Paralympics Speerwerfen: Der große Wurf mit Mathias Mester

Interview mit Paralympics-Speerwerfer Mathias Mester
Videointerview mit Speerwerfer Mathias Mester

Speerwerfer Mathias Mester misst 1,42 und wirft auch noch Kugel und Diskus. Bei den Paralympics in London will er sich seinen Speerwurf-Weltrekord zurückholen. Von seiner Trainingsstrategie profitieren auch Sie

Mathias Mester: 25 Jahre alt, 1,42 Meter groß, 53 Kilo schwer

Disziplin: Speerwerfen

Größte Erfolge: Weltmeister 2006, 2007 und 2009

Bestleistung: 40,69 Meter

Handicap: Mester leidet unter Kleinwuchs mit stark verkürzten Extremitäten (so genannte Achondroplasie) 

Erfolgsmotto: »Ob klein, ob groß, wir sind alle nur Menschen«

Speerwerfer Mathias Mester misst 1,42 und wirft auch noch Kugel und Diskus
Mathias Mesters Speer überragt ihn um einiges: 2,20 Meter lang ist die spitze Stange aus Fiberglas

Er ist ein Großer unter den Kleinwüchsigen: Mathias Mester misst 1,42 Meter, bei 1,20 Meter beginnt seine Starterklasse, und den Wettkampf-Statuten zufolge dürfte er  höchstens 3 Zentimeter größer sein. Sein Speer überragt ihn um einiges: 2,20 Meter lang ist die spitze Stange aus Fiberglas, 600 Gramm schwer und rosa – Mester wirft nämlich mit einem Frauenspeer. Der Bürokaufmann lacht: „Auf die Farbe habe ich es nicht angelegt. Aber mit dem kann ich einfach am besten werfen.“ Bis vor 7 Jahren kickte Mester noch in der Fußball-Kreisliga, ehe er zu einem Leichtathletik-Probetraining eingeladen wurde. Danach ging alles rasend schnell: Ein Jahr später war er Junioren-Weltmeister – im Speerwerfen, im Diskuswerfen und im Kugelstoßen! 2007 dann Weltmeister in allen 3 Disziplinen. Im selben Jahr wird er als „Behindertensportler des Jahres“ von der Bundeskanzlerin ausgezeichnet. „Das war ein ergreifender Moment“, berichtet Mester, der inzwischen von der Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius (Leverkusen) trainiert wird.

Grund für diese Auszeichnung ist – neben seiner sportlichen Leistung – gewiss auch seine offene, unkomplizierte Art, die ihn bis heute zu einem wichtigen Botschafter des Behindertensports in Deutschland macht. „Ich bin kein Kind von Traurigkeit, mich wirft so schnell nichts aus der Bahn“, beschreibt sich Mester selbst. Dann fällt ihm doch etwas ein: „Außer meiner Trainerin Steffi: Komme ich zu spät zum Training, macht sie mich kürzer, als ich es eh schon bin.“ Diese Leichtigkeit zeigt er auch sonst im Umgang mit seiner Körpergröße: „Wenn im Supermarkt etwas weit oben steht, frage ich eben jemanden – oder klettere zur Not das Regal rauf.“ Seine Kleidung findet er meistens in den Kinderabteilungen. Da sind zwar auch oft Ärmel und Hosenbeine zu lang, doch: „Die kürzt dann halt meine Oma ein.“

Mester selbst kürzte sein Repertoire ein,  um Kugelstoßen und Diskuswerfen. Heute konzentriert er sich einzig aufs Speerwerfen. Eine Entscheidung, die auch gesundheitliche Hintergründe hat, denn bei Wurf- und Stoßdisziplinen wirken auf den Rumpf enorme Kräfte, die an Mesters Körper schon ihre Spuren hinterlassen haben. Dass er 3 Wochen vor unserer Fotoproduktion einen Bandscheibenvorfall erlitten hat und nun mit einem Taubheitsgefühl im Bein am Set steht, lässt er sich zu keiner Zeit anmerken. Voller Enthusiasmus macht er alles mit – keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht im Leistungssport.

Neben der Verbesserung seiner Wurf- und Anlauftechnik steht im Training die Rumpfkräftigung ganz weit vorn, wegen der hohen Belastung für seinen Rücken. Unter der Woche trainiert Mester zweimal täglich, einmal morgens und einmal abends. Zwischendurch geht er zur Arbeit – nur die wenigsten behinderten Athleten können von ihrem Sport leben. Doch aufs große Geld ist Mester eh nicht aus, eher auf große Weiten. Ihn, der noch niemals einen Speerwurf-Wettbewerb verloren hat, wurmt eines: „Kugel, Diskus, Speer – ich hatte alle 3 Weltrekorde. Der im Speerwerfen ist weg – aber den hole ich mir in London wieder!“

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