Job mit Menschen: Ausbildung zum Sekretär

Martin macht seine Ausbildung zum Sekretär
Martin ganz konzentriert bei seinem Job

Er muss sich als Tippse verspotten lassen. Doch das ficht ihn nicht an, Martin Haase hat Beruf und Berufung gefunden: Er wird Sekretär

Wer im Service-Center der Handelskammer Hamburg anruft, den begrüßt eine tiefe Stimme, die Stimme von Martin Haase. Dort, wo normalerweise die klassische Sekretärin sitzt und Gespräch annimmt , arbeitet ein Mann. Martin macht dort seine Ausbildung zum Sekretär. "Eigentlich wollte ich mein Abi machen und studieren", sagt Martin, "aber ich bin am Anfang der Dreizehnten von der Schule abgegangen." Seine Leistungskurse waren Deutsch und Kunst, wobei ihm Kunst mehr lag als Deutsch.

Stattdessen nahm er sich nach der Schule erst einmal eine Auszeit von drei Monaten, um sich selbst und den richtigen Ausbildungsplatz zu finden. "Mich hat die Handelskammer Hamburg als Arbeitgeber schon immer interessiert, da es gut klingt dort zu arbeiten und auch einen guten Ruf hat" erinnert er sich an seine Jobfindung. "So habe ich die Internetseite durchforstet und bin auf die Lehrstellenbörse gestoßen."

Als er seine Bewerbung zur HK schickte, konnte er sich zwar nichts genaues darunter vorstellen. Aber "das ging nicht nur mir so, die meisten können sich zuerst nichts vorstellen", sagt er. Die Unterlagen waren schon bei der Post, da hat er sich noch einmal informiert und da erst ging ihm ein Licht auf: "Ich wollte die Ausbildung nun unbedingt," sagt Martin. Er fand die Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation so interessant, weil er unbedingt einen Job mit direktem Kontakt zu anderen Menschen wollte.

"Ich habe das Gefühl, dass von mir mehr erwartet wird als von den Anderen, wobei ich mir aber nicht sicher bin, ob es daran liegt, dass ich der älteste oder einzige männliche Azubi in meinem Bereich bin", sagt Martin. Aber in dem Team fühle er sich trotzdem wohl.

Martin macht seine Ausbildung zum Sekretär
Martin macht im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung zum Sekretär

Klassische Vorurteile

Auf die Frage ob Männer anders mit ihm umgehen als Frauen, überlegt er kurz und kommt zu dem Entschluss: "Frauen reden im Allgemeinen viel mehr als Männer und brauchen dementsprechend länger, bis sie auf den Punkt kommen. Außerdem fragen sie mich oft nach mir aus." Sogar nach seinem Privatleben.

Positive Diskriminierung
Doch nicht nur die Frauen gehen anders mit ihm um, auch die Männer reden am Telefon oft netter und ruhiger mit ihm, so Martin. Er wird auch nicht, wie seine Kolleginnen, angeschrien oder beschimpft. Die Anrufer reagieren eher überrascht. Da er sich nur mit seinem Namen vorstellt und nicht dazu sagt welchen Beruf er genau ausübt, sind die Menschen oft verwirrt.

Martin wird bisweilen auch nicht für einen Sekretär gehalten. "Vor einiger Zeit sollte ich bei einer Veranstaltung die Vorbereitungen übernehmen. Als ich dabei war, Handouts auszuteilen, kam der Chef eines großen Unternehmens herein, begrüßte mich freundlich und begann eine Unterhaltung mit mir. Als wenig später mein Chef hereinkam und die Situation aufklärte, war der Konzernchef vollkommen verblüfft", erzählt der Azubi.

Spitznamen: Tippse
Martin wird bei seinem Beruf bleiben, auch wenn er sich oft den Spitznamen Tippse anhören muss "Es macht mir Spaß, hier zu arbeiten. Und ich habe sogar schon einen unbefristeten Vertrag für die Zeit nach meiner Ausbildung."

Warum ein Mann Florist geworden ist, lesen Sie hier

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