Gegen Doping: So zerstören Anabolika Ihren Körper

Auch ohne Anabolika klappt's mit den Muskeln – garantiert!
Anabolika sind keine Lösung – egal wie das Problem auch aussehen mag

Viele Kraftsportler versuchen mit Hilfe von Steroiden wie Anabolika, ihren Körper zu dopen. Doch sie zerstören damit ihre Gesundheit

"Der hat ja Titten!" Irgendeiner tuschelt den Satz immer, wenn Jörg Börjesson seine Fotos auspackt. Auf einem sieht er aus wie das Klischee des Bodybuilders: aufgepumpte Muskulatur, dicke Adern, dreieckiger Hals. Das andere zeigt ihn mit Körbchengröße B – das Resultat mehrerer "Kuren" mit männlichen Hormonen, die sich im Körper in weibliche Hormone umwandeln und Männern Brüste wachsen lassen können. Knapp ein Pfund Gewebe wurde Börjesson vor 4 Jahren entfernt. Mit den Fotos zieht er als Anti-Doping-Aktivist nun durchs Land und versucht, vor allem Jugendliche vor Anabolika zu warnen. "Die wollen alle toll aussehen, durchtrainiert, muskulös", so Börjesson. "An Brüste, Narben durch aufgeplatzte Haut und schlimmste Akne denkt keiner – und schon gar nicht daran, dass die Organe irgendwann komplett im Eimer sind und man fett und schwammig wird, weil man überhaupt keinen Sport mehr machen kann."

Gruselige Nebenwirkungen von Anabolika
Die Liste der gruseligen Wirkungen ist lang. Schon nach 6 Monaten sind die Hoden auf Minigröße geschrumpft, weil der Körper derart mit Hormonen geflutet wird, dass er die eigene Testosteron-Produktion nahezu einstellt. Oft ist Impotenz die Folge. Dazu kommen Depressionen, eine dramatisch gesteigerte Aggressivität, massive und potenziell tödliche Vergrößerungen des Herzens (ein so genanntes Rinderherz) sowie Leberkrebs. Die meisten wissen von den drastischen Nebenwirkungen, halten sich aber für immun. "Ich höre rechtzeitig auf", reden sie sich ein. Zu spät merken sie, was Experten längst wissen: Doping kann zur Sucht werden. Wer damit aufhört, sieht nicht nur seine Muskeln dahinschmelzen, sondern fühlt sich auch mies – beides ist schwer erträglich und Anreiz weiterzumachen. Hinzu kommt die Gewöhnung, die ständig steigende Dosen verlangt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Bodybuilder 4 verschiedene Substanzen einwerfen, gerne auch in der 10-fachen Menge der wirksamen Dosis.

Ein Fünftel gedopt?
Beschaffungsprobleme gibt es hierbei nicht. Wer etwas schlucken oder spritzen will, der bekommt es auch. Und viel zu viele wollen. In einer Studie gaben 22 Prozent der Männer zu, schon mal Anabolika eingenommen zu haben – ein Ergebnis, das selbst den Leiter der Studie, Dr. Carsten Boos von der Uniklinik Lübeck, überraschte, weil er extra nur normale Fitness-Studios ausgewählt hatte und keine typischen Muckibuden. "Dennoch wurde das Ergebnis oft kritisiert, weil man es streng genommen nicht auf die 1500 Befragten beziehen kann, sondern nur auf die 454 , die geantwortet haben", berichtet Boos. "Doch selbst wenn der systematische Fehler bei 50 Prozent läge, hieße das immer noch: In Deutschland gibt es mehr als 200 000 Männer, die Steroide nehmen und oft gefährlich aggressiv sind."

Kaum Einsicht
Insider Börjesson hält auch die Zahlen ohne Abzüge keinesfalls für zu hoch gegriffen – "vor allem, wenn man die echten Muckibuden und Kraftkeller in Jugendtreffs einbezieht." Eine aktuelle Studie der Uni Tübingen ermittelte mit einer raffinierten Fragemethode 12,5 Prozent als Zahl der Kunden, die illegale Dopingmittel eingeworfen haben. Ein interessantes Nebenergebnis: Der Konsum illegaler Drogen wird viel seltener zugegeben als der von Steroiden. Offenbar wird Doping für keine große Sache gehalten. Das merkt auch Börjesson, der trotz seines drastischen Vortrags immer wieder gefragt wird, wie sich denn eine "Kur" zusammenstellen ließe, bei der keine Schäden auftreten. "Denen erkläre ich: Gesunden Medikamentenmissbrauch gibt’s nicht." Auch von Boos wollte mancher "Gestoffte" wissen, welche Präparate gefährlicher sind als andere. "Ausnahmslos alle wollen weitermachen", erzählt er. Und auch Börjesson macht weiter: Er versucht zu zeigen, dass der Verzicht auf Steroide nicht Verzicht auf Muskeln bedeutet. "Gerade die Kids in den Kraftkellern kennen oft nicht mal die einfachsten Übungen", sagt er. "Die sind total überrascht, wenn ich denen zeige, was ohne Doping so alles möglich ist."

>>> Zum YouTube-Channel von Jörg Björjesson

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