Kampfsport Ölringen: Das beste Ringer-Training ist Ringen

Türkisches Ölringen
Ölringen: Am glitschigen Körper findet sich kaum ein Griff

Ölringen zählt definitiv zu den technisch anspruchsvollsten und härtesten Sportarten. Das wichtigste Fitness-Tool dafür: der eigene Körper

Der 31-Jahre alte Ölring-Profi Evren Oz trainiert zusammen mit dem amerikanischen Krampfsport-Coach Steve Maxwell. Je länger das Training dauert, desto mehr ist Maxwell beeindruckt von dem, was Evren Oz da mit ihm veranstaltet. Eine knappe Stunde lang führt der türkische Ölringer Maxwell durch eine Reihe von Partner-Hebeübungen, ringspezifische Ausfallschritte und typische Angriffs- und Verteidigungs-Moves. Maxwell keucht müde, als sein Gegner ihm zu wiederholten Male scheinbar mühelos anhebt oder durch zwei, drei schnelle und gezielte Griffe aus dem Tritt und dann zu Boden bringt.

Doch Maxwell gehört zu jener Sorte Sportler, deren Ehrgeiz noch zunimmt, je häufiger sie unterliegen. Er kämpft und versucht, die Bewegungen seines Kontrahenten zu imitieren, guckt sich dessen Taktik ab. Macht sich klein, weicht den Griffen des Gegners aus - und siehe da, mit einem Mal kriegt er dessen Hosenbund zu packen und schleudert ihn zur Seite. Fast. Denn dieser befreit sich bald spielerisch aus Maxwells Griff. Beifall brandet trotzdem auf, mittlerweile haben sich einige Einheimische rund um die Rasenfläche versammelt, um dieser speziellen Trainingsstunde beizuwohnen. "Genau das macht es aus, ein Fitness-Hunter zu sein", jubelt Maxwell hinterher begeistert. "Ich lerne auf meiner Reise durch die Sportkulturen stets dazu und erfahre am eigenen Leib, auf wie viele faszinierende Arten man sich sportlich betätigen kann."

Angesichts all der Trainingsmethoden und -ansätze, die er auf seiner Tour bis dahin kennengelernt hatte, konnte Maxwell eine Haupterkenntnis für sich herausfiltern: "Das wichtigste Fitness-Tool ist der eigene Körper.Training mit dem eigenen Gewicht ist so effektiv wie kaum ein anderes." Da Maxwell rund um den Globus eilt, arbeitet er fast nie in Studios, sondern bevorzugt es, draußen zu schwitzen und das zu gebrauchen, was gerade da ist: Äste, Stufen, Steine, Bänke. Maxwell vergleicht das mit Menschen, die den Kaffee immer schwarz trinken: Wer Extras wie Milch und Zucker (übertragend aufs Training: Hanteln und Geräte) nicht gewohnt ist, der vermisst diese irrelevanten Dinge auch nicht. nach über 2 Stunden Ölring-Training sitzen die beiden Trainingspartner im Schatten eines großen Baumes. "Du hast dich gut geschlagen, bist von Minute zu Minute besser geworden", lobt Lehrer Evren Oz seinen Schüler Steve Maxwell. Beide Männer sehen erschöpft, aber auch glücklich aus. 

Maxwell hatte ein Aha-Erlebnis: "Ölringen zählt definitiv zu den technisch anspruchsvollsten und härtesten Sportarten, die ich auf meiner Tour über die Kontinente ausprobiert habe", sagt er. "Ich bin mal gespannt, was uns die Profis übermorgen bei den Wettkämpfen im Stadion noch so zeigen werden."

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