Filmtipp "Der Diktator": Despot scherzt über Demokratie

In seiner Satire macht sich Komiker Sacha Baron Cohen über Diktatoren und unser Verständnis von Demokratie lustig: eine wenig politische, aber unterhaltsame Gaglawine

"Die genialste Komödienmeisterleistung des Jahrtausends", schreibt Sacha Baron Cohens eigenes Propaganda-Büro zu seinem neuen Film ganz unverblümt. Passend dazu gab’s zur Filmvorführung einen braunen Umschlag mit einem Batzen (Spiel-)Geldscheinen – sozusagen als Überzeugungshilfe. In Sachen Marketing können PR-Profi Cohen nur wenige das Wasser reichen. Bereits Monate vor dem Start seiner neuen Komödie Der Diktator sorgte Comedy-Star Cohen mit Videobotschaften und Fernsehauftritten in seiner Rolle als selbstverliebter Despot der fiktiven Republik von Wadiya für Aufmerksamkeit. Das hatte Cohen schon bei seinen vorherigen Filmen erfolgreich geschafft. Der Diktator ist allerdings die Abkehr von seiner gefährlichsten Waffe: der Realsatire. Denn anders als in Borat oder Brüno ist Cohens Film über einen fiktiven arabischen Despoten (Ähnlichkeiten mit lebenden Diktatoren sind  rein zufällig) komplett inszeniert. Hinzu kommt, dass die Trailer zum Film bereits viele gute Gags vorwegnehmen. Kann man sich deshalb den Film schenken? Nicht unbedingt. Denn Der Diktator enthält eine Menge witziger, gewohnt provokant-böser Ideen, die Ihnen garantiert Spaß machen werden.

General Aladeen (Sacha Baron Cohen) vernascht sexy Hollywood-Stars wie Megan Fox
Vorzüge eines Diktators: General Aladeen (Sacha Baron Cohen) vernascht sexy Hollywood-Stars wie Megan Fox für eine Handvoll Diamanten

Darum geht’s: Der nordafrikanische Diktator Admiral General Aladeen (Cohen) unterdrückt sein Volk mit Hingabe, lässt Störenfriede oder Widersprüchler spontan hinrichten, bastelt an einer Atombombe, führt seine eigenen olympischen Spiele durch (bei denen er immer gewinnt) oder vernascht sexy Hollywood-Stars wie Megan Fox für eine Handvoll Diamanten. Bei einer Reise nach New York zur UN-Vollversammlung ersetzt ihn sein engster Berater (Ben Kingsley) durch ein Double, um den despotischen Herrscher endlich loszuwerden. Aladeen muss sich fortan ohne Bart und Geld durch New York schlagen. Sein Ziel: verhindern, dass seine geliebte Diktatur in eine Demokratie verwandelt wird. Die Besitzerin eines veganen Öko-Ladens bietet ihm Hilfe und Asyl an…

Diktator Aladeen (Sacha Baron Cohen) führt seine eigenen olympischen Spiele durch
Diktator Aladeen (Sacha Baron Cohen) führt seine eigenen olympischen Spiele durch, bei denen er immer gewinnt

Nicht nur derber Klamauk
Die größte Schwäche von Der Diktator ist Cohens Verzicht auf seine berüchtigte Guerilla-Taktik. Statt seine bösen Scherze an realen Personen zu testen, treffen Cohens Pointen diesmal nur auf Schauspieler. Und sind dadurch weniger entlarvend und gesellschaftskritisch als in Borat oder Brüno. Dafür hat sein Film erstmals eine nachvollziehbare Handlung. Zum Glück zielt die eine oder andere Pointe statt unter die Gürtellinie auch auf die „Vorzeige-Demokratie“ in den USA. Aladeen lobt die Möglichkeiten seiner Diktatur: Man könne 1 Prozent der Bevölkerung den gesamten Reichtum zuschanzen, ungeliebte Ausländer ohne Prozess einsperren und die vorgeblich freie Presse von reichen Freunden steuern lassen. Wem das bekannt vorkommt, wird in Der Diktator nicht nur derben Klamauk sehen.  

Fazit: Die genialste Komödienmeisterleistung des Jahrtausends… Quatsch. Natürlich nicht. Aber immerhin eine garantiert unterhaltsame Gaglawine, auch wenn die bösen politischen Anspielungen neben dem derben Klamauk etwas untergehen.

Der Diktator (USA 2012)
Regie: Larry Charles
Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Alec Berg, David Mandel, Jeff Schaffer
Darsteller: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Ben Kingsley
Länge: 83  Minuten
Start: 17. Mai 2012

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