Rückfall: Der 2. Depressions-Schub

Der 2. Depressions-Schub
Rückfall in die Depression

Typisch für einen depressiven Menschen: Tim ist nicht in der Lage, Freude zu empfinden – nicht einmal über seine eigene Tochter

Und wieder macht er sich Gedanken. Darüber, wie er die Familie und den Beruf unter einen Hut bekommt. Darüber, wie er die Arbeit bewältigen soll, wenn mit jedem erledigten Problem zwei neue hinzukommen. Und darüber, was sein Vater wohl sagen würde, wenn er jetzt aufgibt. "Ich wollte allem und allen gerecht werden, konnte es aber nicht", sagt Tim.

Seinen ersten Kreislaufzusammenbruch erleidet Tim im Büro seiner Chefin. Zu diesem Zeitpunkt leidet er wieder unter Atemnot, Appetitlosigkeit und dem ganzen Rest. Der Werksarzt erkennt, dass er unter Druck steht, und schreibt ihn krank – 2 Wochen Pause, in denen er mal ganz abschalten soll, vor allem sein Business-Handy. "Das konnte ich aber nicht. Ich war ja der Einzige, der sich in dem Thema auskannte." Also arbeitet er weiter.

Während eines Meetings in Brüssel ereilt ihn der zweite Kollaps. Er kann nicht mehr. Der Werksarzt schlägt vor, dass Tim noch mal in die Klinik gehen soll, und bemüht sich für ihn um eine Versetzung. 5 Jahre nach seiner ersten Depression liegt Tim wieder auf Station 162 A, zufällig wieder in Zimmer 224. Wieder starren, grübeln, weinen. Sirun sieht ihren Mann, und wie Tims Freunde fragt sie sich: Warum ist er nicht glücklich? Sirun lernt zu verstehen. Das hilft. Mit dem Rückfall ist Tim nicht allein. "Etwa die Hälfte der von einer Depression betroffenen Erwachsenen erlebt die Krankheit ein zweites Mal", sagt Chefarzt Unger.

Noch in der Klinik erhält Tim die Nachricht, dass seine Versetzung genehmigt worden ist – sogar in einen Bereich, den er sich wünscht. Und mehr noch: Der Werksarzt gibt dem Chemiker zusätzlich 4 Wochen Zeit, um seine Promotion zu Ende zu führen. Aber die größte Last nimmt ihm diesmal sein Vater, der mittlerweile verstanden hat, dass die Depression nicht etwa eine billige Ausrede ist, sondern eine schwerwiegende Krankheit. Er sagt Sätze wie: Ich kann dich gut verstehen. Und: Wir stehen das alles gemeinsam durch. Tim sieht ein Licht am Ende des Tunnels –und es ist kein entgegenkommender Zug.

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