Anziehregeln: Die 15 größten Mode-Irrtümer

Es gibt viele Modesünden, die die meisten nicht kennen
Sind Mützen nur was für kleine Jungs?

Sind weiße Socken wirklich verboten? Wir stellen klar, was modisch geht und wo der Spaß aufhört

Irrtum 1
Mützen sind nur was für kleine Jungs
Denn eine Mütze hält Kopf und Ohren warm, bewahrt uns also vor Stirnhöhlenvereiterungen und Mittelohrentzündungen. Wissen wir, seit wir Kinder sind. Hat Mutti immer drauf geachtet. Achtet Mutti noch heute drauf, wenn wir zu Hause zu Besuch sind, und da macht es keinen Unterschied, ob wir schon Mitte dreißig sind und im Job und im Leben wissen, wo es langgeht. Wenn wir zu Hause sind und es draußen frisch ist, wird Mami mit einer Wollmütze im Flur stehen und inständig darum bitten, sie aufzusetzen, der Ostwind sei so böse und Stirn und Ohren so empfindlich.

Insofern ist die Mütze psychologisch problembesetzt, modisch aber Gott sei Dank nicht. Die Woll- und sogar auch die Pudelmütze sind in diesem Winter völlig genehme bis großartige Accessoires, es sei denn, sie werden zum Norweger-Pulli plus Skihose und dicken Stiefeln getragen: Das sieht dann wirklich aus wie von Mami in den Schneematsch geschickt. Aber zum Anzug oder zum Mantel, am besten noch mit einem eher markanten Gesicht und eben nicht ganz über die Ohren gezogen: tadellos. Für die Kopfform gilt: Eher runde Birnen sollten fein gearbeitete, badekappenartige Produkte meiden und grobmaschige, spitze Mützen bevorzugen. Und umgekehrt. Das sieht gut aus und hält Ohren und Stirnhöhlen warm. Was wiederum Mami freuen wird.

Irrtum 2
Weiße Socken sind bei Strafe verboten
Rückblende: In den 80er-Jahren erfreute sich die weiße Socke besonders in Kombination mit beigen Slippern und weißem Golf-GTI in bestimmten Kreisen (Sascha Hehn) vorübergehender Beliebtheit. Außerhalb dieser Kreise wurde und wird die weiße Socke vor allem wegen ihrer angenehmen Passform, guter Hautverträglichkeit und ihres erschwinglichen Preises geschätzt. Dabei galt unseres Erachtens schon zu Sascha Hehns Zeiten: Anziehen bitte gar nicht, außer zum Sport. Die gute Nachricht: Im Zuge des anhaltenden Converse-Hypes können wir mitteilen, dass die weiße Sportsocke in diesen und allen anderen Sneakers in Kombination mit Jeans völlig okay, angesagt und tadellos modisch ist. Und gut aussieht. Was bei Socken ja kein Selbstgänger ist (siehe Irrtum 6: kurze Hosen).

Leder sieht nur oberhalb der Gürtellinie gut aus

Leder sieht nur oberhalb der Gürtellinie gut aus

Irrtum 3
Leder ist total männlich und sexy
Ja, und fühlt sich schon ziemlich gut an, so auf nackter Haut, und kann auch sehr gut bis cool aussehen. Allerdings nur oberhalb der Gürtellinie. Alles darunter gehört aufs Motorrad, das ist lupenreines Biker-Outfit. Wer heute in Lederhose auftritt, signalisiert nichts anderes, als dass er seine BMW, seine Kawa oder seine Moto Guzzi um die Ecke geparkt hat und diese nach Beendigung seines Drinks oder Gesprächs auch umgehend wieder zu besteigen gedenkt, um die Sonne zu putzen. Was ja völlig okay ist.
Wer auf Leder steht, aber nicht die Sonne putzen will, sollte sich oberhalb der Gürtellinie orientieren, und da gibt es in diesem Winter coole Jacken, schicke Blousons und edle Mäntel. Auch hier gilt die dringende Styling-Empfehlung, den Look zu brechen. Ein langer Ledermantel sollte aber nicht unbedingt mit einem strengen, schwarzen Stehkragen-Hemd und Metallic-Aktenkoffer kombiniert werden, Sie könnten sonst leicht wie der Mitarbeiter eines Inkasso-Unternehmens rüberkommen. Hartes Leder geht gut zusammen mit einem lieben Strickpulli oder einer Wollmütze (siehe Irrtum 1: Mützen). Softeres Leder wie Lammfell eher mit strengen, gerade geschnittenen Teilen. Wer es klassisch wie Robert De Niro mit Jacke, T-Shirt und dunklen Jeans mag, kann auch eine farbige Textiltasche über die Schulter werfen, Hauptsache, es ist kein Rucksack (siehe Irrtum 5: Rucksäcke).

Irrtum 4
Hemd aus der Hose sieht lässig aus
In diesem Fall kommt es tatsächlich mal auf die Länge an. Im Bund kurz geschnittene Hemden, die gerade mal so eben auf der Hüfte liegen, können ja im Grunde kaum in der Hose ruhen. Sie müssen bei der ersten morgendlichen Reck- und Streckbewegung raus und liegen angenehm lässig, weil natürlich knapp oberhalb des Hosenbundes. Das ist völlig okay und kann tatsächlich ganz, na, sagen wir mal casual aussehen.
Anders sieht es bei normal bis lang geschnittenen Hemden aus: Da kann bereits ein Zipfel Hemd über dem Bund wie leicht bis mittelschwer angetrunken am Ende eines Betriebsfestes aussehen. Beide Hemdzipfel über dem Reißverschluss signalisieren auf jeden Fall: Mir ist alles egal, auch wie ich aussehe. Passendes Accessoire: eine schräg gehaltene Dose, aus der in feinem Strahl Bier austritt. Es mag Lebenslagen geben, in denen dies die adäquate modische Ausdrucksform zur psychischen Verfassung ist, aber: Lässig ist es nicht. Eher nachlässig.

Irrtum 5
Der Rucksack ist city-tauglich
Nein. Er wird im alpinen Bereich völlig zu Recht als nützliches Transportmittel zur Beförderung von Wasserflaschen, durchgeschwitzten T-Shirts und zünftigen Brotzeiten geschätzt. Zunehmend ist der Rucksack allerdings auch in Innenstadtbereichen, in ärgerlichen Fällen sogar im gehobenen Einzelhandel anzutreffen. Rucksack-Träger wissen nicht, dass sie einen Rucksack tragen, drehen sich dauernd und – zack! – haben sie eine halbe Vitrine mit Porzellan abgeräumt. Drehen sich noch mal – ups! – rammen uns ihren Sack ins Gesicht. Sagen nicht mal Entschuldigung.

Ein Rucksack ist niemals ein modisches Accessoire, er gehört einfach in die Berge. Touristen, die Durst haben – jeder Kiosk hält preiswerte und gut gekühlte Erfrischungen vorrätig. Und beim Shopping gibt’s an der Kasse kostenlos todschicke Einkaufstaschen.

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