Erziehung: 8 Regeln für perfekte Väter

Frisch gewordene Väter haben einen niedrigeren Testosteron-Level als vor der Geburt des Kindes

Auf das Timing kommt es an: Wann man seinem Sohn was beibringen sollte

Dass Sexualaufklärung für Säuglinge noch keinen Sinn macht, liegt auf der Hand. Der erste Anzug kann warten, bis der Sohn zwölf oder 14 ist. Damit väterlicher Zuspruch auch auf fruchtbaren Boden fällt, ist der Zeitpunkt erzieherischen Eingreifens nicht ganz unwichtig. Was zu früh oder zu spät vermittelt wird, kann ohne Wirkung bleiben. Dass gerade Jungs dringend väterlichen Rückenwind zur rechten Zeit brauchen, das zeigen die im Vergleich zu Mädchen oft schlechteren Schulabschlüsse. Als Entwicklungshelfer für den Sohn ist der Vater prädestiniert, denn er kennt die spezifisch männlichen Probleme beim Erwachsenwerden aus eigener Erfahrung.

Ab 0: Paapaa!

Der Tatendrang eines Vaters wird oft früh frustriert: Da ist das Gefühl, nicht so nah an den noch winzigen Sohn heranzukommen wie die Partnerin, die zur Mega-Mami „muttiert“. Man sollte sich die Beteiligung jedoch erkämpfen, denn „Du kannst das nicht“ zählt nicht. Übung macht den Meister, und die Theorie der biologischen Determination („Frauen können es besser“) ist Quatsch. Männer reagieren ebenso sensibel auf Babysignale, sogar physiologisch, sagt Wassilios Fthenakis, Professor an der Uni Bozen. Außerdem zeigt eine Studie, dass Väter das Mütterverhalten nicht duplizieren, sondern ergänzen: Sie bringen etwas Eigenes ein. Wenn Sie also eine enge Bindung etablieren, fühlt sich Ihr Kleiner doppelt sicher, weil zwei für ihn einstehen. Die so erwachsende Sicherheit begleitet durchs weitere Leben.

Ab 10 Monaten: Jetzt wird der Vater besonders wichtig

Die Vater-Kind-Beziehung wird früh für Söhne entscheidend: Im Alter von zehn Monaten lösen sie sich aus der Mami-Symbiose, was Experten „Triangulierung“ nennen – das Familiendreieck Vater-Mutter-Kind bildet sich heraus. Während sich Mädchen mit der Mama identifizieren („Ich bin wie sie“), merken Jungs: „Ich bin anders.“ Das würden sie als Enttäuschung und Zurückweisung erleben, wenn da nicht der Dritte im Bund wäre, dem sie körperlich gleichen (werden) – der Vater. Seien Sie deshalb mehr als ein Spielkamerad zum Herumtollen, Körper- und emotionaler Kontakt zum Vater hilft Ihrem Sohn jetzt extrem dabei, neuen Halt zu finden. Männer sind im Kinderalltag Mangelware, gab Familienministerin Renate Schmidt jüngst zu: „Mit Ausnahme der Wochenenden kommen die Kinder in den ersten Lebensjahren fast exklusiv mit Frauen in Kontakt: Mütter, Tagesmütter, Erzieherinnen, Grundschullehrerinnen.“ Deshalb sind Sie als „Alternative Mann“ in dieser Zeit besonders wichtig, nur so kann Ihr Sohn seine Identität als Junge finden.

Ab 2 Jahren: Konflikte stärken die Autorität

„Wir sind unsicher geworden, wie wir mit Autorität umgehen sollen, weil es keine selbstverständliche Autorität mehr gibt“, sagt Rainer Neutzling, der mit Dieter Schnack den Klassiker „Kleine Helden in Not“ (Rowohlt) verfasst hat. Väter wollen eine Autorität sein, ohne autoritär zu handeln. Dazu muss man spätestens ab zwei Jahren konsequent Regeln setzen und sie (selbst) einhalten, „mit einem klaren Ziel vor Augen und einem Repertoire an Sanktionen“, erläutert Neutzling. Das bedeutet auch, dass man sich von der Vorstellung lösen sollte, a) immer nett zum Kind zu sein, und b) es stets zu fragen, was es will. Der Soziologe Neutzling meint: „Um authentisch zu sein, braucht man das Selbstbewusstsein, sich beim Kind unbeliebt zu machen, Konflikte einzugehen.“ Der Nachwuchs ist mit mancher Entscheidung überfordert, egal ob es um gesunde Ernährung („Pommes!“), die Zubettgehzeit („Neeeein, nicht“) oder einen Einkauf („Ich will das“) geht. Auch alles erklären zu wollen hilft nicht, ganz Kleine können das Warum und Wieso nicht verstehen, man überfordert sie damit nur. Es genügt ein „Nein, das geht nicht“.

Ab 3 Jahren: Weinende Indianer sind die Sieger

Muss man einen Kleinen früh abhärten, damit er als Großer zurechtkommt („Indianerherz kennt keinen Schmerz“)? Die neueste Erkenntnis dazu lautet: Zart macht hart, so Dr. Sebastian Kraemer vom der Whittington Klinik in London. Sein Forschungsergebnis: Kleine Jungs, die von Anfang gleich viel Zärtlichkeit und Unterstützung wie Mädchen erfahren haben, sind in Beruf und Beziehung erfolgreicher. Viel Härte schwächt dagegen das Selbstbewusstsein und verstärkt die Aggressivität. Kraemer meint: „Damit erzieht man seinen Sohn eher zum Fußballhooligan als zu einem selbstbewussten Mann.“ Man sollte Jungens also Schwäche, Angst und negative Gefühle zugestehen. Hinterfragen Sie Aussagen wie: „Du bist doch ein Junge, also trau dich, heul nicht.“ Helfen Sie ihm lieber, positiv mit Gefühlen zurechtzukommen, indem Sie Trost vermitteln und nicht Unverständnis. Zu dieser Education Sentimentale gehört auch, selbst Gefühle zu zeigen, wenn Schlimmes oder Schönes passiert. So lernt Ihr Sohn: Das ist für Männer okay.

Ab 6 Jahren: Lob für Leistung

Der Soziologe Rainer Neutzling sagt: „Gerade bei Dingen, bei denen man denkt, dass ein Junge sie einfach können muss, fällt es Vätern schwer, Angst oder Unvermögen des eigenen Sohnes zu akzeptieren.“ Er ist in der Schule nicht der Erste beim Sport? Seien Sie nicht enttäuscht. Neutzling rät, sich an die eigene Kindheit zu erinnern, an Ängste und Enttäuschungen. Oder konnten Sie gleich alles auf Anhieb perfekt? Das hilft, mit Verständnis zu reagieren. Sie wissen aus eigener Erfahrung, dass es oft Bessere gibt. Bemessen Sie Ihr Lob deshalb an der Anstrengung und Leistungsverbesserung Ihres Juniors, nicht an anderen.

Ab 10: Selbst ist der Mann

Man muss als Mann heute das ganze Spektrum an Können und Wissen mitbringen, das wissen Sie aus dem Alltag. Das bedeutet auch, dem Nachwuchs zu zeigen: Tätigkeiten sind nicht männlich oder weiblich, sondern zu erledigen. Oder soll Ihr Sohn, erst als Student mit der Realität konfrontiert, hilflos vor dem Wäscheberg, der Wursttheke oder dem Herd stehen? Binden Sie ihn in alles ein, nicht nur in die Rasenpflege.

Ab 12: Let’s talk about Sex

Man will nicht wissen wie, aber der Herr Sohn soll einen gesunden Umgang pflegen. Da ist Reden Gold. Konrad Weller, Leiter des Sexualpädagogischen Zentrums der FH Merseburg, sagt: „Schweigen sich Eltern schamhaft aus, finden Kinder dafür nur eine logische Erklärung: die Unanständigkeit dieses Tuns“ (siehe www.familienhandbuch.de). Jungs werden oft mit dem Thema allein gelassen, die Mädchen von der Mutter eingeweiht. Bleiben Sie also dran. Manche Eltern meinen, wenn sie „es“ erklären, passiere „es“ auch früher. Pieter Schnell, Mitinitiator der Anti-Aids-Kampagne „Vergessen ist ansteckend“: „Eltern können den Zeitpunkt des ersten Mals kaum beeinflussen. Sie hätten jedoch die Chance, dass sich ihr Kind wenigstens dabei schützt, wenn sie rechtzeitig aufklären.“

Und überhaupt: Der Knabe kann auch mal Recht haben

Der Junge soll selbstbewusst werden und sich nicht von irgendwelchen Versprechen verführen lassen? Dann sollten Sie ihn zu Hause zur Meinungsstärke ermutigen: Binden Sie ihn schon als Schulkind in Erwachsenengespräche ein, Fragen soll er selbst beantworten. Das bringt Selbstbewusstsein und macht redegewandt. In der Pubertät, wenn Kids andere Werte austesten, sollten Sie nach Argumenten fragen, aber seine Ansichten gelten lassen (selbst wenn Sie meinen, Sie haben Recht). Er muss eine eigene Weltsicht entwickeln, das haben Sie genauso gemacht. Insgesamt gilt: „90 Prozent der Erziehung sind unbewusst. Man lebt als Vater mit dem eigenen Verhalten vor, mit dem, was man für richtig hält“, sagt Rainer Neutzling. Trauen Sie sich zu tun, was Sie für richtig halten. Vor allem Ihr tägliches Engagement und die Präsenz und Involvierung ins tägliche Leben Ihres Sohnes macht Sie zum guten Vater.

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