Bachmairs BIZZtipp Erfolgsdevise "So-tun-als-ob"

BIZZ-Moderator Dominik Bachmair
BIZZ-Moderator Dominik Bachmair verrät seine Erfolgsrezepte exklusiv für MensHealth.de-Leser

Mann kann nicht auf jedem Gebiet Experte sein – aber das muss ja nicht gleich jeder merken: Wie Sie auf ungewohntem Terrain eine gute Figur machen.

Eine gigantische Einladung. Ein renommierter Buchverlag gibt sich die Ehre. Man trifft sich standesgemäß in einem der besten deutschen Restaurants, dem "Käfer" in München. Natürlich sind die wichtigsten deutschen Feuilletonisten eingeladen und die großen Verleger. Schließlich gibt es einen internationalen Top-Gast zu feiern. Den Autor von Bestsellern wie "Jurassic Park" oder "Emergency Room", Michael Crichton. Außerdem erhält an diesem Abend ein junger Radiojournalist die Chance, in dieser Elefantenrunde wichtige Punkte zu landen. Und ich habe dieses Business-Dinner gründlich versaut.

Gleich zu Beginn schwitze ich – auch vor Aufregung, aber vor allem weil ich meinen einzigen ordentlichen Anzug angezogen habe. Schurwolle – viel zu heiß für einen Sommerabend. Fehler Nummer eins, aber wenige Minuten später schwitze ich noch mehr. Um Small Talk zu betreiben, frage ich einen der anwesenden Herren. "Und was machen Sie so?" War nett gemeint, dummerweise handelte es sich um den Chef des Gastgebers. Eine großartige Leistung, die ich aber noch steigern konnte. Wir setzten uns zum Dinner. Beim Anblick der vielen Messer, Gabeln und Löffel wird mir schon Angst und Bange. Fängt man mit dem Besteck von innen nach außen an oder andersherum? Dann kommt die Suppe. Was heißt "Suppe" ... Eine Schüssel mit einem runden, aus Brotteig gebackenen Deckel. Wie komme ich an die Suppe ran? Heimliche Blicke nach links und rechts werden von den anderen sofort registriert und abgestraft. Wie aber öffne ich den Brotdeckel? Aus Verzweiflung entscheide ich mich für die handfeste Methode: Löffel in die Hand und Deckel durchstechen. Falsch – kaum habe ich den Deckel geöffnet, sehe ich wie meine Tischnachbarn filigran mit dem Messer den Brotdeckel ein Mal rundherum aufschneiden und locker zur Seite legen. In diesem Moment wollte ich in die Suppenschüssel kriechen und meinen Brotdeckel über mir wieder fest schließen. Alle die schönen Kontakte, die ich knüpfen wollte, mit einem Streich dahin.

So kann's gehen. Jeder hat sein Spezialgebiet, in dem er die Trümpfe nur so auf den Tisch knallt. Aber wehe, man muss sich auf fremdes Terrain begeben. Dort kennt man die Spielregeln nicht und tritt in ein Fettnäpfchen nach dem anderen, oder eben in Suppenschüsseln. Junge, ambitionierte Mitarbeiter ruinieren sich so im Laufe eines Business-Dinners ihr gerade erst mühsam aufgebautes Image. Dabei gibt es einen einfachen Trick, auch solche Herausforderungen zu meistern. Die "So-tun-als-ob-man-Ahnung-hätte"-Strategie. Seit meinem Suppen-Disaster habe ich sie mehrfach ausprobiert, und sie funktioniert immer.

Als erstes muss man sich akribisch vorbereiten. Wo geht man hin, welche Klamotten passen zum Anlass, wer kommt? All diese Informationen erhält man im Internet. Dort erfahren Sie nicht nur, welches Besteck man zuerst nimmt, und welche Kleidung dem Anlass angemessen ist, sondern auch, dass man z.B. in der Old-Economy wie der Verlagsbranche jedes Getränk aus dem passenden Glas trinkt, wohingegen bei einer Internetfirma Bier aus der Flasche gekippt werden darf.

Anschließend der wichtigste Schritt der "So-tun-als-ob"-Strategie: Sammeln sie Information – bilden Sie profundes Halbwissen. Wie dieses aussieht, hängt von dem Event ab, auf das Sie gehen. In einem Top-Restaurant mit Vertretern der deutschen Kultur-Elite sollten Sie wissen, über welche Buchautoren man derzeit lästert und wen man lobt. Sie sollten ein wenig über die Welt des Weins schwadronieren können und wissen, ob es politisch korrekt ist, Zigarren aus Kuba zu rauchen. Dabei ist es völlig egal, ob Sie den Geschmack des Weinkorkens nicht von dem des Eichenfasses unterscheiden können oder ob Sie noch nie eine Zigarre aus der Nähe gesehen haben.

Wichtig ist nur, das Halbwissen an der richtigen Stelle anzubringen. Die "So-tun-als-ob"-Strategie funktioniert, wenn Sie nicht warten, bis Sie eine Fangfrage gestellt bekommen, denn das kann heikel werden. Lassen Sie die anderen reden und sich profilieren. Werfen Sie nur bei passender Gelegenheit ein Statement ein. "Ach, ich finde die chilenischen Weine überbewertet, der Barrique-Geschmack ist doch etwas vordergründig." "Haben Sie schon die neue Natural-Zigarrenlinie probiert, es ist doch ein ungewöhnliches Erlebnis." Packen Sie die Experten bei ihrem Stolz. Diese werden lang und ausschweifend über ihr Lieblingsthema sprechen, und schon haben Sie für den Rest des Abends Ihre Ruhe, und niemand wird herausfinden, dass sie letztlich von gewissen Dingen keinen blassen Schimmer haben.

Mehr Infos zum Thema:
Wie gut Sie für Ihr nächstes Geschäftsessen gerüstet sind, verrät unser Online-Test: Fit fürs Business-Dinner?

Informationen zu Stilfragen finden Sie unter www.jobware.de

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