Übernacht-Linsen: Die Nacht mit den Traumlinsen

Zwei Wochen später sind meine Linsen fertig. Damit ich sie nicht verwechsle, ist die linke blau, die rechte violett eingefärbt.

Ich bin erstaunt, wie leicht sich die harten Kontaktlinsen einsetzen lassen – sie fliegen förmlich auf die Pupillen. Anfangs wehren sich die Augen unter Tränen gegen die ungewohnten Fremdkörper, aber nach einigen Minuten sind sie akzeptiert. Ganz so unauffällig wie ihre weichen Artgenossen sitzen die OK-Linsen allerdings auch nach mehreren Tagen Eingewöhnungszeit nicht. Die Sehschärfe mit den Linsen ist fast so gut wie mit Brille.

Der Aha-Effekt ist für den nächsten Morgen versprochen. Ich habe eine Nacht lang mit den „Dreamlenses“ geschlafen. Vor dem Wunder ist allerdings noch eine Hürde zu überwinden, nämlich das Herausnehmen. Auch 15 Jahre Erfahrung mit weichen Linsen helfen mir dabei nicht weiter, der Umgang muss vollkommen neu geübt werden. Zumal die OK-Linsen im Durchmesser ungefähr einen Millimeter größer sind als normale Linsen.

Ich probiere es mit allen Techniken, die mir der Optiker gezeigt hat. Nach einer halben Stunde klappt’s endlich mit dem kleinen Sauger. Meine Augen sind blutrot, ich bin schweißgebadet – und doch ist es ein glücklicher Augenblick. Ich erkenne den Eichelhäher, der auf dem Schornstein des Nachbarhauses sitzt, jetzt genauso klar wie die Schlagzeile der vor mir auf dem Tisch liegenden Tageszeitung – und beides ganz ohne Sehhilfe. Der Effekt ist schon am ersten Tag frappierend deutlich und verfeinert sich mit zunehmender Tragezeit.

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