Tour über den Harkerville-Trail: Der 2. Vater steigt aus

Pause muss sein
Atempause auf den Klippen der Angst

Die Stufen des heutigen Aufstiegs sind so hoch, dass meine Beine fast die Brust berühren. Ich stütze mich auf den Oberschenkeln ab, suche Halt an Ästen und Felsbrock en.

Dann fordert der Trail einen weiteren Vater. Obie hat starke Schmerzen im Bein und will mit dem Wagen abgeholt werden. Endlich sind wir oben. Eintrag ins Gästebuch – Zeit: 11.56 Uhr, Personen: drei. In das Bemerkungen-Feld schreibe ich mit unruhiger Hand: Für meinen Vater!

Jetzt gehen Jesse und ich die letzten Kilometer an. Wie bis zum Anschlag aufgezogene Spielzeuge rennen wir die Abhänge hinab, springen über Hindernisse, ohne Pause. Die letzten fünf Kilometer sind geschafft, in 76 Minuten und 32 Sekunden.

Wir sammeln unsere Väter ein und fahren zu Freunden von Obie und Jesse nach Plettenberg Bay. Endlich anständige Nahrung. Und dazu ergreifende Musik. „The Living Years“ von Mike and the Mechanics erzählt von einem Sohn, der seinen Vater verliert, bevor er ihm sagen kann, was er fühlt.

Obie zwinkert mir zu, als wolle er sagen: Los, sag’s ihm! Trotz voll aufgedrehter Anlage wird es still um mich. Wie vor einem wichtigen Schuss mit einem Gewehr halte ich den Atem an. Ich schaue meinem Vater in die Augen, greife seine Hand – und schweige. Aus Angst.

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