Interview mit Andre Agassi: Warum Andre Agassi nie aufgibt

Andre Agassi
Tennisprofi Andre Agassi zeigt seinen wichtigsten Körperteil: den Bauch.

Das Geheimnis seines Erfolges: Warum Andre Agassi nie aufgibt, wie er siegt und Steffi sein bester Kumpel ist.

Men´s Health: Mit 33, nach 17 Profi-Jahren, sind Sie in der Form Ihres Lebens. Was ist Ihr Geheimnis?
Andre Agassi: Den inneren Schweinehund zu überwinden, fällt mir schwerer als früher. Trotzdem muss man immer versuchen, sich zu verbessern. Ich bin ständig auf der Suche nach dem perfekten Schlag, dem perfekten Match, großen Siegen – und ich habe nicht mehr viele Chancen ...

MH: Hört sich nach 'ner Menge Herzblut an.
Agassi: Wenn man sich einfach treiben lässt, hat man schon verloren. Du willst einfach nur das Leben genießen? Schön. Aber dann musst du dir darüber im Klaren sein, dass deine Karriere als Profisportler vorbei ist. Für mich ist es viel interessanter, mit Herzblut zu spielen. Das Match ist besser, und die Fans merken, dass ich wirklich gewinnen will, mit jeder einzelnen Muskelfaser.

Müssen Sie dafür härter trainieren als früher?
Agassi: Man muss schlauer trainieren, nicht zwingend härter. Wenn man älter wird, geht es mehr darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen: wie oft man spielt oder trainiert, wann man eine Spielpause einlegt. Wenn man Dinge angeht, dann am besten clever, effektiv und mit Leidenschaft.

MH: Und was fällt Ihnen heute leichter als früher?
Agassi: Die schlechten Tage zu vergessen, in die Zukunft zu denken.

Andre Agassi

Vorteil: Agassi: „Niederlagen sind eine Herausforderung!“

Wir haben mit Tennis-Star andre Agassi über sein Training gesprochen. Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews seine Antworten.

MH: Sind Niederlagen plötzlich weniger schlimm?
Agassi: Früher war ich nach einer Niederlage vielleicht nicht so sauer. Und trotzdem hat sie mich länger beeinflusst. Heute ist jede Niederlage für mich eine herbe Enttäuschung. Aber ich lasse mir dadurch nicht den nächsten Tag verderben, ich sehe Niederlagen inzwischen eher als Herausforderung für die Zukunft.

MH: Wie ist heute das Gefühl nach einem großen Sieg?
Agassi: Alles Gute fühlt sich noch besser an, wenn man älter wird.

MH: Und das beste ist, einen Youngster zu schlagen?
Agassi: Es beweist, dass Qualität keine Frage des Alters ist!

MH: Sondern eine Frage des richtigen Trainings?
Agassi: Ja, wobei man nicht unbedingt jeden Tag trainieren muss. Mal ist eine harte Trainings-Session die beste Vorbereitung auf ein Match. Manchmal ist es allerdings besser, sich vernünftig zu regenerieren. Man muss eben immer auf seinen Körper hören.

MH: Und dann spontan entscheiden: Training oder Faul sein?
Agassi: Ich weiß das meistens länger im Voraus. Ich entscheide selbst über mein Training, plane es nach meinen Bedürfnissen. Was ich nicht kontrollieren kann, das ist die andere Seite des Netzes.

MH: Wie kann man sich dann hundertprozentig vorbereiten?
Agassi: Egal was du machst, mache es auf Teufel komm raus! Ich spiele intensiv, ich trainiere intensiv und ich entspanne intensiv. Intensiv entspannen bedeutet für mich, dass Tennis nicht immer die Hauptrolle in meinem Leben spielt. Ich schaue mir gerne gute Spiele an. Und ich liebe es, über Tennis zu philosophieren. Aber nicht 24 Stunden am Tag!

MH: Wie sieht ein typisches Agassi-Workout aus?
Agassi: Morgens anderthalb Stunden im Kraftraum, dann eine Stunde laufen – am liebsten am Berg oder Sprints. Nach einer kleinen Erholungspause dann ein, zwei Stunden Tennis – je nachdem, auf welchem Belag die Turniere gerade gespielt werden. Ich werde es nicht mehr schaffen, den Ball noch härter zu schlagen. Aber ich kann stärker und schneller werden, damit ich besser vorbereitet bin, den Ball möglichst optimal treffen kann.

MH: Welches ist dabei Ihr wichtigster Muskel?
Agassi: Die Bauchmuskulatur! Denn davon hängt alles ab, wenn man sich dreht, den Schläger zum Ball führt, zuschlägt. Deshalb haben Tennisspieler immer einen gut trainierten Bauch. Selbst dann, wenn sie den Kraftraum nur selten von innen sehen.

MH: Haben Sie eine Lieblingsübung für Ihre Bauchmuskeln?
Agassi: Den „Russian Twist“: Auf den Rücken legen, die Füße fixiert oder in der Luft, in den Händen ein Medizinball. So die Arme ausstrecken und die Schultern nach rechts bewegen, dann nach links usw. Wichtig ist, dass die Hüfte sich dabei nie mitdreht!

MH: Was lässt sie durchhalten?
Agassi: Ich weiß, dass es bald vorbei sein wird! Zur Not trainiere ich kürzer, verringere allerdings niemals die Intensität. Für mich ist es wichtig, den Zielstrich vor Augen zu haben. Der Weg dahin kann kürzer sein, aber auf keinen Fall verringere ich die Intensität, mit der ich ihn passiere.

MH: Und die Belohnung danach?
Agassi: Neuer Kraftstoff für den Körper: Getränke, Flüssigkeit, Wasser. Außerdem etwas Gutes zu essen.

Andre Agassi

VORTEIL: AGASSI: „Ich liebe alles Frittierte!“

Bei uns verrät Andre Agassi das Geheimnis seiner Stärke: die Familie. Was der frischgebackene zweifache Vater am Liebsten isst, lesen Sie im dritten Teil des des Interviews.

MH: Sie waren praktisch süchtig nach Fast-Food. Jetzt sind Sie schlank und in Topform. Wie haben Sie das geschafft?
Agassi: Ganz einfach, Jungs: Setzt Euch an den Tisch, füllt den Teller und schiebt ihn sofort wieder weg! Im Ernst: Der Körper verändert sich, wenn man älter wird. Und: Ich habe Ziele. Je mehr Ehrgeiz ich entwickelt habe, das beste Tennis meines Lebens zu spielen, desto mehr Lebensbereiche änderten sich, eben auch meine Ernährungsgewohnheiten.

MH: Demnach gibt es bei Agassis nur noch rohes Gemüse.
Agassi: Nein, danke! Ich könnte zwar ohne Süßes auskommen. Aber nicht ohne Fett. Ich liebe alles Frittierte: Pommes, Schnitzel ...

MH: Landet das nicht direkt an Ihren Hüften?
Agassi: Ich muss schon auf mein Gewicht achten. Aber besonders schwer ist das nicht, bei all den Kalorien, die ich verbrennne.

MH: Seit 2 Jahren sind Sie Vater. Wie hat das Ihre Karriere beeinflusst?
Agassi: Es fällt mir schwerer, ständig unterwegs zu sein. Aber es hilft mir zu kapieren, warum ich es tue. Wenn ich schon sechs Wochen von meiner Familie getrennt sein muss, dann sollen es sechs sinnvolle Wochen sein. Es motiviert mich, effektiver zu spielen, mich zu konzentrieren.

MH: Und wenn Sie dann nach Hause kommen ...
Agassi: ... dann hilft mir meine Familie, schneller wieder runterzukommen. Du hast gar keine Chance, lange über einen verschlagenen Ball, einen verlorenen Satz nachzugrübeln, wenn dein Sohn die ganze Aufmerksamkeit fordert.

MH: Sie haben einmal gesagt: „Ich will erst Kinder haben, wenn ich der Vater sein kann, der ich sein will.“ Sind Sie es nun?
Agassi: Ich versuche es jeden Tag. Aber wenn ich je voll mit mir zufrieden wäre, sähe ich keinen Sinn mehr im Morgen. Also bin ich nie ganz zufrieden, auch als Vater nicht.

MH: Ist das Auch ein Grund, warum sie sich für benachteiligte Kinder engagieren?
Agassi: Ich finde es nur recht und billig, etwas zurückzugeben. Nicht die Dinge, die man besitzt, machen einen reich. Sondern das, was man lernt und leistet im Leben.

MH: Hilft es Ihnen als Sportler, religiös zu sein?
Agassi: Ich würde mich nicht als religiös bezeichnen. Religion ist für mich etwas von Menschen Geschaffenes – der Versuch, mehr als nur Mensch zu sein. Für mich geht es darum, an etwas zu glauben, ein Fundament für das eigene Leben zu schaffen. Und das hilft mir auch auf dem Tennisplatz.

MH: Hat es Ihnen auch beim Comeback Ende der 90er geholfen, von WeltranglistenPlatz 141 zurück zur Nummer 1?
Agassi: Ich wusste, dass ich mein Schicksal in die Hände nehmen muss. Es war Zeit aufzuhören oder etwas zu ändern. Und mit 27 in Rente zu gehen, wäre verrückt gewesen. Also habe ich eine Entscheidung getroffen: das Bestmögliche aus meinem Spiel herauszuholen! Und wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, dann kann mich nichts mehr davon abbringen. Ich habe hart an mir gearbeitet, sehr hart. Und jedes Mal wenn ich dachte, jetzt sind deine körperlichen Grenzen erreicht, habe ich mich an mein Ziel erinnert und mich gefragt: Kannst du wirklich nicht härter trainieren, laufen, schlagen?

MH: Hatten Sie niemals Zweifel?
Agassi: Die habe ich auch heute noch. Aber ich bin davon überzeugt, dass man umso härter kämpft, je mehr Respekt man vor einer Sache hat. Oft helfen Zweifel, das Beste aus sich herauzuholen.

MH: Wie hat diese Lebensphase Sie verändert?
Agassi: Ich habe gelernt, was und wer wirklich wichtig für mich ist.

MH: Kann ihr Comeback Vorbild für andere Männer sein?
Agassi: Ich weiß es nicht. Wenn meine Geschichte anderen hilft, ist das großartig. Aber jeder muss für sich selbst den Weg finden.

MH: Brauchen Männer Vorbilder?
Agassi: Ich habe mich niemals an einem einzigen Menschen orientiert. Jeder hat irgendetwas zu bieten, und man kann von jedem lernen.

MH: Wie wichtig sind Ihnen dabei Freundschaften?
Agassi: Sie sind das Beste überhaupt! Sich aufgehoben zu fühlen, über das zu reden, was einen gerade bewegt, und zu hören, was andere Menschen denken.

MH: Muss der beste Freund eines Mannes ein Mann sein?
Agassi: Im Gegenteil: Als Mann kannst du nur hoffen, dass deine Frau beziehungsweise Freundin auch dein bester Freund ist. Und Gott sei Dank, bei mir ist das so!

Andre Agassi
Mit 33 Jahren noch immer Weltklasse: Andre Agassi.

Profil: Das ist Andre Agassi

Andre Kirk Agassi (33) ist einer der erfolgreichsten Tennisspieler überhaupt.

Als Profi gewann er seit 1986 mehr als 700 Spiele und fast 50 Einzeltitel, darunter sämtliche Grand Slams, den Davis-Cup und olympisches Gold in Atlanta.

Er erspielte mehr als 22 Millionen Dollar – Werbehonorare nicht eingerechnet. Im Jahre 1994 gründete er die „Andre Agassi Charitable Foundation“, die vernachlässigten Kids in Las Vegas hilft.

Agassi ist mit Steffi Graf verheiratet, Sohn Jaden Gil kam 2001 auf die Welt, das zweite Kind, Tochter Jaz, wurde Anfang Oktober 2003 geboren. Die Agassis leben in Las Vegas und in Hotels nahe den großen Tennis-Arenen der Welt.

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