Balance: Eine zittrige Angelegenheit

Still halten! Zittern!
Er konzentrierte seine ganze Kraft in der Fingerspitze…und zitterte

Das Geheimnis des Balance-Akts? Zittern – und zwar schneller als man gucken kann. Das Ausgleichen beim Jonglieren sei nämlich zu schnell für gezielte Reaktionen, sagen Forscher.

Sie glauben, Jonglieren hat nur etwas mit schneller Reaktion zu tun? Weit gefehlt: Die meisten der Ausgleichsbewegungen passieren nämlich viel schneller, als der Mensch überhaupt reagieren kann. Das fanden jetzt Juan Cabrera und John Milton von der Uni in Chicago heraus.

Sie filmten mit einer Infrarotkamera einen reflektierenden Stift, der senkrecht auf einem Finger balanciert wurde. Das reflektierte Licht erlaubte ihnen, die Abweichung des Stiftes aus der Vertikalen zu beobachten.

Dabei fanden die beiden Wissenschaftler heraus, dass auch die kleinsten Ausgleichsbewegungen beim Balancieren zwischen 10 Millisekunden und zwei Sekunden dauerten. Die typische Reaktionszeit des Stiftes darauf passierte allerdings mit einer Geschwindigkeit von unter 100 Millisekunden, also zehn mal so schnell. Das heißt, dass 98 Prozent der Bewegungen des Stiftes schneller waren als die menschliche Reaktionszeit.

Zittern, dass das Zeug hält
Die Theorie der beiden Balance-Forscher: Wenn der Stift dauernd kurz vor dem Umkippen ist, wird er nur durch zufälliges, extrem schnelles Zittern aufrecht gehalten. Die verschiedenen Vibrationen heben einander auf und halten den Stift so in der Senkrechten.

Cabrera und Milton glauben, dass ihre Theorie auch erklärt, warum Akrobaten sich auf einem Hochseil halten können. Für die Entwickler von Robotern könnte das heißen, dass sie eine gewisse Grundvibration in ihre Maschinen einbauen sollten, damit diese noch stabiler würden.

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