City-Fahrräder: Biken wie ein Radkurier

So kommen Sie wie ein Bike-Profi durch den Stadtverkehr

Wir waren am Hinterrad eines Berliner Radkuriers: Mit einem so genannten Fixed-Gear-Bike kommen auch Sie wie ein Profi durch den Stadtverkehr

So kommen Sie wie ein Bike-Profi durch den Stadtverkehr
Ein Radkurier legt 80 und 120 Kilometer pro Tag zurück

Simon ist Fahrradkurier, einer von rund 250 in Berlin. Seit 1999 transportiert der 32-Jährige eilige Sendungen durch die Hauptstadt. Acht bis zehn Stunden sitzt Simon jeden Tag im Fahrradsattel. In der Zeit erledigt er im Schnitt 15 bis 20 Aufträge, legt dabei zwischen 80 und 120 Kilometer zurück. "Das meiste, was ich mal auf dem Tacho hatte, waren 196 Kilometer", erzählt er.

Radkuriere sind Einzelkämpfer, arbeiten freiberuflich. Die Kurierfirma ist also nicht der Arbeitgeber, sondern Geschäftspartner: Sie vermittelt die Aufträge und wickelt die Bezahlung ab, erhält dafür eine Provision zwischen 25 und 40 Prozent des Umsatzes.

Single-Speed-Bike von Fixie
Single-Speed-Bike: das Modell Peacemaker von Fixie Inc. für zirka 1250 Euro

Auch mal dem Ex-Kanzler ausweichen
"Klar sind wir sportlich unterwegs", sagt Simon. "Trotzdem ist der Radkurier meiner Meinung nach der aufmerksamste Verkehrsteilnehmer überhaupt." Einmal sei ihm fast Ex-Kanzler Gerhard Schröder ins Rad gelaufen. "Der ist vor der SPD-Zentrale einfach auf den Radweg marschiert, ohne nach links zu sehen." Eine Kollision habe Simon nur deswegen verhindern können, weil er immer aufs Ausweichen vorbereitet sei. "Man muss zu jeder Zeit zwei Notausgänge im Kopf haben", erklärt er.

Voran geht’s mit einer hohen Trittfrequenz. Der Grund: Simons Bike fehlt die Gangschaltung. Denn er fährt mit einem Single-Speed-Bike, zu Deutsch: Ein-Gang-Rädern. Radkuriere schätzen die aufs Wesentliche reduzierten Rennmaschinen nicht zuletzt, weil sie weniger Verschleißteile haben. Simons Bike ist noch spartanischer ausgestattet: Es hat nicht einmal Bremsen.

Fixie – das Statussymbol der Radkuriere
Simon sitzt auf einem Fixed-Gear-Bike, kurz: Fixie. Dieser aus dem Bahnradsport stammende Typus hat eine starre Nabe und damit keinen Freilauf. In der Praxis heißt das: Hört er auf zu treten und streckt er die Beine zur Seite, drehen sich die Pedale mit jeder Umdrehung des hinteren Rades weiter. Ließe er seine Füße auf den Pedalen, würde er regelrecht aus dem Sattel katapultiert. Der Straßenverkehrsordnung entspricht so ein Rad natürlich nicht. In Kurierkreisen avancierte das Fixie dennoch zum Statussymbol. In New York, der Geburtsstadt der Radkuriere (dort auch Messenger genannt), begann diese Entwicklung bereits in den 1970er-Jahren, kurz nachdem dort die ersten Kurierdienste an den Start gegangen waren.

Radkurier Simon im Interview
Das Interview mit Radkurier Simon aus Berlin
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"Ein Fixie zu fahren ist so etwas wie die Königsdisziplin im Radsport", sagt Simon. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Rädern kann man damit auch freihändig auf der Stelle stehen oder rückwärts fahren. "Nur das Anhalten ist etwas kompliziert", sagt er.

In der Tat erfordert es einige Übung, ohne Bremsen zu bremsen. Das Grundprinzip des so genannten Konterns: Gesäß vom Sattel, Gewicht nach vorne, Hinterrad kurz heben, gleichzeitig die Kurbel durch Anspannen der Beine blockieren. Profis kontern zwei- bis dreimal schnell hintereinander, um Reifen und Kniegelenke zu schonen.

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