Epilepsiepille: Dünn und doof?

Medikamente wirken nur in der richtigen Dosis

Ist jetzt endlich die Tablette zum einfachen Abnehmen gefunden?

In den USA wird erstmals offen darüber geredet, dass die Epilepsie-Wirkstoffe Zonisamid und Topiramat einen deutlichen Gewichtsverlust bewirken – und das ganz nebenbei, ohne Quälerei. "Je dicker der Patient, desto mehr Gewicht verliert er damit", hat Professor Andreas Hufnagel, leitender Oberarzt der neurologischen Uniklinik Essen, beobachtet.

Zeit für Freudentänze? Leider nein. Das Prinzip "Was wirklich dünn macht, das ist gefährlich" gilt auch für das in Deutschland zugelassene Topiramat (Handelsname: Topamax). Denn es entfaltet seine Wirkung im Hirn, dementsprechend drastisch können die Nebenwirkungen sein, etwa stark verlangsamtes Denken und Gedächtnisstörungen. Ärzte spotten: "Macht dünn und doof".

Zudem steht der Wirkstoff im Verdacht, Krebs erregend zu sein. "Wenn man das Risiko und den Nutzen abwägt, dann kommt Topiramat zum Abnehmen nicht in Frage", sagt Werner Becker-Brüser vom "Arznei-Telegramm". Daran würden auch die neuen Rezepturen, an denen nun geforscht wird, kaum etwas ändern.

Bis zu 100 Milligramm täglich ist Topiramat recht gut verträglich, so Hufnagel. Als Abnehmpille hält er den Wirkstoff aber für "kritisch". Arzneimittel-Experte Gerd Glaeske von der Uni Bremen: "Verlässt man sich nur auf ein Mittel, ist die Gewichtsabnahme eh nicht von Dauer."

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