen, lernen hier durch exzessives Kauen, bewusster zu essen. Reinigt außerdem den Darm.
  • BUCHINGER-FASTEN Benannt nach dem Arzt Otto Buchinger. Sie verzichten auf feste Nahrung. Obst-/Gemüsesäfte, Tee und Honig liefern die nötigen Nährstoffe.
    Wie lange?* maximal 1 Woche
    Für wen? Sie verlieren in kurzer Zeit bis zu 5 Kilo – das kann für Übergewichtige ein Motivationsschub sein. Guter Einstieg, um die Essgewohnheiten zu verändern.
  • MOLKEFASTEN Ähnlich dem totalen Fasten, aber durch Buttermilch oder Molke ergänzt. Besonders geeignet: Kurmolke, die hat einen höheren Eiweißgehalt (gibt es in Apotheken und Reformhäusern).
    Wie lange?* höchstens 7 Tage
    Für wen? Ähnlich dem Buchinger-Fasten, aber etwas geringererGewichtsverlust. Gut geeignet für abnehmwillige Milchfans.
  • DINKELFASTEN Es gibt 3 Mahlzeiten täglich, die sich aus Dinkelprodukten, Obst und Gemüse zusammensetzen.
    Zudem trinken Sie mindestens 2 Liter.
    Wie lange?* bis zu 10 Tage – vorausgesetzt, dass Sie sich dabei gut fühlen
    Für wen? Ihr Körper wird von Giftstoffen gereinigt. Taugt nicht für Abnehmwillige, da der Gewichtsverlust relativ gering ist.
  • BASISCHES FASTEN Durch zu viel Fleisch, andere eiweißhaltige Produkte und Zucker sind die meisten Menschen übersäuert. Deswegen werden bei dieser Variante alle säurebildenden Lebensmittel gemieden.
    Wie lange?* maximal 6 Wochen
    Für wen? Für alle! Das Entsäuern soll Wohlgefühl schaffen, angeblich wird Ihr Körper so von Giften und Viren befreit.

Bevor Sie mit dem Fasten – egal welcher Art – starten, gilt generell: "Entleeren Sie den Magen mit Hilfe abführender Salze, das mindert den Hunger", so Dr. Eva Lischka von der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung in Überlingen.

Und: Jede Fastenkur verläuft in 3 Phasen: 1. Entlastung (1 bis 3 Tage): die Nahrungsaufnahme langsam reduzieren (nichts Süßes, nichts Fettiges); 2. Fasten: täglich 2 bis 3 Liter trinken; 3. Aufbau (umfasst mindestens ein Drittel der gesamten Fastenzeit): vorsichtig mit dem Essen beginnen (ideal: Suppen).

jeweils ohne ärztliche Betreuung

EXKURS: 8-STUNDEN-DIÄT ALS FORM DES FASTENS IM CHECK

Wie funktioniert Basen-Fasten?

Obst und Gemüse sind die wichtigsten Bestandteile basischer Ernährung © lightwavemedia / Shutterstock.com

Beim Basenfasten dürfen Sie essen, – und trotzdem tun Sie Ihrem Körper Gutes und nehmen rasant ab. Auf dem Speiseplan stehen ausschließlich basenbildende Lebensmittel, das sind vor allem Obst und Gemüse dazu gehört aber auch Sättigendes wie Kartoffeln, Nüsse und Bananen. Auf säurebildende Nahrungsmittel wie Fleisch, Wurst, Käse, Süßigkeiten, Kaffee und Softdrinks allerdings verzichtet man während der Fastenphase. Säurebildner entziehen dem Körper Mineralien und sollen, wenn Sie auf Dauer mehr Säure- als Basenbildendes essen, chronische Krankheit wie Knochenschwund (Osteoporose), Allergien und Magen-Darm-Probleme fördern.

Wie eine Fastenwoche funktioniert, erklärt Sabine Wacker in ihrem Buch Basenfasten :

  • Frühstück: Obst oder ein basisches Müsli, bestehend z.B. aus Obst, mit Sättigendem wie z.B. gemahlenen Mandeln, Erdmandelflocken (Chufas Nüssli), Mandelsplitter, Sonnenblumenkerne oder geschroteter Leinsamen, abgeschmeckt z.B. mit Zimt, Vanille oder Kardmom.
  • Mittagessen:Salat, Gemüsesuppe oder gekochtes Gemüsegericht.
  • Zwischenmahlzeit: bis 14 Uhr Rohkost, danach z.B. Gemüsebrühe, Obst-Shake, Nüsse, Oliven
  • Abendessen: z.B. Pellkartoffeln mit Avocadomus. Nach 18 Uhr nur noch trinken
  • Trinken Sie 2.5 bis 3 Liter am Tag Wasser und/ oder stark verdünnte Kräutertees.
  • Treiben Sie Sport, egal welcher Art.
  • Tipp: Essen Sie mehr Gemüse als Obst, es sättigt länger.

Hier finden Sie die basenreichsten Lebensmittel >>>

Tipps zum Durchhalten einer Fastenkur

Wer fasten will, sollte sich richtig darauf vorbereiten und einige Ratschläge fürs Durchhalten beachten © Rocksweeper / Shutterstock.com

A) RUHE BEWAHREN, STRESS VERMEIDEN
Um Stress zu vermeiden und das Durchhalten zu erleichtern, ist die beste Zeit für einen Erstversuch natürlich der Urlaub. In jedem Fall aber freut sich Ihr Körper über eine Gewöhnungsphase. In den letzten drei Tagen vor dem Fastenbeginn sollten Sie deshalb zuckerreiche und stark fetthaltige Nahrung sowie Nikotin und Koffein schon mal einschränken. Früchte und Gemüse auf dem Tisch sehen ja auch besser aus als volle Aschenbecher und leere Kaffeetassen.

B) LASTER ABLEGEN
Nahezu alle Ihre lieben Gewohnheiten werden mit Beginn der Fastenzeit radikal und konsequent gestrichen. Dazu zählen neben jeder Form von Essen natürlich auch Nikotin und Alkohol. Medikamente sollten Sie nur einnehmen, wenn Ihr Arzt sie für unentbehrlich hält. Entwässerungsmittel und Appetitzügler haben mit vernünftigem Fasten nichts zu tun. Ihren Hunger auf Sex dürfen Sie allerdings wie eh und je stillen.

C) AUSREICHEND FLÜSSIGKEIT
... ist das A und O während des Fastens. Erlaubt sind jedoch nur Wasser, Mineralwasser und zuckerfreie Tees. Trinken Sie mehr als Sie Durst haben, damit vermeiden Sie mögliche Kreislaufprobleme am besten. Außerdem hilft eine hohe Flüssigkeitszufuhr, die einsetzende Darmträgheit zu überwinden. Ob Sie mit Ihrem Flüssigkeitspegel richtig liegen, zeigt die Farbe Ihres Urins: hellgelb ist optimal, dunkelgelb bedeutet, dass Sie zu wenig trinken.

D) LEEREN SIE IHREN DARM REGELMÄßIG
Ihren Darm sollten Sie vor und während des Fastens regelmäßig entleeren. Das könnte wegen ausbleibender Nahrung allerdings schwieriger sein als sonst. Trinken Sie viel Wasser, hilfreich kann außerdem das „Glaubern“ sein: 40 Gramm Glaubersalz aus der Apotheke in einem dreiviertel Liter Wasser auflösen, trinken – das sorgt postwendend für Erleichterung. Wer unter niedrigem Blutdruck leidet oder keine Zeit für eine größere Zahl von WC-Besuchen hat, sollte allerdings lieber beim regelmäßigen Trinken bleiben. Schweißtreibende Saunabesuche während des Fastens sind ebenfalls nur zu empfehlen, wenn Ihr Kreislauf stabil ist.

E) PRIORITÄTEN SETZEN
Alltag bleibt Alltag, und trotzdem ist jetzt alles anders. Terminkalender und Telefon rutschen auf hintere Ranglistenplätze. Wichtig sind nur Sie. Sachzwänge zählen nicht, entscheiden Sie aus dem Bauch heraus. Tun Sie einfach das, was Ihrem Körper wirklich gut tut – außer essen natürlich!

F) LEICHTER SPORT
Stellen Sie energiefressende Aktivitäten wie Bodybuilding, Mountainbikefahren oder Rasenmähen während des Fastens ganz ein. Ideal dagegen sind leichtes Joggen, Yoga oder lockere Gymnastikübungen. Dem Rest Ihrer Freizeit geben Sie ebenfalls eine neue Dimension: bummeln, fummeln und natürlich Men’s Health lesen – Sie wissen schon, was.

G) AUSREICHEND SCHLAF
Wenn Sie sich erschöpft fühlen, dann sollten Sie sich mal so richtig ausschlafen. Auch ein Nickerchen am Nachmittag ist erlaubt, um die Batterien für den Rest des Tages aufzuladen. Außerdem hilft es dabei, aufkeimende Gedanken ans Essen zu verdrängen.

H) WÄRMEZUFUHR
Durch den Fastenstoffwechsel sinkt die durchschnittliche Körpertemperatur um bis zu ein Grad. Heißer Tee, bei jedem Wetter die passende Kleidung und täglich ein warmes Bad sorgen trotzdem für ein Wohlgefühl. Zur Pflege der meist etwas trockeneren Haut ist eine Bodylotion zu empfehlen.

I) SCHAUEN SIE WEG
Schauen Sie weg, wenn andere Leute essen. Vor allem, wenn Ihre absolute Lieblingsspeise aufgetischt wird, kann sonst das Durchhalten Ihrer Fastenzeit zur Qual werden. Bei unvermeidlichen Geschäftsessen sollten Sie allen mitteilen, dass Sie gerade fasten, und nur einen Tee bestellen. Um
Ihre Disziplin wird man Sie dann sicherlich beneiden.

J) HALTEN SIE MAß
Widerstehen Sie der Versuchung, das erfolgreiche Ende Ihrer Fastenzeit mit einer großen Salami-doppelt-Käse-Pizza zu feiern. Die plötzliche Völlerei wird weder Ihrem Kreislauf noch Ihrem Magen gefallen. Besser sind Obst und Gemüse.

Was beim Fasten im Körper passiert

Was mit Fett, Eiweißen und Kohlenhydraten im Körper während einer zehntägigen Fastenkur passiert © Stokkete / Shutterstock.com

Tag 1: Energie gewinnt der Körper zuerst aus den Kohlenhydratspeichern (Glykogen) in Leber und Muskeln. Den niedrigen Blutzuckerspiegel nehmen Sie als Hunger oder auch als Kopfschmerz wahr. Ihr Blutdruck kann stark sinken – zur Stützung viel Flüssigkeit aufnehmen.

Tag 2: Ihre Kohlenhydratspeicher in Muskeln und Leber reichen für maximal 24 Stunden. Daher kommt nun die Produktion von energiereichen Zuckern aus körpereigenen Eiweißen (Proteinen) in Gang, die in Enzymen, Muskeln und anderen Zellen ihre Arbeit tun. Leichtes Ausdauertraining kann den Abbau Ihrer Muskeln verlangsamen. Sie denken jetzt häufiger ans Essen und möglicherweise auch an den Abbruch der Fastenkur.

Tag 3: Die Energiegewinnung aus Eiweiß nimmt weiter zu. Pro Tag verliert Ihr Körper jetzt mindestens 50 Gramm Proteine. Der Düsseldorfer Stoffwechselexperte Professor Hans Hauner empfiehlt deshalb, während des Fastens Eiweißpräparate einzunehmen, um so den Absturz der Eiweißbilanz des Körpers zu verhindern. Am dritten Tag ist bei vielen Fastenden das bohrende Hungergefühl verschwunden. Trotzdem: der Körper steht unter großem Stress, steigende Blutkonzentrationen der Hormone Adrenalin und Serotonin sind
die Folge. Der Mensch nimmt das als Energieschub und Stimmungsaufhellung wahr, aber er schläft oft schlecht.

Tag 4: Die Energieproduktion aus körpereigenen Eiweißen hat ihren Hö­hepunkt erreicht, da Ihre Glykogenspeicher in Leber- und Muskeln restlos erschöpft sind. Die Verbrennung Ihrer Fettreserven nimmt deshalb stetig zu, kann die Energiegewinnung aus Eiweißen aber noch nicht vollständig ersetzen. Sie fühlen sich entweder energiegeladen und voller Tatendrang oder aggressiv und launisch – beides sind Folgen des Hormon-Kicks. Ihre Gefühle sollten Sie akzeptieren, um das Stressniveau nicht noch weiter zu erhöhen.

Tag 5: Mit zunehmender Fettverbrennung geht der Raubbau an Ihren Körpereiweißen zurück. Aber noch immer stammen gut sechzig Prozent Ihrer Energie aus Eiweiß. Vermutlich bemerken Sie an diesem Tag das erste Mal einen unangenehmen Körpergeruch.

Tag 6: Die Fettverbrennung zur Energiegewinnung nimmt weiter zu. Ihr Körper ist jetzt hundertprozentig auf Hungerstoffwechsel eingestellt. Mangels Kohlenhydratzufuhr (Zucker, Stärke) entstehen bei der Fettverbrennung große Mengen sogenannter Ketosäuren. Diese Ersatzkohlenhydrate reichen zwar zur Energieversorgung des Körpers aus, lassen Sie aber unangenehm fruchtig-sauer nach Aceton (Nagellackentferner) riechen. Da hilft nur häufiges Duschen und intensives Zähneputzen.

Tag 7: An diesem Tag übersteigt die Energiegewinnung aus Fettreserven die aus Eiweiß. Der Proteinverlust geht weiter zurück, sinkt aber nie auf Null. Die Produktion der Ketosäuren erreicht ihren Höhepunkt – der Körpergeruch allerdings auch. Vorsicht: Ein hoher Ketosäurenspiegel erhöht den Harnsäuregehalt im Blut und kann Gichtanfälle auslösen.

Tag 8: Die Fettverbrennung läuft auf Hochtouren – wie bei Marathonläufern. Fitte Sportler haben meist keine Geruchsprobleme, weil umso weniger Ketosäuren entstehen, je höher die Ausdauer ist.

Tag 9: Ihr Körper gewinnt seine Energie fast ausschließlich aus Fettreserven. Der sinkende Adrenalinspiegel kann ein Schwächegefühl hervorrufen, ein fallender Serotoninspiegel löst mitunter schlechte Laune oder sogar Depressionen aus.

Tag 10: Nur noch 24 Stunden. Sie dürfen zwar immer noch nicht essen, aber schon mal einkaufen: Äpfel, Salate, Backpflaumen, Karotten oder fettarmen Frischkäse. Alles wird besser schmecken als vorher.

Expertenmeinungen: Vor- und Nachteile einer Fastenkur

Training für die Selbstdisziplin
Ganz gleich jedoch, welches Motiv die Hauptrolle spielt und wie lange die persönliche Hungerkur dauert: "Wer fastet, trainiert damit in erster Linie seine Selbstdisziplin", sagt Liffler. Wer sich von Job, Partnerschaft und Alltagsärger aufgezehrt fühlt, gewinnt durch erfolgreiches Fasten deshalb die Kontrolle über seine Geschicke wieder zurück. "Die kontrollierte Weigerung der täglichen Nahrungsaufnahme wirkt wie eine Therapie", so Liffler.

Zum allgemeinen seelischen Wohlgefühl gesellt sich dabei häufig noch ein körperliches „Highsein“. "Schon zu Beginn der Fastenzeit fühlen sich die Menschen freier, vitaler und belastungsfähiger als vorher." Das macht sich später im Alltag bemerkbar: "Fastenanhänger sind oft außergewöhnlich durchsetzungsfähige und leistungsbereite Persönlichkeiten", so Dr. Liffler.

Giftmülldeponien im Körper?
Neben den auch von Schulmedizinern anerkannten positiven Wirkungen auf die Psyche, sagt man Fastenkuren auch gern die Fähigkeit nach, den Organismus zu entschlacken und zu entgiften. "Das klingt, als gäbe es im Körper lauter Giftmülldeponien und Schmutzwasserpfützen", sagt Dr. Helmut Oberritter, wissenschaftlicher Leiter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Frankfurt. "Etwas derartiges existiert aber nicht, da Leber, Nieren, Darm und Schweißdrüsen wie eine körpereigene Müllabfuhr funktionieren."

Doch für viele Menschen klingt das Märchen von den Schlacken und Giften so plausibel, da Fastenbücher Bestseller sind und sich ganze Kliniken aufs kontrollierte Hungern spezialisiert haben. Wissenschaftler wie Professor Hauner beantworten allerdings die Frage, ob das Fasten der Gesundheit diene, mit einem klaren Nein: "Medizinisch gesehen hat Fasten kaum Vorteile", sagt Professor Hauner, "im Gegenteil, es kann sogar schädlich sein und zum Beispiel Schlafstörungen, Schwindel, Depressionen oder Gichtanfälle auslösen."

Aus Muskeln wird Energie
Da beim Fasten keine Energie über die Nahrung zugeführt wird, baut der Körper Gewebe zur Brennstoffversorgung ab. Das heißt, dass vom ersten Fastentag an auch jene Eiweiße verloren gehen, die Ihr Körper eigentlich für Enzyme und Muskeln braucht. Zwar stellt die Leber in den ersten 24 Fastenstunden noch Energie in Form von gespeicherten Kohlenhydraten (Glykogen) zur Verfügung. Nach einer Untersuchung der Tel Aviv University Medical School in Israel an 370 Freiwilligen plagen allerdings nahezu jeden zweiten Fastenden schon am ersten Tag Kopfschmerzen.

"Das Gehirn ist einer der größten Energieverbraucher des Körpers", sagt Professor Hauner, "darum reagiert es möglicherweise besonders empfindlich, wenn der Nachschub nur spärlich fließt." Um nicht zu verhungern, gewinnt der Körper deshalb ab dem zweiten Fastentag Energie aus Aminosäuren, für die er zuvor Muskeleiweiße zerlegt hat. "Täglich werden rund 50 Gramm Eiweiß auf diese Weise umgebaut", sagt Hauner und warnt: "Ein sichtbarer Teil aller Muskeln geht bei längerem Fasten verloren. Im Herzmuskel kann das aber gefährliche Rhythmusstörungen hervorrufen." Aus diesen Gründen sollten nicht nur fastende Sportler und Bodybuilder vorübergehend ein Eiweißpräparat einnehmen. "Geeignet sind handelsübliche Präparate aus der Apotheke oder Joghurt und Molke", so Hauner.

Fasten ist zum Abnehmen nicht geeignet
Erst nach drei Fastentagen beginnt der Körper, als Energiequelle auch die Fettreserven anzuzapfen. Bis die Fettverbrennung allerdings auf vollen Touren läuft und der Muskelabbau deutlich gedrosselt wird, vergehen rund drei Wochen. Dazu kommt, dass bei hochtouriger Fettverbrennung und gleichzeitig fehlendem Kohlenhydratnachschub der Organismus mit sogenannten Ketosäuren überschwemmt wird. Diese Ersatzkohlenhydrate verursachen einen unangenehmen acetonartigen Körpergeruch. "Die Natur hat den Mechanismus der Fettverbrennung eingerichtet, um den Hungertod hinauszuzögern“, erklärt Dr. Oberritter das Geruchsproblem beim Fasten, „und nicht, um Übergewicht zu bekämpfen."

Zum Abnehmen eignet sich Fasten auch noch aus anderen Gründen nicht: "Im Hungerzustand fährt der Körper viele Stoffwechselvorgänge herunter", so Oberritter. Wer durch Fasten abnehmen will, ist nur erfolgreich, wenn er die Ernährung langfristig umstellt: "Sonst wird das alte Gewicht schnell wieder eingeholt."

Fazit: Einmal im Jahr Fasten „light“

Beim Übergang von der Winterwampe zum Beach-Body kann gemäßigtes Fasten durchaus nützlich sein © Karramba Productions / Shutterstock.com

"Beim Fasten überwiegen die psychologischen Vorteile die medizinischen Einwände", sagt der Ganzheitsmediziner Dr. Peter Liffler. "Man sollte allerdings nur einmal pro Jahr eine Fastenperiode einlegen, und dann am besten während des Übergangs vom ernährungsmäßig opulenten Winter zum Frühling." Gelegentliches Kurzfasten über drei oder vier Tage hat dagegen "kaum einen Effekt", meint Liffler.

Stattdessen plädiert er für einen entkrampften Umgang mit dem Fastenbegriff. "Einmal jährlich für vier bis sechs Wochen die Nahrung auf überwiegend Gemüse und Obst umstellen, dazu Nikotin und Koffein weglassen und im hektischen Alltag einen Gang runterschalten, hat vergleichbare Effekte wie das strenge Fasten", sagt Liffler. Ist das Bewusstsein anschließend noch weiter als der Hosenbund, "dann hat sich das Fasten auch auf lange Sicht gelohnt."

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