Geheilt und dann doch wieder nicht: Besserung und Rückfall in die Depression

Beförderungen sind nicht so großartig sind wie viele glauben
Jobstress: Plötzlich für alles verantwortlich

Zuerst kehrt der Schlaf zurück, danach auch der Appetit

Nach 4 Wochen in der Klinik fährt Tim zurück nach Jena, wo er weiter studiert und so schnell wie kaum jemand zuvor einen Abschluss in Chemie macht. Nach nur 4 Monaten ist er mit seiner (neuen) Diplomarbeit fertig, die Note 1,3 bringt ihn unter die Top 10 der Absolventen seines Jahrgangs. Tim fängt seine Doktorarbeit an. Noch ein halbes Jahr lang nimmt er die Medikamente. Es folgen zufriedene Jahre, in denen Tim seine Traumfrau trifft: Sirun kommt aus Armenien und lebt in Weimar. Ihr Name bedeutet "das Schöne", und Sirun hält, was der Name verspricht. 18 Monate nach ihrer ersten Begegnung heiraten die beiden, dann wird Sirun schwanger.

Als junger Familienvater kommt auf Tim eine neue Verantwortung zu. Und neue Sorgen. Er sitzt an der Doktorarbeit, denkt aber immer nur daran, dass sein Langzeitstipendium bald ausläuft und dann das Geld fehlt, um dieFamilie durchzubringen. Tim bewirbt sich bei großen Unternehmen und verbringt seine Zeit damit, sich für Eignungstests in Assessment-Centern zu rüsten. Die Arbeit an seiner Promotion kommt dabei zu kurz. Das einzige Job-Angebot jedoch, das rechtzeitig auf dem Tisch liegt, kommt von einer Firma, deren Chef Tims Vater kennt. Sirun ist im 4. Monat schwanger. Tim nimmt den Job an.

Es geht wieder los
Seine zweite Depression beginnt wiederum mit einer guten Nachricht, die zum Problem wird. Nach 5 Monaten im neuen Job, der viel Freude macht, wird Tim befördert. "Plötzlich war ich für 12 Standorte verantwortlich und der Einzige, der sich mit dem Aufgabengebiet auskannte – der Erfolg hing allein von mir ab", sagt Tim. Er fliegt auf Dienstreisen mindestens 2-mal pro Woche nach Brüssel oder London oder sonst wo hin.

Zu Hause sind die Frau und die 2 Monate alte Tochter oft allein, und wenn Tim da ist, verkriecht er sich zum Arbeiten ins Büro. Um den Anforderungen im Job gerecht zu werden, arbeitet er 60 bis 70 Stunden pro Woche. Die Ehefrau hat kein Verständnis, wenn Tim viel arbeitet. Die Chefin hat kein Verständnis, wenn er es nicht macht.

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