Ernährungsforschung: Die Diät-Revolution

Fett macht nicht zwingend fett
Mehr Fett führt nicht zwangsläufig zu mehr Gewicht

Die sieben neuen Abnehmregeln und aktuelle Ergebnisse aus der Ernährungsforschung

Sie müssen jetzt tapfer sein: Ihre mühsam gepaukten Ernährungskenntnisse sind nichts mehr wert. Ja, wir wissen genau, was Sie jetzt durchmachen, denn uns ging es ganz genauso. Selbst die meisten Experten wollen nicht akzeptieren, was immer mehr große und seriöse Untersuchungen belegen: Die Geschichte der gesunden Ernährung muss neu geschrieben werden. Hier sind die wichtigsten Infos über Kohlenhydrate, Fett, Proteine und Eiweiß:

Viel Kohlenhydrate: ungesund
Freiheit für die Gummibärchen! Kohlenhydrate waren die absoluten Stars. Man sollte Unmengen davon essen können ohne dick zu werden. Hauptsache, man passte beim Fett auf. In Wirklichkeit kann eine stark kohlenhydratbetonte Ernährung für Schreibtischtäter Gift sein und zu Diabetes, Herzinfarkt und Wampe führen. "Es gibt keinen Beweis dafür, dass Kohlenhydrate gesundheitsfördernde Wirkungen haben", sagt Walter Willet, Professor für Ernährung an der Harvard University. "Die Ergebnisse von Stoffwechselstudien und epidemiologischen Untersuchungen weisen vielmehr darauf hin, dass die erhöhte Zufuhr der Gesundheit schaden kann."

Fett macht schlank
Gut zu merken und vermeintlich leicht umzusetzen ist die Formel "Fett macht fett". Leider ist die Realität mal wieder erheblich komplizierter. Forschungsergebnisse beweisen: Mehr Fett führt nicht zu mehr Gewicht, ganz im Gegenteil. Das zeigt zum Beispiel eine Harvard-Studie mit 101 Übergewichtigen, die auf Diät gesetzt wurden – teils mit 20-, teils mit 35-prozentigem Fettanteil in der Nahrung (Protein: 17 Prozent, der Rest in Kohlenhydraten). Die Kalorienzahl war in beiden Gruppen gleich. Ergebnis: Der Gewichtsverlust war in der "fetteren" Gruppe signifikant höher. Zudem hielten mehr Testpersonen die Diät durch (lediglich 46 Prozent stiegen hier vorzeitig aus, in der fettarmen Gruppe waren es dagegen 80 Prozent). Offenbar sind 20 Prozent Fett auf Dauer nur schwer zu ertragen. Die "mageren" Probanden aßen übrigens weniger Gemüse – ohne Fett schmeckt anscheinend auch das beste Grünzeug nicht.

Protein hält lange satt
"Nicht zu viel, das belastet die Nieren", hieß es jahrzehntelang. Das stimmt, wenn diese bereits geschädigt sind. Für alle anderen gilt: Zwar ist die Menge des Abfallprodukts Harnstoff, der über die Nieren ausgeschieden wird, umso größer, je mehr Protein gegessen wird. Wenn man jedoch genug trinkt, ist das kein Problem, fanden Forscher der Uni Kopenhagen heraus.

Die Nieren wuchsen unter proteinreicher Kost und passten sich auf diese Weise den gestiegenen Anforderungen an. Gut, denn mehr Proteine auf dem Teller machen gesund und schlank. In derselben Studie zeigte sich, dass die Testpersonen bei proteinreicher Diät (25 Prozent bei 30 Prozent Fett) in sechs Monaten fast doppelt so viele Kilos verloren wie bei halb so hohem Protein-Anteil (dafür mehr Kohlenhydrate).

Eiweiß für das Herz
Nun zur Gesundheit: Professor Bernhard Wolfe von der University of Western Ontario kam bei mehreren Studien zu demselben Ergebnis:
Alle "bösen" Blutfettwerte sinken bei einer Kost mit mehr Proteinen und weniger Kohlenhydraten, während das "gute" Cholesterin steigt. Auch die Nurses Health Study mit 80000 Probanden zeigte diesen Zusammenhang.

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