Stéphane Peterhansel: Die Legende von Dakar im Interview

Stéphane Peterhansel , Gewinner der Rallye Dakar 2016
Dakar-Sieger 2016 und Raid-Rallye-Gott Stéphane Peterhansel und sein Partner Jean-Paul Cottret

Rallye-Fahrer Stéphane Peterhansel ist die Legende unter den Rallye-Fahrern. 12 Male gewann er bereits den härteste Rallye Raid der Welt, die Rallye Dakar. Hier erzählt er uns, wie er sich vorbereitet und warum er sich vor dem Tod nicht mehr fürchtet

Stéphane Peterhansel ist der Mister Dakar. Er hat die Rallye Dakar sechsmal mit dem Motorrad, sechsmal mit dem Auto gewonnen. Also insgesamt zwölfmal. Boris Becker hat in Wimbledon dreimal die Faust gemacht, Michael Schumacher 7 Mal den WM-Titel geholt. Zugegeben, die Vergleiche hinken ein wenig, aber machen trotzdem die Dimension seiner Dominanz bei diesem Wettbewerb klar.

Die Rallye Dakar ist nicht irgendein Rennen auf Schotterpisten. Dakar ist ein so genanntes Rallye Raid, das heißt, die Teilnehmer müssen sich ihren Weg durchs offene Gelände suchen. Nicht selten bleiben Teilnehmer im wahrsten Sinne des Worts auf der Strecke. Das Rennen ist auch für die Zuschauer am Wegesrand nicht ungefährlich. Immer wieder kommen einheimische Schaulustige zu Tode. Ursprünglich hieß das Rennen Rallye Paris-Dakar und führte, wer hätte es gedacht, von Paris durch Nordafrika ins senegalesische Dakar. Die unsichere politische Situation in Afrika führte aber dazu, dass die Rallye 2009 nach Südamerika wanderte. Dort führte sie dieses Jahr von Argentinien 9.500 Kilometer nach Rosario in Bolivien. Stéphane Peterhansel fuhr dort als erster über die Ziellinie – wieder einmal.

Stéphane Peterhansel , Gewinner der Rallye Dakar 2016
Stéphane Peterhansel in seinem 340 PS starken Peugot 2008DKR

Interview mit Stéphane Peterhansel

Men’s Health: Hallo Herr Peterhansel, herzlichen Glückwunsch! Wie ist ihr Adrenalin-Pegel, sind Sie nach Ihrem Sieg immer noch aufgeregt?

Stéphane Peterhansel: Also während der Rallye war mein Adrenalin-Pegel wirklich hoch. Es war nicht leicht, am Ende jedes Tages wieder runterzukommen – ich musste dann ein bisschen rumlaufen wie ein Yogi. Aber jetzt ist alles wieder entspannt. Das Ziel ist erreicht, das Adrenalin ist weg. Ich bin äußerst relaxt und genieße den Sieg mit dem Team.

MH: Das Rennen ist jetzt 2 Wochen her, wie relaxen Sie?

SP: Nach dem Rennen war ich physisch nicht wirklich in einem guten Zustand. Mein Rücken war extrem verspannt, meine Muskeln waren völlig blockiert. Ich hatte Probleme mit meinem Bein und meinem Knie. Aber jetzt ist alles besser. Ich gebe Interviews, habe mit TV, Medien zu tun.

MH: Sie sind also weiter in Sachen Arbeit unterwegs.

SP: Ja, aber ich kehre bald nach Hause zurück, dort werde ich ein bisschen  Ski fahren.

MH: Gutes Thema, was machen Sie sonst für Sport, wenn Sie nicht Rennen fahren?

SP: Um in Schuss zu bleiben, versuche ich ein Menge Ausdauersport zu machen, Mountain-Biking, Road-Biking, Laufen, Hiking. Aber nur Outdoor – ich mag keinen Indoor-Sport.

MH: Also sind klassische Workouts in Fitness-Studios nicht ihr Ding?

SP: Nein, mein Job ist es ja nur, Rennautos zu testen und dafür in guter Verfassung zu sein – und am Ende Rennen zu gewinnen.

Stéphane Peterhansel , Gewinner der Rallye Dakar 2016
Abkühlung in der Wüste unter den Augen einer Kameradrohne. Nach einem 11. Platz 2015 beim ersten Start mit dem Werksteam von Peugeot fuhr Peterhansel dieses Jahr wieder auf die Erfolgsspur

MH: Es ist ja nicht nur sehr stressig, Rennen zu fahren, sondern auch sehr ermüdend. Sie bereiten sich also mit Outdoor-Sport vor?

SP: Ja, das ist nicht nur eine gute Vorbereitung für die Physis, sondern auch für die mentale Verfassung. Wenn man in den Bergen läuft, muss man sich sicher im felsigem Gelände bewegen können, einen Blick für die Dinge haben, die da kommen. Das ist also für mich nicht nur Ausdauersport, sondern auchTraining fürs Gehirn.

MH: Auf der anderen, der psychologischen Seite muss es ebenfalls sehr hart sein, sich Tag für Tag zu konzentrieren. Nutzen Sie dafür eine mentale Technik wie bspw. Yoga?

SP: Ja, es ist tatsächlich schwer sich 6 oder 7 Stunden am Tag und das 15 Tage lang zu konzentrieren. Ich verwende da keine spezifische Technik. Nur, wie ich schon sagte, ich fahre unter anderem mit dem Mountain-Bike durch die Berge, da muss ich ebenfalls sehr konzentriert sein.

MH: Sie waren Skateboarder. Ist Balance wichtig, um ein Rallye-Auto zu steuern?

SP: Ich habe als Skateborder begonnen, ja, danach war ich Rallye-Motorradfahrer. Für diesen Sport braucht man eine wirklich gute Balance

MH: Ist das im Auto dasselbe?

SP: Balance ist im Auto nicht wirklich wichtig. Wenn man auf dem Motorrad beispielsweise die Balance verliert, können Sie den Körper verlagern. Im Auto haben Sie eine nur die Möglichkeit, ein bisschen mit Händen oder Füßen zu arbeiten, aber nicht mit dem ganzen Körper.

MH: Ihr Job ist gefährlich. Haben Sie Angst vorm Tod?

SP: Heute nicht mehr. Aber als ich noch Motorrad fuhr, hatte ich Angst vor Unfällen. Jetzt, mit dem Auto, fühle ich mich sehr sicher. Klar, man kann auch mit einem Auto einen Unfall bauen, aber das Gefühl ist ein völlig anders. Beim Auto haben Sie die Karosserie, den Überroll-Bügel. Wenn Sie mit dem Motorrad einen Unfall haben, dann bezahlen Sie dafür sofort  („If you crash you pay cash“). Im Auto kann man Fehler machen, sich überschlagen – der Körper kann dabei trotzdem noch völlig unbeschadet bleiben.

MH: Zum Schluss: Haben Sie noch einen heißen Tipp für die 4wheel-Driver unter unseren Lesern?

SP: Ahh, in der Wüste zu fahren, ist wirklich gut. Aber zuallererst kommt die Sicherheit. Wenn man sich in die Wüste wagen will, ob in Südamerika oder in Afrika, ist es für mich das Wichtigste, sich erst einmal mit dem Auto sehr gut vorzubereiten. Und außerdem sollte man ein Menge Equipment dabei haben. Man weiß nie, was passieren kann.

Bilder Stéphane Peterhansel bei der Rallye Dakar 2016

Stéphane Peterhansel, Gewinner der Rallye Dakar 2016
Stéphane Peterhansel, Gewinner der Rallye Dakar 2016 9 Bilder
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