Drogenkonsum: Cannabis als Arzneimittel?

Frage: Immer wieder wird über die therapeutischen Einsatzmöglichkeiten von Marihuana geschrieben. Was ist dran?
P. O., Heilbronn
Cannabis wird schmerzlindernde Eigenschaften zugesprochen
Der Konsum von Marihuana ist erlaubt

Unsere Antwort:

"Der Besitz von Cannabis ist bei uns verboten", sagt Dr. Horst Möller vom Bundesgesundheitsministerium. "Der Gebrauch ist erlaubt, weil der Konsum nach unserem Rechtssystem nicht verboten werden kann." Cannabis-Produkte müssen in der Bundesrepublik erst die Hürden des Arzneimittelgesetzes überwinden, um als Medikamente zugelassen zu werden.

Doch zur Zeit gelten bei uns Marihuana und Haschisch noch als bedenkliche und nicht verkehrsfähige Arzneimittel. Nur der isolierte Cannabis-Wirkstoff Delta-9-THC ist verschreibungsfähig (er wird aus den USA importiert). In England ist ein Arzneimittel mit dem THC-Derivat Nabilon legalisiert, das deutschen Patienten in Einzelfällen zugänglich ist. Warum diese Bedenken gegen THC? Schuld sind mögliche Nebenwirkungen und die teilweise schlechte Effizienz. Zur Schmerzbekämpfung bei Krebspatienten entscheiden sich Ärzte beispielsweise eher für Morphine, die viel wirksamer sind. Doch Marihuana hat auch Vorteile.

So erklärt Peter Sauer von der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin, dass Cannabis den Appetit von HIV-Patienten steigert. Zudem verringert es die Übelkeitsgefühle Krebskranker nach der Chemotherapie und die durch Multiple Sklerose bedingten Muskelkrämpfe." Auch als Mittel gegen Glaukom (grüner Star) ist THC wirksam, da es den Augeninnendruck für einige Stunden senkt und den Verlust des Sehvermögens verlangsamt", so Sauer. Andere diskutierte Wirkungen sind bislang nicht wissenschaftlich erwiesen (zum Beispiel Vorbeugung von Hirnschäden, Einsatz gegen Parkinson und Alzheimer).

Und dann wären da noch die Nebenwirkungen: vor allem der durch Rauchen verursachte Lungenkrebs (die Belastung der Atmungsorgane durch einen Joint ist viermal höher als durch Zigaretten) sowie Krebs in Mundhöhle, Rachen und Speiseröhre. Auch die Zellfunktion des Immunsystems wird durch THC gravierend beeinträchtigt. Die Folge: gesteigerte Infektanfälligkeit. Schon bei Gelegenheitsrauchern treten Entzugserscheinungen auf (möglich sind auch psychotische Symptome wie Amnesie, Halluzinationen, Beklemmungen und Verwirrung).

Asthma, Bronchitis und Schizophrenie werden durch langjährigen Cannabis-Konsum verschlimmert. Zumindest den Risiken des Rauchens lässt sich aber ausweichen, wenn THC geschluckt oder injiziert wird (ebenso wirksam). Nur bei Übelkeit durch Chemotherapie wirkt der Joint besser. Auf Anraten des Arztes, versteht sich.

Anzeige
Sponsored SectionAnzeige