Stoffwechsel anregen: Abnehmen mit 30

Nicht nur Ihr Herz wird sich freuen, wenn Sie abnehmen
Stress führt nicht nur zu Herzproblemen, sondern auch zu Übergewicht – Schuld sind regelmäßige Fress- und Naschattacken

Ihr Bauchfett ist Folge eines eingerosteten Stoffwechselmotors. Bringen Sie den zum Laufen, arbeitet er wieder für Sie und gegen lästige Fettpolster

Der größte Feind des 30-Jährigen heißt Schlendrian. Der hat, was das Körperliche angeht, Einzug gehalten in Ihrem Leben – ohne dass Sie es gemerkt hätten. Denn geschickt nutzt er aus, dass Sie sich in dieser Lebensphase um andere Dinge kümmern. Entweder sind Sie ein vielbeschäftigter Mann, der in seinen Job viel Energie investiert. Oder Sie  treten beruflich auf der Stelle, Ihr Job langweilt Sie, oder der Chef bremst Sie aus. So oder so,  ist der Stresspegel dauerhaft im roten

Bereich. Privat ist die Wettbewerbsphase dagegen oft vorbei: „Mit 30 müssen Sie nicht mehr auf die Pirsch gehen, sich nicht mehr mit den anderen Jungs messen", sagt Sportmediziner Froböse. Ein Lebenspartner ist meist gefunden, Sie lassen es ruhiger angehen – und sich dabei gehen. Da Sie vom Körper noch kaum Rückmeldung in Form von Wehwehchen erhalten, ist es kein Wunder, dass Sie ihn aus dem Blick verlieren. Ihr Fitness-Programm (welches Fitness-Programm?) leidet, und von geregelter, ausgewogener Ernährung kann auch keine Rede sein.

Stress macht das Hirn gefräßig
Dass Sie unter solchen Umständen aus dem Leim gehen, ist auch dem erwähnten Stress zuzuschreiben. Einerseits, weil er fast immer schlechte Ernährungsgewohnheiten mit sich bringt: unkonzentriertes Essen, schnelles In-sich-hinein-Stopfen und Naschen rund um die Uhr. Andererseits beeinflusst Hektik auf fatale Weise die Hirnchemie und damit das Gefühl des Hungers.

Die Hintergründe dazu erforscht seit vielen Jahren die Arbeitsgruppe um Professor Achim Peters an der Universität Lübeck. Er hat die Selfish-Brain-Theorie entwickelt, die einige unerklärliche Phänomene zum Thema Abnehmen entschlüsseln konnte ("Das egoistische Gehirn", Ullstein, um 20 Euro). Danach ist das Hirn selbstsüchtig und sorgt dafür, dass vor allem sein eigener Energiebedarf gedeckt ist. Und der ist enorm: Obwohl es nur 2 Prozent des Körpergewichts ausmacht, beansprucht es die Hälfte an Blutzucker für sich. Der Körper kann, um Energie zu erhalten, gespeicherte bzw. im Blut kreisende Nährstoffe nutzen (so genannte Allokation) oder er greift auf von außen zugeführte zurück.

Steht dem Hirn nicht genügend Glucose zur Verfügung, meldet es (Heiß-)Hunger, bevorzugt auf Kohlenhydratreiches. Bei einer durch Stress gestörten Allokation geschieht das auch dann, wenn schon reichlich Vorräte da sind. Der Betroffene hat trotz eines hohen Blutzuckerspiegels und voller Fettdepots ständig Hunger. „Man muss sich das wie einen Stau in der Lieferkette vorstellen“, erklärt Peters. Doch es kommt noch dicker: Da das Gehirn alle Energie für sich beansprucht, fällt Ihnen jede Art von Bewegung zunehmend schwer (wie Sie dies überwinden, erfahren Sie am Ende dieses 30er-Abschnitts).

Schon das Verlangen nach Nervennahrung bei Überforderung und Frust ist eine milde Form der Allokationsstörung. „Mit einem energiekompetenten Gehirn kommt man auch bei anstrengenden Aufgaben problemlos 4 Stunden und länger ohne Mahlzeit aus, ohne Hunger zu verspüren“, sagt Peters. „Man ist allenfalls mal etwas hibbelig.“ Die falsche Programmierung des Gehirns lässt sich zum Glück korrigieren. Am effektivsten geht das mit einer Dreierstrategie: Stress reduzieren, Nährstoffe verwerten, den Körper bewegen.

Verjagen Sie den Stress
Der erste Schritt ist, dem Stress in Ihrem Leben auf die Spur zu kommen und daran etwas zu ändern. Holen Sie sich ruhig professionelle Hilfe, denn: Manchmal löst nicht die Arbeitsbelastung den Stress aus, sondern die innere Einstellung zum Job, etwa ein Hang zum Perfektionismus. Das lässt sich nur schwer allein erkennen und überwinden. Auch mit richtiger Ernährung lässt sich Stress verjagen. „Er schädigt den Körper, da Eiweißstrukturen abgebaut werden. Das ändert die gesamte Biochemie“, so Froböse. Insbesondere essenzielle Eiweiße gilt es zu schützen. „Ich rate jedem zu eiweißorientierter Ernährung. Glutathion etwa ist als Eiweißprodukt der stärkste oxidative Stressfänger. Es kommt in vielen proteinhaltigen Lebensmitteln vor, etwa in Fleisch und Fisch.“

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