Häusliche Gewalt: Blaue Flecken ohne Konsequenz

Vorsätzlich zugefügter Schmerz tut mehr weh als ein zufälliger Tritt
Wer sich aggressiv gibt, ist sich sicher, dass er keine Konsequenzen zu befürchten hat

Folgenlose Aggressivität: Wer seinen Partner beschimpft oder schlägt, glaubt nicht, dass er deswegen verlassen wird

Prügelnde Partner sind sich offenbar ziemlich sicher, dass sie keine Konsequenzen befürchten müssen. Laut einer israelischen Studie ist der angebliche Kontrollverlust, auf den ein Schläger keinen Einfluss hat, vielmehr nur eine Ausrede. Danach kalkuliert ein Schläger/eine Schlägerin ihre Gewalt meistens genau: Geprügelt wird nur dann, wenn der Preis dafür nicht zu hoch sei, so Forscher der Universität Haifa.

Der Gewalttätige - meist ein Mann - wägt anscheinend ab, wie weit er gehen kann, ohne von seinem Partner verlassen oder bei der Polizei verpfiffen zu werden. Zudem bestehe eine Art stillschweigende Übereinkunft zwischen den Partnern, welche Arten der Aggressionen in der Beziehung akzeptiert werden und welche nicht.

Zwar empfinden die Gewalt-Ausübenden ihr jeweiliges Verhalten als Kontrollverlust, allerdings hätten diese sich in anderen Situationen ja auch voll im Griff – zum Beispiel gegenüber dem Chef oder Freunden, so Studienleiterin Eila Perkis. So würden die meisten auch außerhalb ihrer Beziehung ein normales Leben führen und nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Perkis teilt häusliche Gewalt in vier Stufen ein, die häufig nacheinander durchlaufen werden. Diese sind: Verbale Aggression, Androhung der körperlichen Gewalt, gemäßigte und schließlich schwere körperliche Gewalt. Menschen, die ihren Partner beschimpfen, würden demnach auch bald anfangen sie zu bedrohen und schließlich auch schlagen, so Perkis.

Deshalb müsse man den Paaren, die zusammen bleiben wollen, in einer Therapie zeigen, dass Gewalt kein Mittel der Konfliktlösung sei und außerdem zusammen Strategien ausarbeiten, die zu einer tatsächlichen Lösung der Konflikte verhelfen.

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