Kleine Operationen: Besser ambulant oder stationär operieren?

Ärzte verschreiben Ritalin auffällig oft
Genesung von der OP: Im trauten Heim oft besser als im hektischen Mehrbettzimmer

Kleinere Eingriffe machen Ärzte inzwischen sowohl ambulant als auch stationär. Wir helfen bei der Entscheidung

So viel ist sicher: Lokale Anästhesien belasten den Organismus weniger, kleine Wunden heilen schneller ("Schlüsselloch-Chirurgie") und die Genesung im trauten Heim gelingt den meisten besser als im turbulenten Dreibettzimmer. Außerdem entfällt der Eigenanteil von zehn Euro pro Tag Krankenhausaufenthalt. Allerdings übernehmen die Kassen nicht alle ambulanten Operationen (vollständig). Erkundigen Sie sich vorher!

Wichtig: Die Nachbetreuung für Heimfahrt, Verbandwechsel, Catering muss geklärt sein. Auf Antrag kann die Krankenversicherung einen sozialen Pflegedienst spendieren oder die Arbeitsfreistellung des Ehepartners zahlen. Und dann gibt es ja noch medizinische Aspekte zu bedenken ...

Mandel-OP

Es dauert zwar nur 15 bis 20 Minuten unter Vollnarkose, bis der Arzt die beiden Gaumenmandeln am so genannten unteren Mandelpol abgetrennt hat. Riskant sind aber Nachblutungen an der Operationswunde noch Tage später, bei Erwachsenen ist das übrigens weitaus gefährlicher als bei Kindern. "Alarmstufe rot gilt am ersten und zweiten sowie am fünften und sechsten Tag", erklärt Professor Karl-Bernd Hüttenbrink Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohren Heilkunde in Köln und ehemaliger Präsident der HNO-Gesellschaft in Bonn.

Tipp: Kein Risiko eingehen und ab in die Klinik!

Leistenbruch-OP

Damit ist eine sackartige Ausstülpung des Bauchfells durch eine Lücke in der Bauchdecke gemeint. In diesen Bruchsack rutschen Bauchorgane hinein, meist Teile vom Dünndarm. Da sich ein Bruch (übrigens zu 70 Prozent angeboren) niemals von allein zurückbildet, sollte auch im beschwerdefreien Fall operiert werden. Neuerdings wird ein Kunststoffnetz eingebaut, das die geschwächte Wand des Leistenkanals verstärkt. Ergebnis: Der Patient hat weniger Schmerzen und kann schon nach zwei, drei Tagen wieder arbeiten gehen. "Ein klassischer ambulanter Eingriff", so Dr. Andreas Bartels, Mainzer Arzt für Anästhesiologie und ehemailiger Vorsitzender des Landesverbands für ambulante Anästhesie und Operationen. Ausnahmen: Ältere Risikopatienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas und Co. packen für ein paar Tage das Klinikköfferchen.

Tipp: Ambulant tut keinen Abbruch.

Nasenhaare schneiden beeinträchtigt nicht den Geruchssinn
Nachblutungs- und Entzündungsgefahren sind bei Nasen-OPs dank der modernen Technik gering.

Kleine OPs: Meniskus, Zahn, Nase

Meniskus: Die halbmondförmigen Faserknorpel im Kniegelenk verteilen und übertragen die Last, stabilisieren das Gelenk, schmieren und ernähren den Gelenkknorpel – kurzum: Sie sind unverzichtbar für eine präzise Flanke. Um frühzeitigem Verschleiss (Arthrose) vorzubeugen, müssen Meniskusverletzungen fast immer operiert werden. Durchschnittliche Dauer des Eingriffs: 30 Minuten. Alter und Fitness des Patienten entscheiden, wo das Messer gewetzt wird. Auch die allgemeine Lebenssituation kann eine Rolle spielen: Wer im fünften Stock ohne Fahrstuhl wohnt und in Sachen Krankengymnastik nicht allein gelassen sein will, sollte eher ins Krankenhaus gehen (zwei bis zehn Tage). Meist reicht aber eine Behandlung in einer Tagesklinik aus, mit Betäubung der unteren Körperhälfte oder in Vollnarkose.

Tipp: Werden Sie ambulant wieder mobil.

Die Zahn-OP können Sie ambulant durchziehen
Vier auf einen Streich: Sollen alle Weisheitszähne raus, dann machen Sie doch den Eingriff unter Vollnarkose

OP der Weiheitszähne

Eine Operation bedeutet, dass der Zahn erst nach Abklappen des Zahnfleisches und Entfernen des deckenden Knochens rausgeholt werden kann (normalerweise unter örtlicher Betäubung). Anschließend wird die Wunde vernäht und eine Drainage für den Abfluss des Wundsekrets gelegt. Wem jetzt schon schwindlig wird: keine Panik! Ist der Patient sehr nervös, der Zahn noch nicht durchgebrochen oder sollen gleich drei oder vier Weisheitszähne auf einen Streich raus, kann in Allgemeinnarkose im Krankenhaus operiert werden.

Tipp: Beißen Sie sich ambulant durch.

Nasenscheidewand-OP

Hindern Deformierungen im Naseninnern die Luft daran, frei zu strömen, verringern sich Aufmerksamkeit und Konzentration. Wie bei einem fiesen Schnupfen, lässt sich kaum noch ein klarer Gedanke fassen. Schnarchen inklusive. Abhilfe schafft eine Nasenkorrektur, neuerdings ambulant als mikrochirurgischer Eingriff (Radiofrequency-Verfahren). "Schon drei Tage nach der OP ist der Patient voll einsatzbereit", schwärmt HNO-Arzt Dr. Antoine Aschmann von der Privatklinik Medica Mühlheim. Die Nachblutungs- und Entzündungsgefahren sind dank der modernen Technik (kleinste Schnitte, kaum offene Wunden) gering. Bei einer konventionellen Behandlung (mit Skalpell) währt die Schonfrist ambulant mindestens eine Woche, vergleichbar ist der Krankenhausaufenthalt. Zurzeit übernehmen nur die Privaten bei medizinischer Indikation die minimalinvasiven Kosten von rund 2.500 Euro.

Tipp: Wer sich's leisten kann, hat ambulant und mikrochirurgisch die Nase vorn.

Vasektomie: Dauert alles in allem nicht länger als 20 Minuten
Vasektomie: Dauert alles in allem nicht länger als 20 Minuten

Kleine OPs: Vasektomie und Geburt

Vasektomie: Es gibt eigentlich keinen Grund, eine Sterilisation nicht ambulant durchzuführen. Höchstens der Abrechnungsmodus in kleineren Krankenhäusern, die keine entsprechende Station haben. Der Arzt durchtrennt mit einer örtlichen Betäubung oder in Vollnarkose die Samenleiter und verschließt die Enden, näht den Schnitt wieder zu, fertig. Dauert alles in allem nicht länger als 20 Minuten. Obwohl sich die meisten gleich wieder topfit fühlen, ist ein, zwei Tage Schonung angesagt. Sonst besteht die Gefahr eines Blutergusses im Hodenbereich. Achtung: Auch mehrere Monate nach der OP können sich befruchtungsfähige Spermien in der Samenflüssigkeit tummeln. Das Thema Verhütung ist also noch nicht ganz abgehakt.

Tipp: Wenn möglich regeln Sie Ihre sterilen Angelegenheiten ambulant.

Für einen Klinikaufenthalt spricht die Sicherheit der Notfall-Medizin und ein paar Tage (und Nächte!) Ruhe vor dem Sturm. Dafür fördert eine ambulante Behandlung die Beziehung zwischen Papa und Sprössling von Anfang an, denn schon zwei Stunden nach der Geburt kann die junge Familie daheim eintrudeln. Und dann geht's richtig rund. Sorgen Sie daher rechtzeitig für eine Hebamme zur Nachsorge von Mutter und Baby. Optimal, wenn der Kinderarzt zur zweiten Vorsorgeuntersuchung (dritter bis zehnter Lebenstag) vorbei kommt.

Für sich selbst organisieren Sie Hilfe im Haushalt (Schwiegermutter, Nachbarin oder Antrag bei der Krankenkasse anfordern!). Oder wollen Sie jetzt wirklich Ihre Zeit mit Putzen und Kochen vergeuden? Immerhin wird gerade Ihr Leben auf wunderbarste Weise auf den Kopf gestellt.

Tipp: Wer auf Nummer sicher gehen will, begibt sich in stationäre Hände.

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