E-Bike-Test: Das Gocycle im Großstadt-Test

Das Gocycle hat zwar ein Cockpit wie K.I.T.T. aus „Knight Rider“, sieht aber gar nicht aus wie ein E-Bike
Das E-Bike Gocycle G2R von Karbon Kinetics gibt Unterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h

Es hat zwar ein Cockpit wie K.I.T.T. aus "Knight Rider", sieht aber sonst gar nicht nach High-Tech-E-Bike aus. Wie gut das leichte Gocycle wirklich ist, zeigt unser Test

E-Bikes bringen ihre Besitzer mit wenig Anstrengung quer durch die Stadt – garantiert schweißfrei. Mit Sport hat das nichts zu tun. Und genau da liegt für mich das Problem. Per Elektromotor an allen schwitzfrei vorbeizusausen, ist irgendwie unsportlich. Ein Fahrrad ist für mich in erster Linie ein Sportgerät, mit dem ich mich gleichzeitig fit halte und von A nach B komme. Daher stehe ich E-Bikes eher skeptisch gegenüber.

Das E-Bike Gocycle G2R von Karbon Kinetics ist da zunächst keine Ausnahme. Als so genanntes Pedelec, also ein zulassungsfreies Elektrorad mit einer Unterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h, muss ich zwar in die Pedale treten, um in den Genuss der elektronischen Unterstützung zu kommen. Anstrengend ist es das allerdings nicht (Mehr Infos zu den unterschiedlichen E-Bike-Typen gibt's hier). Was mich dennoch neugierig macht auf das Gocycle G2R ist sein Design. Denn es sieht weder nach E-Bike, noch nicht einmal nach Standard-Fahrrad aus. Der stylische, unkonventionelle Rahmen ist ein echter Hingucker. Bei meinen Test-Rides ernte ich viele neidische und überraschte Blicke. Gut zwei Dutzend Fußgänger und Fahrradfahrer haben mich zudem angesprochen. Und nahezu alle waren vom Aussehen beeindruckt – und überrascht, dass es sich überhaupt um ein E-Bike handelt. Der Grund: Man ahnt nichts vom Elektroantrieb. Motor und Akku befinden sich gut versteckt im Rahmen. Für das Design hat das Rad 2012 auf der Eurobike-Messe sogar einen Award eingesackt. Das Gocycle G2R gibt’s zwar noch in Weiß und Grau, in Schwarz sieht es allerdings am besten aus.

Das Gocycle G2R ist in wenigen Minuten transportfähig zusammengeklappt
Das Gocycle G2R ist in wenigen Minuten transportfähig zusammengeklappt

Ein Leichtgewicht – unter den E-Bikes
Der größte Pluspunkt des Elektrorades ist aber nicht das Aussehen, sondern das Gewicht. Mit knapp unter 16 Kilo ist das Gocycle ein Leichtgewicht – zumindest unter den E-Bikes. Und das Gesamtgewicht ist ein echtes Kaufargument. Denn wie bei den meisten E-Bikes wird der Akku am Rad geladen, kann dafür nicht entnommen werden. Wer also nicht zufällig im Erdgeschoss wohnt, muss seinen elektrischen Drahtesel mit in die Wohnung schleppen. Und 16 Kilo kann zumindest Mann noch locker tragen. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass Männer auch die Hauptzielgruppe sind: Das Gocycle punktet mit einigen technische Spielereien. Angefangen mit einem Lenker-Display, in dem diverse rote Dioden blinken oder von links nach rechts wandern – ähnlich dem High-Tech-Auto K.I.T.T. aus der 80er-Serie Knight Rider. Anders als das TV-Vorbild spricht das Bike nicht mit seinem Fahrer – zum Glück. Die leuchtenden Punkte informieren lediglich über Ladezustand, Geschwindigkeit, Fahrmodus und den eingelegten Gang. Zum Bike gibt’s eine Android- und iOS-App, mit der Sie die unterschiedlichen Fahrmodi etwas angenehmer auswählen können. Hier gibt es auch die Option, die E-Unterstützung und Höchstgeschwindigkeit ganz individuell einzustellen. Für mich ist das ein nettes Feature, welches ich gerne nutze. Das Setting wird dann via Bluetooth aufs Bike übertragen.

Cockpit wie K.I.T.T. von
Cockpit wie K.I.T.T. von "Knight Rider": Das  Leuchtdisplay des Gocycle informiert über Ladezustand, Geschwindigkeit und Fahrmodus

Das Gocycle G2R im Fahrtest
Das Gocycle fährt sich einfach, geht gut ab – hat also eine ordentliche Beschleunigung. Gebremst wird mit zuverlässigen hydraulischen Scheibenbremsen. Die elektronische 3-Gang-Schaltung funktioniert größtenteils einwandfrei – auch wenn ich mir manchmal eine sportlichere Übersetzung wünschte. Wesentlich schneller als 25 km/h (hier stoppt die Unterstützung) schafft man daher nicht. Dafür ist das Rad zu träge. Angetrieben wird das Bike über eine Kette in einem geschlossenen System. Heißt: keine Schmierflecken an der Hose mehr. Für Regen-Wetter gibt’s Spezial-Schutzbleche (etwa 110 Euro). Auch eine Lichtanlage gehört zum Extra-Zubehör (etwa 68 Euro). Der E-Antrieb ist allerdings nicht leise – man gewöhnt sich aber an die Geräusche. Es gibt leider auch Sounds, an die ich mich nicht gewöhnt habe: Ist das Rad eingeschaltet oder wird geladen, pfeift es leicht, was in einem ansonsten stillen Raum recht nervig ist.

Das Gocycle hat mehrere Fahrmodi, je nach Art der elektronischen Unterstützung. Die Reichweite einer Akkuladung wird vom Hersteller mit 46-65 Kilometern angegeben. Im Test schaffte das Gocycle im „City-Modus“ im Schnitt nur 35 Kilometer. Damit ist es eher ein Kurzstreckler – beispielsweise für den Weg zur Arbeit. Pluspunkt: Das Rad können Sie auch mit leerem Akku (Ladezeit: 5,5 Stunden) fahren – dann kommen Sie auch endlich ins Schwitzen.

Klapprad mit geringer Reichweite
Das Rad lässt sich mit wenigen Handgriffen in etwa 3 Minuten zusammenklappen bzw. auseinandernehmen (die ultraleichten 20-Zoll-Räder werden einfach abgezogen). Im gefalteten Zustand passt das Gocycle in eine Transporttasche, die Sie wiederum problemlos im Auto oder in der Bahn mitnehmen können. Top:  Mit einem speziellen Kabelschloss können Sie Fahrrad und Akku vor Diebstahl sichern. Die Kabel für Bremse, etc. verlaufen alle im Rahmen. Weniger Top: die etwas geringe Reichweite. Zudem gibt es keine genaue Geschwindigkeitsanzeige und hier und da knacken die verbauten Plastikteile.

Fazit: Das Gocycle ist der perfekte City-Flitzer für den anstrengungsfreien, täglichen Weg zur Arbeit oder in den Supermarkt. Selbst bei Steigungen kommen Sie nicht ins Schwitzen oder müssen sich verausgaben. Das Fahren macht Spaß, das coole, leichte Design zieht die Blicke auf sich. Ja, auch die der Mädels. Mit Sport hat das Gocycle tatsächlich nichts zu tun, aber mit Style.

Das Gocycle G2R gibt es ab zirka 3300 Euro. Mehr Infos unter www.gocycle-de.com

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