Timbersports: Beim Sportholzfällen fliegen die Späne

Viel Holz in der Hütte: Sportholzfäller Robert Ebner sagt im Interview, wie Äxte und Sägen zu Sportgeräten werden

Unser Experte
Forstwirt Robert Ebner (28) aus Forchheim ist mehrfacher Deutscher Meister bei der Stihl- Timbersports-Series. www.timberart-ebner.de

Holzhacken finden viele lästig. Wie kamen Sie darauf, das als Sport zu machen?
Durch meinen Beruf. Ich habe eine Ausbildung zum Forstwirt gemacht und daher beruflich an Wettkämpfen teilgenommen. Und darüber habe ich dann die Timbersports Series, professionelles Sportholzfällen, entdeckt.

Sportholzfällen ist also nur was für echte Forstarbeiter?
Nein. Natürlich schadet’s nicht, wenn man gewisse körperliche Voraussetzungen mitbringt: Wer groß ist, hat einen größeren Hebel, wenn er die Axt schwingt. Auch ein gewisses Maß an Kraft ist nicht verkehrt. Im Grunde kann es aber jeder ausprobieren.

Und weshalb sollte man Ihren Sport mal ausprobieren?
Gerade die Axt-Disziplinen sind ein ideales Ganzkörpertraining, bei dem besonders Rumpf und Arme gefordert sind. Es werden auch versteckte Muskelgruppen angesprochen. Der eine oder  andere, der so einen Holzblock zum ersten Mal bearbeitet, hat danach 2 Tage lang Muskelkater.

Klingt gut. Aber keine Action?
Doch, doch, jede Menge! Bei den Wettkämpfen ist es der Kampf Mann gegen Mann, der dich ins Schwitzen bringt. Im Training ist es dann das Duell Mann gegen Natur – oder eher Mann gegen Baum. Viel Action gibt’s auch bei der Timbersports-Disziplin Hot Saw. Dabei zerlegen wir mit 80-PS-Motorsägen ganze Baumstämme – da fliegen einem die Späne nur so um die Ohren!

Wenn man keine 80-PS-Motorsäge hat: Geht’s auch mit der Axt aus dem Geräteschuppen?
Na ja, Holz hacken kann jeder. Auch das ist ja eine körperliche Betätigung: Scheite holen, dann spalten, ins Haus schleppen und den Ofen anzünden – so macht einen das Holz insgesamt 4-mal warm. Aber mal ernsthaft: Wer sich für diesen Sport interessiert, der sollte unbedingt ein Probetraining besuchen. Unsere Wettkampfäxte sind auch um einiges schärfer als die normale Axt aus der Garage. So scharf, dass man sich damit sogar rasieren kann!

Beim Sportholzfällen fliegen die Späne
Bei der Timbersports-Disziplin Hot Saw zerlegen die Teilnehmer mit 80-PS-Motorsägen ganze Baumstämme

Sie rasieren sich mit der Axt?
Natürlich nicht am Morgen im Badezimmer! Die Rasur mit der Axt ist nur ein Test, der zeigt, dass die Klinge scharf ist. Dazu säbeln wir uns vor Wettkämpfen Haare an Arm oder Bein ab.

Scharfe Äxte, Turbo-Sägen – ganz schön gefährlich, was?
Bei Weitem nicht so gefährlich, wie es möglicherweise aussieht. Verletzt habe ich mich bislang nur beim Schärfen. Wir kloppen eben nicht mal so auf den Holz klotz ein. Bevor überhaupt eine Axt auf einen Stamm trifft, wird  Schritt für Schritt genau geplant. Technisch bewegt sich unser Sport auf sehr hohem Niveau.

Planen Sie denn auch, was Sie mit dem ganzen Holz machen, das Sie da klein hacken?
Na klar! Im Jahr kommt bei mir etwa so viel Holz zusammen, dass man damit einen Lkw mit Anhänger beladen könnte. Ein Teil davon wandert in den Ofen, der Rest wird zu Schnitzen verarbeitet. Unser Sport produziert also gleichzeitig Brennstoff.

So kriegen Sie alles klein

Wo geht’s? Wer im Wald Holz hacken will, muss einige Hürden nehmen: Ohne Motorsägen-Führerschein und eine Anfrage bei der Forstbehörde geht nix. Alternative: Timbersports-Probetraining  in 3 Disziplinen. Mehr Infos dazu unter www.stihl-timbersports.de.

Was kostet’s? Den Führerschein machen Sie an einem oder zwei Tagen bei der Forstbehörde oder beim Motorsägen-Händler. Kosten: etwa 80 Euro. 1 Tag Probetraining kostet rund 100 Euro.

Wie geht’s? Nicht auf eigene Faust und ohne Schutzausrüstung! Beim Hacken ist die Technik wichtig: Axt beim Ausholen möglichst weit hochziehen – so nutzen Sie das Gewicht des Axtkopfes voll aus. Neben einer Motorsäge benötigen Sie auch die Tools rechts.

Die Disziplinen beim Sportholzfällen
Bei der Stihl Timbersports Series vergleichen sich Sportholzfäller international in 3 Axt- und 3 Sägedisziplinen:

  • Beim Springboard müssen die Holzfäller nacheinander 2 Trittbretter (Springboards) in einem senkrechten Stamm platzieren, indem sie 2 so genannte Taschen ins Holz schlagen. Darin werden nacheinander die Bretter befestigt, auf welche der Sportholzfäller steigt, um oben am Stamm einen Block zu durchschlagen. Der deutsche Rekord liegt bei 45 Sekunden.
  • Beim Underhand Chop zerschlagen die Athleten mit der Axt einen horizontal festgeklemmten 32 Zentimeter dicken Holzstamm. Die Bestzeiten liegen bei etwa 20 Sekunden.
  • Standing Bock Chop soll das Fällen eines echten Baumes simulieren: Ein vertikal aufgestellter 30-Zentimeter-Holzblock muss mit der Axt so schnell wie möglich zerteilt werden. Top-Athleten schaffen das in 20 Sekunden.
  • Beim Stihl Stock Saw müssen die Sportholzfäller von einem 40-Zentimeter-Holzblock mit einer Motorsäge 2 einheitliche Scheiben (Cookies) abschneiden. Topzeit: 10 Sekunden.
  • Mit einer 2-Meter-Handsäge wird beim Single Buck von einem senkrechten Holzbock eine Scheibe abgesägt – in etwa 15 Sekunden.
  • Bei der Disziplin Hot Saw kommt eine getunte Motorsäge zum Einsatz. Diese wiegt zirka 27 Kilo und frisst sich mit 240 Km/h durchs Holz. Für 3 sauber abgetrennte Scheiben brauchen die Profis 7 Sekunden.

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