Sinnestäuschung: Depressionen versalzen den Geschmackssinn

Heißhunger auf Süßes
Antidepressiva kurbeln den Geschmackssinn an. Die Folge: Heißhunger auf Süßes!

Ob uns etwas gut schmeckt, hängt von unserer Laune ab: Traurig schmeckt Süßes weniger gut

Bei schlechter Laune schmeckt Schokolade offenbar nur halb so gut. Denn wenn sich der Botenstoffpegel im Gehirn – ein Maß für die Stimmung – ändert, nehmen wir Süßes und Salziges unterschiedlich stark wahr, so eine britische Studie.

Demnach schwächt ein verringerter Serotoninspiegel, wie er bei Depressionen, Angststörungen aber auch akuten Belastungen kurzzeitig auftreten kann, bittere und salzige Geschmacksrichtungen ab. Wird der Botenstoff mit Hilfe von Antidepressiva künstlich erhöht, schmeckt Süßes süßer. Die Wissenschaftler der Universität Bristol hoffen mit den Ergebnissen einen Geschmackstest als schnelleres Diagnoseverfahren für Depressionen zu entwickeln.

Bisher werden nach Angaben der Neurobiologen 20 bis 40 Prozent der Depressionskranken falsch behandelt – eine Zahl, die sich mit genaueren Diagnoseverfahren verringern lassen müsste. "Die Ergebnisse erklären aber auch, wieso Depressive bei einer Behandlung mit Tabletten häufig zunehmen," erklärt Studienleiterin Lucy Donaldson: "Plötzlich schmeckt einfach alles besser."

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