Bücher der Superlative: Lesen statt lästern!

Die spinnen, die Amis? Bevor Sie solche Sprüche klopfen, sollten Sie sich besser erst mal einlesen

Der Roman, der einen am besten Amerika verstehen lässt: Colson Whitehead: "John Henry Days", Hanser Verlag, 527 Seiten, 24,90 Euro

Der Autor: Seit seinem Debüt mit dem Krimi "Die Fahrstuhlinspektorin" gehört der 34-Jährige zu den vielversprechendsten afroamerikanischen Autoren der jüngeren Generation. Die bestechende Mischung aus Rassenproblematik und Legendenbildung sowie die Modernität seiner Komposition in dem zweiten Roman lassen ebenso an den schwarzen Übervater Ralph Ellison denken wie an die Erneuerer Thomas Pynchon und Don DeLillo.

Darum geht’s: In Talcott, West Virginia, finden die John Henry Days statt. Anlass ist die Vorstellung einer Briefmarke, die dem legendären Sohn der Stadt gewidmet ist. Der schwarze Tunnelarbeiter besiegte hier 1872 im Wettstreit eine Dampfbohrmaschine und starb kurz danach. Die bunte Truppe aus Journalisten, PR-Beratern, Eisenbahnfans und Briefmarkensammlern, die nach Talcott reist, ist auf der Suche nach dem Mann hinter der Legende. Das Buchereignis des Frühjahrs!

Beste Szene: Jeden Morgen dreht Mr. Street im Fenster seiner Wohnung in Harlem das Schild von "Geschlossen" auf "Geöffnet" und wartet auf Besucher seines John-Henry-Museums, in dem er haufenweise Bilder, Skulpturen und Lieder des ersten schwarzen Superstars präsentiert. Doch: Nie kommt auch nur ein einziger Besucher. Ebenso anrührend wie traurig. (Seite 513-518)

Geeignet für: Für alle, die wissen wollen, was Amerika heute ausmacht, gibt Whitehead erhellende Einblicke - von der Sklavenbefreiung bis zum Internet. Auch Eisenbahnfans, Journalisten und Briefmarkensammler kommen auf ihre Kosten.

Das braucht man dazu: Am besten auf einer langen Bahnfahrt durch bergige Landschaft mit vielen Tunneln lesen!

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