Lauf-Talent: Das Erfolgsrezept des Super-Sprinters

Schnell wie Usain Bolt
Wenn Bolt in Fahrt kommt, ist er kaum zu bremsen

Lauferfolge sind kein Selbstläufer. Bei Usain Bolt stimmt einfach alles: Muskeln, Energiehaushalt und eine selbstverständliche Gelassenheit

Der Erfolg eines Sprinters wie Usain Bolt ist letztlich nicht allein aus seiner Statur abzuleiten. Für weltrekordnahe Zeiten müssen auch andere Faktoren stimmen, zum Beispiel die Sauerstoff-Aufnahmekapazität, das Koordinationsvermögen, schnell zuckende Muskelfasern. Die ersten beiden Faktoren lassen sich trainieren, das letztgenannte Merkmal nur bedingt: Die Verteilung von Muskelfasern ist eine Frage der Gene. Bei Spitzensprintern wie Usain Bolt besteht die Muskulatur bis zu 80 Prozent aus weißen Fasern, die sehr leicht sind und nahezu doppelt so schnell arbeiten können wie schwere, rote Muskelfasern. Der Durchschnittsmensch hat von beiden Sorten etwa gleich viel – und kann daran auch durch noch so viel Training nur sehr wenig ändern.

Usain Bolt wurde sowohl von Mutter Natur als auch von Mamas Schokolade während der Schwangerschaft reich bedacht. Dennoch: Die Lauferfolge sind kein Selbstläufer, denn die sensiblen weißen Muskelfasern müssen auch richtig eingesetzt werden. Sie arbeiten zwar schnell, werden aber auch sehr schnell müde und bringen dann überhaupt keine Leistung mehr. Es kommt demnach darauf an, wie der Körper mit seiner Energie während des Rennens haushaltet. Wichtig ist, die Muskulatur in den Bruchteilen einer Sekunde, in der sie zwischen den Schritten nicht oder weniger arbeiten muss, zu entspannen. Das aber lässt sich nur bedingt aktiv steuern.

Was da hilft, ist die selbstverständliche Lockerheit, mit der Top-Sprinter Bolt in seinen Startblock steigt: "Mein Körper ist für mich so etwas wie ein Rennwagen. Ich weiß, dass er mich schnell über die Strecke bringt und sein gesamtes Potenzial für mich ausschöpft, wenn ich ihn in der Saison ausreichend getunt und alle Stellschrauben richtig bedient habe", sagt Bolt.

Das Erfolgsrezept des Super-Sprinters: seine Gelassenheit

Erkennbar wird Usain Bolts gelebte Tiefenentspannung immer dann, wenn bei anderen die Nerven flattern. In wichtigen Finalläufen, beispielsweise in Berlin: Während der Rest des Starterfeldes (darunter der jamaikanische Teamkollege und vorherige Weltrekordhalter Asafa Powell sowie Ex-Weltmeister Tyson Gay aus den USA) nervös hin und her schleicht, wirkt Bolt so ausgeglichen, als würde er an einer Haltestelle irgendwo in Kingston Town auf den Bus warten. Mentales Training? Für die Ruhe selbst namens Bolt kein Thema. Auf die Frage, ob er je Angst vor einem Gegner hatte, antwortet er, von der Frage offensichtlich verwirrt: "Angst? Angst ist völlig sinnlos. Wer am Start nicht an sich glaubt, hat schon verloren. Ich gehe in jedes Rennen mit Zuversicht. Ich weiß dass ich gewinnen will, weiß, dass ich gewinnen werde. Nichts anderes." Diese Entschlossenheit zieht Bolt aus seiner langjährigen, harten Trainingserfahrung.

Schon als kleiner Junge wetzte er über die Insel. Mit 15 Jahren holte er, als jüngster Läufer überhaupt, Gold bei der Junioren-WM über seine eigentliche Paradedisziplin, die 200 Meter. Das ambitionierte jamaikanische Fördersystem für die Jugend trägt seinen Teil dazu bei: Leichtathletik ist im Karibikstaat neben Fußball die beliebteste Sportart. Viele Kinder versuchen, in den unzähligen Ausscheidungswettkämpfen einen begehrten Stipendiumsplatz zu ergattern. Wie wichtig Leichtathletik für Jamaika ist, mögen diese Zahlen zeigen: 54 von 55 olympischen Medaillen für das Land holten Leichtathleten, 53 davon in Sprint- und Hürdenlauf-Disziplinen. Bei den letzten Olympischen Spielen war Jamaika im Medaillenspiegel – bezogen auf die Einwohnerzahl eines Landes – mit Abstand die Nummer 1. Logische Konsequenz dieses Systems: Bolt.

Lesen Sie, wie Super-Sprinter Usain Bolt (noch) schneller werden will.

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