Infektionsgefahr: Darmkrebs durch Herpesviren?

Dickdarm
Einblick, der Klarheit schafft.

Herpesviren könnten Darmkrebs fördern. In vielen Zellwucherungen fanden sich Spuren des Erregers

Ein häufig vorkommendes Herpesvirus könnte eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Darmkrebs spielen. Das berichten amerikanische Wissenschaftler im Fachmagazin "Lancet". Darmkrebs ist eine der häufigsten Todesursachen in Industrieländern. Oft entsteht er scheinbar spontan oder ohne genetische Vorbelastung.

Charles S. Cobbs und seine Kollegen von der Universität in Birmingham in den USA entnahmen Gewebeproben von Testpersonen mit bösartigen Darmpolypen. Die Forscher konnten bei 80 Prozent der Probanden die Bestandteile des sogenannten Cyclomegalovirus in den Wucherungen nachweisen. Labortests hatten gezeigt, dass das Virus das ungehemmte Wachstum von Krebszellen im Darm fördern kann, berichtet Cobbs.

Prof. Dr. Matthias J. Reddehase vom Institut für Virologie der Johannes Gutenberg Uni in Mainz erklärt, dass das Virus selbst bereits im Kindesalter durch Muttermilch oder Spucke übertragen wird – alleine in Deutschland sind 50 Prozent der Bevölkerung infiziert. Die Virus-DNA bleibt ein Leben lang im Körper des Befallenen, "schlafend" in verschiedenen Zellen, auch im Darm. Das sei nicht weiter schlimm, so Reddehase, weil ein gesundes Immunsystem das Virus in Schach hält.

Aufgeweckte Schläfer?
Dass es aus diesem Grund nicht verwunderlich sei, dass Cobbs in den Gewebeproben der untersuchten Darmpolypen Spuren des Virus gefunden hat, meint Reddehase, ohne diese neuen Untersuchungsergebnisse gelesen zu haben. Allerdings habe es schon früher Überlegungen zu diesem Thema gegeben, die bis jetzt nie zu wirklichen Resultaten geführt hätten.

Zum Ausbruch kommt das Cyclomegalovirus lediglich bei einer Schwächung des Immunsystems, z. B. bei Knochenmarks-Transplantation oder AIDS. Dann kann es allerdings auch bekämpft werden. Einmal befallen, kann man es aber nie mehr aus dem Körper entfernen.

Ob sich mit dieser neuen Untersuchung also neue Behandlungsformen ergeben, bleibt noch abzuwarten. Bis dahin ist die Vorsorgeuntersuchung immer noch der beste Weg, sicher zu gehen.

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