Know-how der besten Stücke: Das machen Sie bei Schmerzen in den Hoden

Schmerzen im Hoden: Wie Sie häufige Symptome richtig deuten, und wann Sie gleich zum Arzt müssen
Kümern Sie sich um Ihre Hoden (und seinen Inhalt)!

Dass ein gezielter Tritt in die Hoden schmerzt, weiß jeder Mann. Doch im Vergleich zu anderen Hodenbeschwerden ist das noch harmlos. Wie Sie häufige Symptome richtig deuten, und wann Sie gleich zum Arzt müssen

Solange sie gesund sind, spielen die Hoden – von den mehr oder weniger sanften Streicheleinheiten beim Sex mal abgesehen – nur eine Nebenrolle. Hauptsache, die Produktion läuft gut. Erst wenn sie richtig Beschwerden machen, drängen sie sich ins Rampenlicht. Doch dann kann es manchmal schon zu spät sein. Wir erklären, wie Sie die häufigsten Hodenbeschwerden noch rechtzeitig erkennen.

Entzündung der Nebenhoden

Ursache sind meist verschleppte Bakterien einer Harnwegsinfektion. „Typischerweise ist nur ein Hoden betroffen“, sagt Professor Joachim Noldus, Oberarzt an der urologischen Uniklinik Eppendorf in Hamburg.

Symptome: Es brennt, wenn Sie Wasser lassen. Die betroffene Seite ist heiß, geschwollen, rot und berührungsempfindlich. Häufig schmerzt schon das ruhige Hängen des Hodensacks; geht man in die Rückenlage, nehmen die Beschwerden ab.

Behandlung: Sie sollten zum Arzt gehen, um sich Antibiotika und eventuell Schmerzmittel verschreiben zu lassen. Kühlen Sie zudem den betroffenen Hoden und lagern Sie ihn hoch (eine zusammengerollte Socke oder Mullbinde drunter legen). Wenn Sie sich nicht hinsetzen oder -legen können, dann sollten Sie einen festen Slip tragen – auch das mindert das unangenehme Zuggefühl am Samenstrang.

Vorbeugen: Männer sind zwar seltener von Harnwegsinfektionen betroffen als Frauen, aber wenn, dann meist heftig. Doktern Sie nur nicht allein daran herum, sondern gehen Sie lieber gleich zum Arzt, wenn es beim Pinkeln brennt.

Entzündung der Hoden

Tritt deutlich seltener auf als Nebenhoden-Beschwerden und wird fast immer durch Viren ausgelöst. Eine Hodenentzündung ist in den meisten Fällen die Folge einer Mumps-Infektion.

Symptome: Wie bei Nebenhoden-Entzündungen, jedoch sind hierbei in der Regel beide Seiten betroffen. Die Rötung ist nicht so stark.

Behandlung: Da Unfruchtbarkeit droht, kann der Arzt neben Schmerzmitteln auch Interferon verordnen, um damit die Infektion zu bekämpfen. Sie selbst sollten außerdem die Hoden kühlen und hochlagern.

Vorbeugen: Kinder kann man gegen Mumps impfen lassen. Erwachsene Männer, die weder geimpft sind noch die Krankheit durchgemacht haben, sollten sich von infizierten Kindern fernhalten.

Krampfader Varikozele

Treten bei zehn Prozent der Männer auf, vor allem junge sind häufig betroffen. Krampfadern sind Erweiterungen der Venen, verursacht durch geschädigte Klappen. Die sollen eigentlich den Fluss des Blutes in die falsche Richtung verhindern (der Begriff „Krampfader“ ist also falsch). Die Varikozele liegt in 90 Prozent der Fälle links, weil das Blut dort weniger gut abfließt. Die ausgesackten Venen können unfruchtbar machen, weil sie vermutlich zur Erwärmung des Gewebes führen.

Symptome: Manche Männer spüren einen dumpfen, ziehenden Schmerz, andere überhaupt nichts. Die Venen lassen sich im Stehen als knubbelige Schwellungen ertasten; im Liegen sind sie nicht fühlbar.

Behandlung: Nur wenn man Beschwerden hat oder noch Kinder zeugen möchte, muss etwas unternommen werden. Die Krampfadern werden dann entweder durch Veröden oder durch Abbinden blockiert. Die Eingriffe werden unter lokaler Betäubung durchgeführt und dauern je etwa 30 Minuten.

Vorbeugen: Nicht möglich. Es können auch immer wieder neue Krampfadern auftreten.

Hodenprellung

Ein Ball, ein Tritt oder das Knie der Bettgespielin landen gelegentlich an der falschen Stelle. Dadurch kann sich ein Bluterguss im Hoden bilden.

Symptome: Auch wenn Sie es im ersten Moment vielleicht glauben: Sie müssen nicht sterben. Der Schmerz, der Ihnen die Luft abschnürt, sollte nach wenigen Minuten so weit abgeklungen sein, dass Sie nur noch merken: Da war etwas.

Behandlung: Wenn möglich: kühlen. Der Bluterguss muss von allein abklingen, was einige Wochen dauern kann (so lange tut es aber nicht weh). Heparinsalbe nützt in dem Fall nichts, da sie nicht weit genug ins Gewebe vordringen kann.

Vorbeugen: Bei Sportarten mit Körpereinsatz sollten Sie ein Suspensorium (vulgo: Eierbecher) tragen. Wer mal so richtig eins auf den Sack gekriegt hat, der behauptet nicht mehr, dass dies nur was für Warmduscher ist – es kann schließlich noch schlimmer kommen...

Hodenruptur

… wenn bei einem Volltreffer unter die Gürtellinie auch die Tunica albuginea, eine den Hoden umgebende Haut, reißt.

Symptome: Der Schmerz ist noch schlimmer als bei einem gewöhnlichen Schlag oder Tritt in die Zwölf. Außerdem klingt er auch nicht nach einer Weile ab, was Sie als deutliches Zeichen Ihres Körpers auffassen sollten. Ab zum Arzt!

Behandlung: In der Zwischenzeit kühlen. Der Arzt kann mit Ultraschall und Abtasten gut feststellen, ob die Tunica albuginea eingerissen ist. Wenn ja, wird sie wieder zusammengenäht. „Selbst wenn es äußerlich nicht erkennbar ist, kann das Gewebe so stark zerfetzt sein, dass der oder die Hoden entfernt werden müssen“, sagt Urologie-Professor Noldus.

Vorbeugung: Brauchen Sie nun wirklich noch ein weiteres Plädoyer für den Eierbecher?

Hodenverdrehung Torsion

Auch akutes Skrotum genannt. Dabei ist einer der Hoden um die Achse seines Samenstrangs verdreht und schnürt sich dadurch die Blutzufuhr ab. Sie tritt vor allem bei Kindern und jüngeren Männern (bis etwa 25 Jahren) auf. Auslöser ist zumeist eine falsche Bewegung. In manchen Fällen verdreht sich ein Hoden allerdings auch ohne äußeren Einfluss, lediglich durch Zusammenziehen der Muskeln am Samenstrang.

Symptome: Ischämieschmerz (zu Deutsch: ausgelöst durch absterbendes Gewebe) gehört zu den stärksten überhaupt. Er setzt bei der Hodenverdrehung schlagartig ein und lässt sich auch durch eine Veränderung der Lage (Hochlegen des Hodens, Anziehen der Beine) nicht lindern. Der Schmerz kann bis in die Leiste und den Bauchraum ausstrahlen.

Behandlung: Lassen Sie sich umgehend in ein Krankenhaus bringen, auch in der Nacht. Je schneller die Verdrehung beseitigt wird, desto größer ist die Chance, dass sich das betroffene Gewebe wieder erholt. „Bereits nach sechs Stunden ist die Schädigung des Hodens so gravierend, dass er entfernt werden muss“, sagt Professor Noldus. Im Krankenhaus wird eine besondere Ultraschall-Untersuchung gemacht (die so genannte Doppler-Sonografie), bei der die Durchblutung gemessen werden kann. Manchmal verursacht nämlich auch eine akut einsetzende Nebenhoden-Entzündung ähnlich starken Schmerz. Das Zurückdrehen eines Hodens in die richtige Position erfordert nur kleine Schnitte; die Operation dauert insgesamt etwa eine halbe Stunde. Dabei wird der Hoden so fixiert, dass er sich nicht erneut verdrehen kann.

Vorbeugen: Manchmal dreht sich der Hoden spontan von allein in die richtige Lage, die Schmerzen lassen urplötzlich nach. Auch wenn Sie den Doc bereits aus dem Schlaf geholt haben, muss Ihnen dies nicht unangenehm sein. Schildern Sie ihm Ihre Beschwerden und tun Sie auf diese Weise etwas, um einer erneuten Torsion vorzubeugen. Wenn der Arzt eine Nebenhoden-Entzündung ausschließt, wird er Ihnen sicher empfehlen, den drehfreudigen Hoden vorbeugend fixieren zu lassen. Schließlich könnten Sie sich ja gerade irgendwo in der Wildnis befinden, wenn wieder eine Torsion auftritt.

Hodenkrebs

Häufigste aller bösartigen Gewebeveränderungen bei jungen Männern. Rein statistisch gesehen tritt Hodenkrebs bei sieben von 100000 Männern auf.

Symptome: Schmerzen bereitet so ein Hodentumor fast nie. Meist wird er beim Waschen ertastet; dann ist der Tumor in der Regel etwas größer als ein Stück Würfelzucker. Manchmal macht er den Betroffenen auch unfruchtbar und wird entdeckt, weil man sich wegen ausbleibenden Nachwuchses in Behandlung begibt. Einige Tumormarker im Blut können in erhöhter Zahl auftreten, müssen dies allerdings nicht.

Behandlung: Der Arzt untersucht einen Knoten mittels Ultraschall. Bestätigt sich der Krebsverdacht, wird der befallene Hoden durch einen Schnitt in der Leiste samt Samenstrang entfernt. Die Zeugungsfähigkeit bleibt erhalten, denn nur sehr selten sind beide Hoden betroffen. Auch wenn der Tumor noch keine Metastasen ausgebildet hat, wird manchmal zusätzlich bestrahlt oder eine kurze Chemotherapie verordnet, damit es nicht zum Rückfall kommt. „Wenn der Tumor noch keine Metastasen gestreut hat, liegen die Heilungschancen bei 95 Prozent“, sagt der Urologe Noldus. „Das ist eine bessere Quote als bei jedem anderen bösartigen Tumor.“ Auch für den Fall, dass sich der Krebs schon weiter ausgebreitet hat, stehen die Heilungschancen mit 80 bis 90 Prozent besser als bei vielen anderen Krebsarten.

Vorbeugen: Gute Heilungschancen haben Sie nur, wenn ein Tumor frühzeitig entdeckt wird. Deshalb sollten Sie Ihre Kronjuwelen alle drei Monate gründlich abtasten, am besten, wenn Sie ganz entspannt unter der Dusche stehen. Rollen Sie den Hodensack Stück für Stück sanft zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her. Wenn Sie dabei dann eine Verhärtung entdecken, sollten Sie gar nicht erst versuchen, diese zu verharmlosen. Der Knubbel wird Ihnen sowieso erst wieder aus dem Sinn gehen, wenn Ihnen ein kompetenter Facharzt bestätigt hat, dass es eindeutig kein Krebs ist. Und falls doch: Zeit ist Leben.

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