Männer in Frauenberufen: Ausbildung zum Arzthelfer

Fabian macht eine Ausbildung zum Arzthelfer
Den Anstoß zur Ausbildung beim Lungenfacharzt kam von einem Pharmavertreter

Auslachen war gestern: Drei Männer, drei Frauenberufe. Was zählt ist die Leidenschaft für die Sache

Dank Alice Schwarzer und Co. hat die Emanzipation unerwartete Hürden genommen. Frauen rackern heute als Zimmersleute und Schornsteinfeger, führen globale Unternehmen – und die Bundesrepublik, kämpfen sogar bei der Bundeswehr. Und umgekehrt?

Wo sind eigentlich all die Floristen, Arzthelfer und Tippser? Tatsächlich gibt es sie – hier!

Die falsche Begrüßung: "Guten Tag Herr Doktor"
Wenn Patienten das erste Mal die Praxis von Dr. Brown in Hamburg betreten, mögen sie sich vielleicht wundern, dass der Lungenfacharzt so jung aussieht, die Begrüßung ist aber oft die gleiche. "Guten Tag Herr Doktor!", heißt es dann. Da liegen sie falsch. Es müsste heißen: Guten Tag Herr Arzthelfer. Denn das freundliche Lächeln am Empfang gehört Fabian Müller und der macht derzeit ein Ausbildung zum Arzthelfer.

Die Kolleginnen, und es sind außer Dr. Brown sonst NUR Kolleginnen, amüsieren sich gerne über solche Situationen und klären ebenso gerne auf, dass es sich bei Ihm um den Azubi handelt. Die Patienten geben sich überrascht, reagieren aber ansonsten positiv.

Der Zufall war der Weg

"Nach der Schule brauchte ich einen Job und meine Schwester verschaffte mir einen bei ihrem Arbeitgeber", sagt Fabian, erklärt Fabian seine seltene Wahl. Sie machte gerade ihre Ausbildung zur Arzthelferin bei Dr. Brown und vermittelte ihrem Bruder dort einen Nebenjob . Dort arbeitete er dann eine auf 400-Euro Basis, erledigte den Papierkram und nahm Telefonate entgegen. Bis ihn eines Tages ein Pharmavertreter fragte: "Wenn du sowieso jeden Tag hier bist, warum machst du dann nicht gleich eine Ausbildung?" Das hatte Fabian auch schon gedacht und nun bewarb sich in der Praxis. "Durch meine bisherige Erfahrung in der Praxis bekam ich den Job. Ich habe somit schon mit viel Vorwissen angefangen", erklärt Fabian.

Irrwege mit Zielfindung
Vor seiner Ausbildung zum so genannten Medizinischen Fachangestellten ließ sich er erst einmal eine Weile treiben, so Fabian selbst. Der 23-jährige probierte eine Menge aus. Einmal ein Praktikum bei einem Gas-Wasser-Installateur, ein anderem Mal bei einer PC-Firma. "Ich lege viel Wert auf mein Äußeres und wollte daher keinen Beruf ausüben, bei dem man schmutzig werden kann", sagt Fabian. Der Bürojob kam für Fabian aber auch nicht in Frage – da fehlte ihm der direkte Kontakt mit Menschen.

Nach seinem Schulabschluss absolvierte er deshalb erstmal seinen Zivildienst beim Krankentransport. Durch den Tipp eines Freundes wechselte Fabian dann zur Sozialstation des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). "Die Arbeitszeiten bei der Sozialstation waren weitaus angenehmer und es gab mehr Freizeit", sagt Fabian.

24 überraschte Gesicher und viel Besuch

Als Fabian das erste Mal die Klasse in der Berufsschule betrat, schaute er in 24 überraschte Frauengesichter. Unter den vielen Mitschülerinnen entdeckte er nur einen einzigen männlichen Mitschüler. Die meisten seiner Klassenkameradinnen prophezeiten: "Du brichst deine Ausbildung sowieso ab". Doch von den zwei Jungs war Fabian derjenige, der blieb. So war er bald der Hahn im Korb. Das Verhältnis zu den Lehrern ist locker. Manchmal machen sie sich sogar über die vielen Frauen in der Klasse lustig: "Das können Frauen eh nicht".

Die Auswahl genutzt
In der Schule, wen wundert's, lernte er seine Freundin kennen. "Über meine Berufswahl war sie nicht sonderlich verwundert", sagt Fabian. Im Gegenteil: Sie interessierte sich genauso dafür, wie er zu seinem Job kam, wie die anderen Mitschülerinnen auch. "Eigentlich ist es praktisch, dass wir beide den gleichen Beruf haben", sagt Fabian, "so können wir uns über die Arbeit unterhalten und der andere weiß genau, wovon man redet."

Als er seine Ausbildung anfing, waren seine Eltern froh, dass Fabian endlich eine Arbeit gefunden hatte, die ihm Spaß macht. "Auch meine Freunde haben sich für mich gefreut", erzählt der angehende Arzthelfer. Am Anfang haben sie ihn sogar von der Schule abgeholt oder ihn im Unterricht besucht. "Die wollten sich alle mal die Mädels ansehen und auch eventuell die ein oder andere kennenlernen", vermutet Fabian. Mit der Zeit ist es sogar für seine Freunde so normal geworden, dass ihr Kumpel nur mit Frauen zu tun hat. Nun kommen sie nicht mehr.

Auch für Fabian ist seine scheinbar weibliche Beschäftigung mittlerweile ganz normal. Er gehe offen und locker auf die Patienten zu, meint er. Allerdings sei diese Lockerheit manchmal einseitig. "Frauen scheint es manchmal peinlich zu sein, wenn sie mit einer Nasenklammer im Behandlungszimmer sitzen," schmunzelt der Azubi.

Die Frauen, die sich ausziehen müssen, beispielsweise für ein EKG, sind meistens älter, können aber besser mit der Situation umgehen. "Und wenn man dann noch einen lockeren Spruch bringt, kann die Situation gar nicht peinlich werden", sagt der 23-jährige. Letztendlich versucht Fabian während seiner Arbeit keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen zu machen. Und das erwartet er auch von seiner Umwelt.

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