Techniktrend: Das neue 3D-Fernsehen

3D-Erlebnis für zu Hause
Wie auch Sony setzen die meisten Hersteller auf die Shutterbrillen-Technik. Im Bild: der Bravia LX900

Im Kino ist 3D ein Renner, jetzt soll's auch ins Wohnzimmer. Lohnt sich der Umstieg? Wir klären die wichtigsten Fragen

Wie funktioniert's?
Bei einem dreidimensionalen Film werden dem Zuschauer zwei perspektivisch unterschiedliche Bilder zur selben Zeit gezeigt – eins für das linke, eins für das rechte Auge. Das älteste und qualitativ schlechteste Verfahren, in dem über eine Rot-Grün-Brille die entsprechend eingefärbte Bilder nur mit dem linken beziehungsweise rechten Auge wahrgenommen werden, hat ausgedient. Nun gibt es zwei neue Methoden auf dem Markt, für die ebenfalls eine Brille benötigt wird:

  1. Die meisten Gerätehersteller setzen auf die so genannte Shutterbrille. Mit ihr wird die Bildwiederholrate halbiert und getrennt an jeweils nur ein Auge gesendet, weshalb auch ein Gerät mit möglichst hoher Hertz-Zahl benötigt wird. Bei 200 Hz kommen beispielsweise jeweils 100 Bilder pro Sekunde abwechselnd beim linken und beim rechten Auge an.
  2. Bei der Polarisationsbrille wird der 3D-Effekt noch etwas mehr verbessert. Hier halbiert die Technik die Bildauflösung in der Vertikalen. Das so genannte Interlaced-Verfahren polarisiert alle ungeraden Zeilen eines Bildes in die eine Richtung und alle geraden Zeilen in die andere. Nachteil: Durch die halbierte Bildauflösung sinkt natürlich die Qualität. Aus 1920x1080 Bildpunkten werden dann 1920x540.

Gibt es das 3D-Erlebnis auch ohne Brillen?
Neue Technologien sollen das bald möglich machen. Das Fraunhofer-Institut hat beispielsweise auf der diesjährigen IFA-Messe ein erstes Konzept vorgestellt. Der Trick: Eine in das Gerät eingebaute Kamera erkennt Kopf- und Augenbewegungen des Zuschauers und aktualisiert dementsprechend den Bildinhalt. Mehrere eingebaute Kameras ermöglichen auch mehrere Zuschauer – jedoch mit Qualitätsverlust.

Kann ich mich beim Kauf falsch entscheiden?
Die Industrie hat aus dem Formatkrieg zwischen Blu-ray und HD-DVD vor einigen Jahren gelernt: Woher die 3D-Bilder kommen und wie sie übertragen werden, wurde bereits im Vorfeld geklärt. Kompatibilitätsprobleme gibt es aber bei den 3D-Brillen der Herstellern, da sie in der Regel nicht bei Konkurrenz-Geräten funktionieren. Immerhin wird es schon bald erste Universalbrillen auf dem Markt geben.

Wie rüste ich auf?
Wer bereits ein Heimkino-System sein eigenen nennt, muss fast alles austauschen. Neben einem 3D-Fernseher brauchen Sie auch die passenden Brillen, die jedoch meistens beim TV-Gerät mit dabei sind. Wer 3D-Blu-ray-Filme abspielen will, benötigt auch einen 3D-fähigen Player. Mit etwas Glück wird Ihr jetziger per Firmware-Update nachgerüstet. Ein gutes Beispiel ist Sonys Playstation 3, die durch eine Software-Aktualisierung jetzt auch 3D-Filme und -Spiele wiedergeben kann.

Hier finden Sie eine Auswahl an 3D-Geräten!

Was kostet es?
Als Faustformel können Sie bei einem neuen Fernseher für die zusätzliche 3D-Funktion mit etwa 200 bis 500 Euro Aufpreis rechnen. 40-Zoll-Einstiegsgeräte gibt's bereits für unter 1000 Euro. 3D-fähige Blu-ray-Player sind ab 200 Euro aufwärts erhältlich. Eine zusätzliche 3D-Brille kostet in der Regel zwischen 100 und 150 Euro.

Wie steht's mit dem 3D-Angebot?
Während die großen TV-Hersteller das neue 3D-Erlebnis hypen und immer mehr Geräte auf den Markt werfen, haben sie wohl ganz aus den Augen verloren, auch für passende Inhalte zu sorgen. Die gibt es nämlich so gut wie gar nicht! 3D-Blu-rays, die im freien Handel erhältlich sind, können Sie bislang an einer Hand abzählen. Die restlichen Titel werden von den Geräteherstellern per Exklusivrecht an die eigene Marke gebunden und sind nur über den Kauf von 3D-Produkten zu bekommen.

Fernsehsender mit 3D-Angeboten sind noch in der Planphase und werden auch erst mal kein Vollzeitprogramm ausstrahlen. Der Pay-TV-Sender Sky will ab Oktober im „Eventkanal“ gelegentlich räumliche Bilder ausstrahlen. Die Deutsche Telekom bietet im eigenen IPTV-Angebot Videoload 3D-Filme per Video on Demand an. Etwas notgedrungen wirken da die 3D-Fernseher, die über einen eingebauten Rechenchip 2D-Material in 3D umrechnen können – mit eher schlechtem Ergebnis. Echte 3D-Filme sind nun mal das Nonplusultra.

Lohnt sich der Umstieg?
Auch wenn die Hersteller es gerne verkünden: Die 3D-Technik hat es noch lange nicht ins Wohnzimmer geschafft. Wenn überhaupt, lohnt sich der Umstieg derzeit nur für Technik-Fans, die stets die neueste Innovation zu Hause haben wollen. Klar, 3D-Fernsehen ist beeindruckend und steckt voller Potenzial. Aber vor allem die noch zu hohen Anschaffungskosten und der Inhalte-Mangel schreien geradezu danach, noch ein bis zwei Jahre zu warten.

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3D-Fernseher: die dritte Dimension im Wohnzimmer

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