Erfolgreiche Selbstdarstellung: Bewerben – und genommen werden

Online-Bewerbung: nie mehr Papierkram
Achtung: Jedes Papier gegenlesen lassen!

Sie haben bereits auf 147 Stellenanzeigen geantwortet, wurden aber nie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen? Wenn es nicht an Ihrer Qualifikation liegt, stimmt wohl irgendwas mit Ihrer Werbung in eigener Sache nicht.

Rund 80 Prozent der Bewerbungen landen auf Grund formaler Mängel erst gar nicht auf dem Chefschreibtisch. So vermeiden Sie die schlimmsten Fauxpas:

Anschreiben

Achten Sie beim Briefkopf auf eine übersichtliche und luftige Gestaltung – egal, ob Sie Papier benutzen, oder ein PDF. Überladen Sie ihn nicht. Ein wiederkehrender Briefkopf zeigt, dass Sie sich Gedanken ums Layout gemacht haben.

Vermeiden Sie allgemeine Anrede-Floskel wie „Sehr geehrte Damen und Herren“. Besser vorher anrufen und fragen, wer für Bewerber zuständig ist. Auf die richtige Schreibweise des Namens achten, und den Titel nicht vergessen! Heute setzt man übrigens hinter die Anrede ein Komma und schreibt in der nächsten Zeile klein weiter.

Achten Sie auf ein geeignetes Statement, warum Sie sich als Bewerber für geeignet halten und genau diese Stelle wollen. Der gröbste Fehler ist, wenn man einer Bewerbung anmerkt, dass sich der Kandidat nicht mit dem Unternehmen beschäftigt hat.

Wählen Sie einen flotten Einstieg: „Ich bin ... und habe mit großem Interesse Ihre Anzeige gelesen.“ Oder: „Sie suchen einen …, daher möchte ich mich Ihnen vorstellen.“ Völlig out ist: „Hiermit möchte ich mich um die Stelle als ... bewerben.“ Verdeutlichen Sie Ihren Nutzen für die Firma. All Ihre Fähigkeiten erwähnen Sie im Lebenslauf, nicht im Brief. Formulieren Sie selbstsicher, aber nie übertreiben.

Den Eintrittstermin sollten Sie vorschlagen, auch wenn Sie gerade arbeitslos sind. Um es zu kaschieren, sagen Sie niemals, dass Sie sofort anfangen können, sondern erst in drei Monaten – denn das ist die übliche Kündigungsfrist. Wenn Sie besonders selbstbewusst auftreten wollen, verzichten Sie auf den Konjunktiv („ ... würde ich mich freuen ...“). Vermeiden Sie Tippfehler! Lassen Sie den Text unbedingt von jemandem gegenlesen.

Lebenslauf

Verzichten Sie bei Ihrer Vita auf die traditionellen Überschriften „Lebenslauf“ oder „Curriculum vitae“, wenn Sie sich als modernen Menschen darstellen wollen.

Lassen Sie den Familienstand weg. Das Wort „ledig“ klingt verstaubt, dass Sie geschieden sind, geht niemanden etwas an. Wer „verheiratet, drei Kinder“ angibt, könnte als unflexibel aussortiert werden. Ansonsten gelten Väter als stabil. Die Staatsangehörigkeit nennen nur ausländische Bewerber. Veraltet ist auch der Hinweis auf die Eltern und Geschwister (wirkt unselbständig).

Versuchen Sie, Ihr buntes Leben möglichst auf einer Seite unterzubringen. Vermeiden Sie deutliche Lücken in der Vita oder erklären Sie diese. Immer mehr Experten raten, auch die Erfolge aufzuzählen, beispielsweise die Entwicklung eines Produkts oder eine besondere Werbekampagne. Diese Karriere-Highlights können Sie auch auf einer zusätzlichen Seite auflisten, die Sie beispielsweise „Ergebnisse“ betiteln (oder ganz trendy: „achievements“).

Bringen Sie Ihr Leben in die richtige Reihenfolge: Entweder, Sie gliedern nach Themen Themen, dem Interesse des Lesers angepasst, oder Sie nehmen die chronologische Variante. Den Lebenslauf von der Geburt bis in die Gegenwart hinein zu gliedern ist noch immer sehr verbreitet. Umgekehrt ist’s aber spannender. Je älter Sie werden, desto weniger Gewicht haben Schul- und Ausbildung. Wenn Sie noch gar nicht oder erst kurz berufstätig waren, zählen Sie Praktika auf, beschreiben Schwerpunkte des Studiums oder Extras während Ihrer Lehre. Nur keine Scheu, von Ihren Hobbys zu berichten. Dass Sie Kassenwart Ihres Kegelclubs sind, könnte als Zeichen für Zuverlässigkeit und Verantwortungsgefühl bewertet werden. Je älter Sie sind, desto wichtiger ist ein Hinweis darauf, dass Sie sich fit halten.

Ein längerer Auslandsaufenthalt lässt auf Durchsetzungsvermögen, Eigeninitiative und gute Sprachkenntnisse schließen. Sportler gelten zwar als sozial kompetent, leistungsstark und zielorientiert. Mannschaftssport zählt aber mehr als Einzel-Disziplinen. Triathlon ist extrem trainingsintensiv – kein Mann für Überstunden.

Ein ehrenamtliches Engagement als Trainer? Das ist doch klasse, dieser Mensch beweist Engagement und Führungsqualitäten.

Am Ende: Jeder Lebenslauf sollte ein Unikat sein. Das wird durch das Datum und die Unterschrift dokumentiert.

Reine Formsache

Die Bestandteile: Anschreiben, Deckblatt mit Foto, Lebenslauf, Zeugnisse und Arbeitsproben.

Falls eine konventionelle Mappe gewünscht ist: Der Schnellhefter ist ausgestorben. Entscheiden Sie sich für eine Mappe aus einem edlen, extravaganten Material oder für ein übergroßes Format.

Das Papier: weiße oder leicht getönte, mindestens 90g/m2 schwere Blätter mit Wasserzeichen.

Der Text: möglichst im Blocksatz, Schriftgröße mindestens 11 Punkt, keine flippigen Schrifttypen, sondern Times New Roman oder Arial. Rundherum 2,5 Zentimeter Randabstand sind das absolute Minimum.

Die Unterschrift: Tinte, am besten königsblau, das wirkt edel.

Das Anschreiben: Begnügen Sie sich unbedingt mit einer Seite.

Die Anlagen: Zeugnissen (nie Originale verschicken!) sollte als Deckblatt ein knappes Anlagen-Verzeichnis vorgeheftet werden. Nur den höchsten Abschluss beilegen, also bei Studium kein Abiturzeugnis. Kein Dokument sollte älter als zehn Jahre sein. Das aktuellste liegt immer oben.

Das Foto: sympathisch, ansprechend und vor allem größer als Passbild-Format. Ein zu kleines Bild lässt auf mangelndes Selbstvertrauen schließen, ein zu großes auf Eitelkeit. Am besten ein Foto in Schwarzweiß (das wirkt interessant, zugleich angenehm zurückhaltend), niemals ein Bild aus dem Automaten. Aufkleben!

Der Versand: wenn schon per Post, dann in einem gepolsterten Umschlag, um Eselsohren zu vermeiden. Sorgfältig beschriften, in sauberer Handschrift. Wohlfahrts- oder Sondermarken sind political correct. Noch besser: per Kurier schicken oder persönlich abgeben (keine Knicke durch ruppige Postboten). Verwickeln Sie dabei die Vorzimmerdame in einen charmanten Smalltalk, an den sie sich bestimmt erinnert, wenn sie dem Chef Ihre Mappe übergibt und zu ihm sagt: „Den sollten wir nehmen.“

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