Bio-Produkte: Bio-Fleisch in der Diskussion

Der Biofleisch-Guide: Alles über das Fleisch auf ihrem Teller
Ob Biofleisch gesünder ist als konventionelles Fleisch ist umstritten

Wir haben nachgefragt: Ist Biofleisch wirklich leckerer und gesünder als konventionelles?

Hormonfleisch, Massentierhaltung und Rinderwahnsinn – wer die Schlagworte in der Zeitung liest, der wünscht sich eine Alternative zu herkömmlichem Fleisch. Doch sind Biosteaks wirklich besser?

Nein, sagt dazu das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Bislang liegt ein eindeutiger Nachweis von Qualitätsunterschieden nicht vor. Auch ist nicht belegt, dass Bioware besser schmeckt. In einer sensorischen Prüfung verglichen Experten im Auftrag der Stiftung Warentest Rückensteaks von ökologisch und konventionell aufgezogenen Tieren. Dabei bewerteten Sie rohes und gegartes Fleisch nach den Kriterien Aussehen, Konsistenz und Geruch. Ergebnis des Tests: Biosteaks riechen und schmecken im Durchschnitt nicht besser und sehen auch nicht appetitlicher aus.

Für die Tiere macht die Bioaufzucht jedoch einen erheblichen Unterschied "Biofleisch bedeutet immer artgerechte Tierhaltung", erklärt Professor Bernhard Tauscher, Chemiker an der Uni Heidelberg und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Geschmacksforschung (www.agefo.de). "Ein Biohühnchen hat einfach ordentlich gelebt. Das kann man dann schon eher mit gutem Gewissen essen." Biofleisch enthält darüber hinaus weniger Rückstände und ist besser für die Umwelt. Tauscher: "Wenn Sie schon nicht bio kaufen, gehen Sie wenigstens zu einem Metzger, der genau weiß, woher sein Fleisch kommt."

Schwein ist nicht gleich Schwein, Rind ist nicht gleich Rind Erhebliche Unterschiede zwischen bio und konventionell gibt es trotz gegenteiliger Testergebnisse auch bei Qualität und Sensorik. Und das hat einen simplen Grund. "Der größte Einflussfaktor ist immer noch die Rasse des Tieres", erklärt Dr. Klaus Fischer, Agrarbiologe am Max-Rubner-Institut in Kulmbach. Biobauern züchten in der Regel andere Tierrassen als konventionelle Betriebe. Rassen wie das Schwäbisch-Hällische Landschwein sind nicht für maximalen Fleischertrag optimiert – sie sollen in erster Linie lecker schmecken (Züchter finden Sie hier: www.besh.de). Ihr Fettgehalt ist oft höher als der konventioneller Tiere. Das klingt zunächst abschreckend, doch der Geschmack profitiert davon. "Der Fettgehalt eines Magerfleischstückes sollte bei 5 bis 10 Prozent liegen", so Fleischermeister Andreas Dreymann aus Ahrensburg bei Hamburg, der in seiner Metzgerei unter anderem Fleisch von Galloway-Rindern anbietet. Stimmt der Fettgehalt, stimmt auch das Aroma – bei niedrigerem Fettgehalt schmeckt das Fleisch neutraler und auch trockener. Eine Schweizer Studie ergab zudem, dass Biofleisch mehr Omega-3-Fettsäuren enthält. Die schützen Gefäße vor Arteriosklerose, beugen Herzerkrankungen vor.

Wichtig für die Fleischqualität sind zudem Mastintensität und Reifung Gerade Fleisch zum Grillen und Braten sollte ausreichend gereift sein, um die gewünschte Zartheit zu erzielen. Werden Tiere zu schnell auf Schlachtgewicht hochgemästet, leidet meistens der Geschmack. "Auch tiergerechte Haltung mit Weidegang spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle", so Agrarbiologe Fischer. Weitere Vorteile der Ökohaltung: Schonung von Ressourcen und die Förderung der Tiergesundheit durch bewussten Verzicht auf tierische Höchstleistungen. Zudem hat man als Verbraucher mehr Sicherheit. Nach dem Einsatz von Medikamenten bei einem kranken Biotier ist die Wartezeit, bis es geschlachtet werden darf, doppelt so lang wie bei einem aus konventioneller Zucht. Vorschlag: Probieren Sie mal ein Steak aus Bioproduktion, am besten direkt von einem Hof, wo Sie die Tiere sehen und etwas über die Tierrasse erfahren. Danach entscheiden Sie, was Ihnen besser schmeckt. Mehr Infos zu besonders schmackhaften, traditionsreichen Tieren finden Sie bei der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (www.g-e-h.de). Sie kümmert sich um Schutz und artgerechte Aufzucht. Auf ihren Höfen gibt es entsprechende Fleisch- und Wurstwaren zu kaufen.

Fazit: Für ein und dieselbe Tierrasse ist bisher nicht nachgewiesen, dass Biofleisch gesünder ist als konventionelles. Da Biozüchter aber auf andere Tierrassen setzen, hinkt der Vergleich. Einige Studien weisen auf Vorteile bei der Bioproduktion hin. Wenn Sie es sich leisten können, sollten Sie also bio kaufen.

Noch mehr interessante Fakten rund um das Thema Bio-Produkte gibt es in unserem BIO-FLEISCH-GUIDE.
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