Verabreden, kennenlernen, verlieben: So punkten Sie beim Blind Date

Seien Sie beim Date großzügig, das kommt bei Frauen gut an
Auch beim Blind Date gibt es Regeln für Erfolg

Wie Sie beim Blind Date eine gute Figur machen

Telefonieren und Vorbereitung
Da liegt sie vor Ihnen, die Telefonnummer Ihres ersten Dates. Verheißungsvoll wie das Fernsehspätprogramm mit diesen Spots, in denen spärlich bekleidete Frauen Sie auffordern: Ruf mich an! Aber Achtung: Eine telefonische Verabredung zum Blind Date ist nicht im Entferntesten so wie schneller Telefonsex. Eher eine fernmündliche Bewerbung, und die will ordentlich vorbereitet sein.

1. Fragen notieren: Schreiben Sie vor dem Telefonat stichwortartig Ihre Fragen auf. Ist die Dame dick oder dünn, blond oder dunkel, groß oder klein?  Hat sie eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin hinter sich oder ist sie Mathematikdozentin? So eine Liste kommt zwar erst mal ein wenig unromantisch daher, sie hilft aber schon im Vorfeld zu klären, ob sich ein Treffen mit dieser Person überhaupt lohnt.

2. Keine Quizshow: Am Telefon (und auch später) gilt vor allem: Machen Sie nicht Günther Jauch Konkurrenz. Betrachten Sie Ihre Liste nur als Gedächtnisstütze. Sie sollten unbedingt vermeiden, vorformulierte Sätze abzulesen. Erzählen Sie lieber ein wenig (!) von sich (im Themengebiet über das Sie Auskunft wünschen) und knüpfen Sie dann locker daran an. Statt „Was sind Deine Hobbys?“ berichten Sie also von Ihrem letzten Kick mit den Kumpels im Park und fragen anschließend: „Und? Machst Du auch manchmal Sport?“ Und statt ihre Maße abzufragen („90–60–90?“), beschreiben Sie zunächst sich selbst, dann wird sie wahrscheinlich das Gleiche tun. Sehr wichtig dabei: Betrachten Sie das Gespräch wie ein Pingpongspiel. Da ist jeder mal am Ball.

3. Ehrlich sein – zu sich und zu ihr: Da haben Sie nun zwanzig Minuten nett geplauscht und sogar festgestellt, dass Sie beide kaukasische Trachtenpuppen sammeln. Und da sagt Sie Ihnen plötzlich, dass sie aussieht wie Jenny Elvers. Das Problem: Sie können partout nur mit dunkelhaarigen Frauen. Sagen Sie in diesem Fall ehrlich, aber mit einem Schuss Diplomatie: „Du klingst echt sympathisch, aber ich muss Dir gestehen, dass ich eine ziemliche Macke habe: Ich stehe nur auf Schwarzhaarige. Darum fürchte ich, dass das nix mit uns wird.“

Warum? Weil es besser ist, im Vorfeld allen Mut zusammen und das Risiko in Kauf zu nehmen, oberflächlich zu erscheinen, als ein ganzes Treffen über die Bühne zu bringen – mit dem absehbar gleichen Ergebnis. Ach ja, umgekehrt müssen Sie natürlich auch einen Korb ertragen können.

4. Der Treffpunk:
Sie wissen schnell: Diese Frau würde ich gerne persönlich kennen lernen. Nur wo? Ziel Ihrer Verabredung ist das genauere Beschnuppern. Sie sollten Sie sich also unterhalten können. Ergo sind Verabredungen ins Kino oder Theater ungünstig, ein Treffen zum Essen zu verbindlich – sparen Sie sich Derartiges für später auf. Optimal ist dagegen ein ruhiges Café. Das Lokal sollte möglichst mittig zwischen Ihren beiden Wohnorten liegt – aber keinesfalls Ihre Stammkneipe sein. Es sei denn, Sie finden es spitze, wenn alle zwei Minuten ein Kumpel an Ihren Tisch kommt und Bemerkungen macht wie: „Ey, Günni, darf ich mich zu Euch setzen, willste mich nich mal vorstellen?“ Da könnte Ihre Begleitung zu Recht ungehalten reagieren. Auch ungünstig: die eigene oder die Wohnung der Lady (jede nicht hoffnungslos naive Frau wird da misstrauisch). Ebenfalls ist von einer Pinte in der Pampa abzuraten – es kann immer passieren, dass Sie versetzt werden, da ist ein weiter Rückweg ärgerlich.

5. Deadline festlegen: Achim Schwarze, Autor von Büchern wie „Erfolg mit Kontaktanzeigen“ (Eichborn, etwa 18 Mark, 9 Euro) rät: „Eigentlich reichen zehn Minuten aus, um eine Entscheidung zu treffen. Aber niemand geht auf solche Verabredungen ein. Also verabreden Sie sich mit Zeitlimit. Ideal sind ein bis zwei Stunden.“ Wenn Sie also merken, die ist es doch nicht, dann beenden Sie die traute Zweisamkeit. Wenn’s funkt, können Sie ja immer noch überziehen.

6. Zeig mir deins, ich zeig dir meins: Auch wenn Sie im Kopf schon ein Bild von Ihrem Blind Date haben: Vereinbaren Sie, dass Sie beide Fotos mitbringen. Von der Wohnung, Freunden, Reisen, Haustieren … Da haben Sie beide was zu tun, das peinliche Gesprächspausen vermeidet, und nebenbei ergeben sich unendlich viele Themen.

Die Verabredung
Logisch, dass Sie vorher – wie bei jeder anderen Verabredung auch – duschen und sich dezent beduften. Aber sollen Sie sich für das Blind Date in einen Zweireiher werfen und den Hals mit einer Krawatte bandagieren, obwohl Ihr Standard-Outfit die Hell’s-Angels-Lederkluft ist? Nein, bloß nicht.

1. Seien Sie vorbereitet: Ziehen Sie die Sachen an, in denen Sie sich am wohlsten fühlen. Das heißt, in denen die Süße Sie – vorausgesetzt Sie beide finden Gefallen aneinander – noch häufiger sehen wird. Verkleiden fällt nämlich unter den Paragraphen „Vorspiegelung falscher Tatsachen“ und ist darum ausdrücklich verboten. Bevor Sie losgehen, schrauben Sie noch flott Ihre Erwartungen runter. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen Miss Universum begegnen wird, ist nämlich geringfügig kleiner als ein Treffen mit Miss Angenehmer Durchschnitt. Anschließend packen Sie noch etwas zu Lesen ein. Nicht unbedingt Dostojewski – da werden Sie sich sowieso nicht drauf konzentrieren können. Eine Tageszeitung oder die aktuelle Ausgabe von Men’s Health bewahren Sie davor, untätig herumzusitzen und Nägel zu kauen, bis sich Ihre Nervosität ins Unendliche steigert.

2. Pünktlichkeit ist wichtig: Nichts frustet mehr als Warten nach einem vereinbarten Zeitpunkt. Warten vor dem Treffen entspannt dagegen. Richten Sie es so ein, dass Sie eine Viertelstunde vor Ihrem Date im Café sind. Suchen Sie sich ein ruhiges Eckchen und entspannen Sie mit Ihrer Lektüre, aber warten Sie mit der Bestellung eines Getränks noch, bis die Dame erscheint (Ausnahme: Sie haben ein bestimmtes Getränk als Erkennungszeichen vereinbart – siehe Kasten). Und seien Sie nachsichtig, wenn das Fräulein ihrerseits zu spät kommt. Sie sind schließlich ein toleranter Zeitgenosse, kennen die Parkplatzsituation und die „Was-ziehe-ich-denn-bloß-zu-so-einem-Ereignis-an-Macke“ fast aller Frauen.

3. Sie kommt: Die Tür geht auf, und Sie staunen: Wow! Eine Granate erster Güte. Glückwunsch. Doch es kann auch anders kommen. Was, wenn Sie sofort denken: Au weia! Das ist kein scharfes Luder, sondern eine verlotterte Scharteke. Schnell das Erkennungszeichen verschwinden lassen? Nein, Sie sind ein Ritter. Es sei denn, sie hat Sie mutwillig getäuscht. Hat sie behauptet, sie sähe aus wie Jennifer Lopez? Dann können Sie gehen, wenn ein Double von Miss Piggy aufläuft.

Wenn Sie schnell aus der Nummer rauswollen, sagen Sie, dass Ihnen ein wichtiger Termin dazwischengekommen ist und Sie nun – leider – nur eine halbe Stunde Zeit haben. Oder die flexible Notlüge: Sie haben urplötzlich Zahnschmerzen bekommen. Die können während des Gesprächs wahlweise schlimmer und besser werden. (Obacht: Nicht bei Zahnärztinnen und -helferinnen versuchen, die schleppen Sie am Ende noch ab. In die nächste Praxis.)

Was kann noch passieren? Sie bringt eine Freundin mit. Das ist keine – wir wiederholen  das sicherheitshalber – keine Aufforderung zum Sex zu dritt. Vielmehr ist Ihr Date vermutlich sehr schüchtern. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Freundin gleich wieder gehen, nachdem die beiden gesehen haben, dass Sie kein Vampir sind. Wenn nicht: Gehen Sie! Eine Frau, die selbst bei Dates am Händchen gehalten werden muss, gehört zu Mutti, nicht zu Ihnen.

4. Das Warm-up: Nach dem Motto: „Seid nett zueinander!“, kanalisieren Sie jetzt Ihre Begeisterung in ein strahlendes Lächeln. Und Ihre spontane Ablehnung in ein etwas weniger strahlendes. Denken Sie daran: Man bekommt nie eine zweite Gelegenheit, einen ersten Eindruck zu hinterlassen. Höflichkeit macht jetzt nicht nur einen guten Eindruck, sie hilft auch, Unsicherheit zu überbrücken. Den Stuhl zurechtrücken, aus dem Mantel helfen – die meisten Frauen mögen es, mit einem Kavalier auszugehen. Und Sie haben etwas zu tun, das die erste Zeit überbrückt. Machen Sie ruhig ein wenig Smalltalk: Das Wetter oder Ihr Weg zum Treffpunkt bieten da Gesprächsstoff genug für die ersten Minuten – bis sich die Nervosität auf beiden Seiten gelegt hat.

5. Zur Sache, Schätzchen: Haben Sie verabredet, Fotos mitzubringen? Dann holen Sie die jetzt raus. Erzählen Sie etwas dazu, stellen Sie Fragen, dann entwickelt sich ein Gespräch von selbst. Hier ein Beispiel: Sie: „Das ist meine Katze Mimi. Die liegt immer auf dem Schreibtisch, wenn ich schreibe.“ Er: „Du schreibst? Was denn?“ Sie: „Tagebuch.“ – Er: „Und? Was wirst du über unser Treffen heute schreiben?“
Der Dialog ist persönlich, sogar ein bisschen frech am Ende, immerhin fragt der Mann ziemlich deutlich, ob sie ihn mag, er bietet aber die Möglichkeit zum höflichen Rückzug (wie etwa „Ich schreibe aber nur sonntags.“)
Ein paar Themen sind beim ersten Treffen tabu: Fragen wie „Wie hast Du’s gern im Bett?“ oder Klagen über beziehungsweise Schwärmen von Ex-Beziehungen. Auch Ihre liebsten, zotigen Witze lassen Sie weg, selbst wenn die seit Jahren noch jeden Stammtisch zu stürmischsten Lachsalven hingerissen haben.
Ansonsten gelten die gleichen Regeln wie am Telefon: ausreden lassen, keine Monologe, kein erkennbarer Fragenkatalog. Denken Sie daran: Es nützt wenig, sich zu verstellen, in Bezug auf Job oder Vermögensverhältnisse zu schwindeln. Wenigstens, wenn Sie auf der Suche nach einer echten Partnerschaft sind.

6. Der Geh-Punkt: Leiten Sie das Ende des Treffens keinesfalls mit den Worten: „Und? Wie findest du mich?“ ein. Das gehört in die gleiche Kategorie wie das postkoitale „Wie war ich?“ und disqualifiziert Sie. Doch auch ohne diesen Fauxpas ist Abschiednehmen heikel. Denn spätestens jetzt müssen beide Blind-Dater ja Farbe bekennen und sich entscheiden: Will ich diese neue Bekanntschaft wiedersehen?
Für den Fall, dass Sie sich noch nicht ganz sicher sind, schlägt der Blind-Date-Experte Schwarze folgende schlauen Sätze vor: „Ich habe da ein Prinzip. Das lautet: Erst mal eine Nacht drüber schlafen und nachdenken. Das mache ich jetzt. Und dann rufe ich Dich an.“ Da bleiben Ihnen alle Möglichkeiten offen.
Sie können natürlich auch direkt zugeben, dass Sie die Frau gerne wiedersehen würden. Das birgt allerdings immer auch das Risiko eines Korbes. Akzeptieren Sie einen solchen genauso wie die Bitte um Bedenkzeit.

7. Wer zahlt eigentlich? Separate Rechnungen sind beim ersten Treffen am besten. Natürlich können Sie auch ihren Kakao mit übernehmen. Aber a) geht so was bei mehreren Blind Dates schnell ins Geld und b) fühlen sich manche Frauen unter Druck gesetzt, weil sie befürchten, dass der männliche Part jetzt etwas von Ihnen erwartet. Beschränken Sie darum Ihre Generosität auf den Fall gegenseitiger Sympathie.
Und umgekehrt, die Dame will Sie einladen? Bei Interesse nehmen Sie dankend an. Es wäre geradezu ungeschickt, so einen mutigen Sympathiebekundungsversuch auszuschlagen. Andernfalls zahlen Sie lieber selbst.

Nachbereitung

1. Reaktion checken: Vorausgesetzt, Ihre Verabredung hat Ihnen nicht deutlich Antipathie entgegengebracht, sollten Sie nach ein, zwei, drei Tagen mal durchrufen. Schwarze: „Hinterlassen Sie dann noch zweimal eine Nachricht auf dem Band. Haben Sie weder eine neue Verabredung, noch einen Rückruf erhalten, vergessen Sie Ihre Ambitionen besser.“

2. Abwimmeln: Ihr Blind Date hat sich in Sie verguckt. Leider einseitig. Machen Sie es auf jeden Fall so höflich wie möglich: Taktvolle Hinweise, dass Sie von einem zweiten Treffen doch absehen möchten („Nee, Du, also morgen ist es ganz schlecht. Übermorgen auch. Ich hab überhaupt in nächster Zeit so viel zu tun.“), sind der erste Schritt. Wenn Sie noch deutlicher werden müssen, schwindeln Sie. Erzählen Sie ihr, dass Sie sich bei der letzten Betriebsfeier oder bei einem anderen Blind Date Hals über Kopf verliebt haben. Das wirkt immer.

3. Fallen in love:
Für den glücklichen Fall, dass das Telefon schon klingelt, wenn Sie gerade erst den Fuß wieder in die Tür setzen, und Ihre neue Bekanntschaft dran ist und Sie ihr Herz so laut klopfen hören, wie Ihr eigenes, herzlichen Glückwunsch. Das nennt man Verknallt-Sein und kommt nicht alle Tage vor. Fragen Sie jetzt bloß nicht nach Strategien. Verliebte sind einfach unstrategisch, unvernünftig und unbremsbar. Setzen Sie sich wieder in Ihr Auto und fahren Sie endlich los. Entweder zurück in Ihr Café oder gleich zu ihr. Und genießen Sie das schönste Gefühl, das es gibt.

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