Berauschende Pflanzen: Die Naturdroge Cannabis

Cannabis gehört zu den verbreitetsten Drogen in Deutschland
Die Blüten der Cannabispflanze enthalten den berauschenden Wirkstoff

Der Konsum von Cannabis wird aufgrund des geringen Suchtpotenzials oft verharmlost. Dennoch ist Droge gefährlich

Die Droge

Von Indien in die ganze Welt: Der Ursprung der Cannabispflanze liegt in Südostasien. Dort wurde sie als Nutzpflanze angebaut, aus der Kleidung oder Seile hergestellt wurden. Die berauschende Wirkung der Blüten einiger Sorten erkannte man erst später. Zunächst wurde die Pflanze als Heilmittel eingesetzt, bevor sich der Konsum als Rauschmittel durchsetzte.

Wirkstoff der Droge ist das so genannte Tertahydrocannabinol (THC). Der THC-Anteil in den Pflanzen variiert stark von Sorte zu Sorte. So ist etwa im Nutzhanf, der auch als Futtermittel für Tiere verwendet wird, kein THC enthalten.

Cannabis dient als Oberbegriff für Marihuana und Haschisch. Marihuana bezeichnet die getrockneten Blüten der Cannabispflanze. Bei Haschisch handelt es sich um das Harz der Blüten, welches den eigentlich berauschenden Wirkstoff enthält, das zu Würfeln zusammengepresst wurde.

Konsumformen

Wer bei Cannabiskonsum an den klassischen Joint denkt, der die Hippies der 60-er Jahre unweigerlich begleitete, liegt nicht falsch. Aus Tabak und Marihuana drehen sich die Konsumenten hier eine Art Zigarette und rauchen diese, um in Rauschzustände zu gelangen. Andere Möglichkeit des Konsums: Kleine Haschischkrümel werden wiederum Tabak zugefügt und geraucht. Manche Kiffer backen diese Krümel auch in Kekse ein oder mischen sie in Joghurt. Hier ist die Dosierung allerdings schwer abzuschätzen, was den Konsum umso riskanter macht. Sehr selten verwendet wird Haschischöl, was wiederum Speisen untergemischt wird.

Wirkung von Cannabis

Wie wirkt Cannabis? Eine Faustregel für die Effekte der Droge gibt es nicht. Grundsätzlich lässt sich allerdings sagen, dass Marihuana und Co. bereits vorhandene Stimmungen beim Konsumenten verstärken. Mit anderen Worten: Wer down ist, wird noch depressiver. Wer gute Laune hat, könnte die ganze Welt umarmen. Häufig tritt ein Gefühl der Entspannung ein, was oft von einer gewissen Antriebsarmut begleitet wird. Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit nehmen ab. Der Konsument nimmt die Realität verzögert wahr, in machen Fällen kommt es sogar zu Halluzinationen. gerötete Augen, Übelkeit und eine erhöhte Herzfrequenz gehören zu den typischen körperlichen Reaktionen auf die Einnahme des Rauschmittels. Die Wirkung der Droge hält durchschnittlich bis zu fünf Stunden an.

Suchtfaktor

Bei 60 Prozent der Cannabisabhängigen tritt eine körperliche Abhängigkeit auf. Dies belegen neueste Studien, so Experte Thomasius. Hier kommt es zu ähnlichen Entzugserscheinungen wie beim Alkohol, beispielsweise Schweißausbrüche, Unruhe und Anspannung, allerdings milder ausgeprägt.

Noch häufiger stellt sich allerdings eine psychische Abhängigkeit ein. Beim so genannten Abstinenzsyndrom zeigt sich ein Gefühl der Leere und Unausgeglichenheit. Hier kann es auch zu körperlichen Reaktionen wie Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit kommen.

Cannabis ist ein natürliches Rauschmittel
Um einen Rausch zu erleben, wird Marihuana mit Tabak vermischt und geraucht

Kurzfristige Risiken und Langzeitfolgen

Die körperlichen Schäden, die durch Cannabiskonsum hervorgerufen werden, ähneln denen des Rauchens, da die Droge meist zusammen mit Tabak konsumiert wird. Allerdings enthält der Rauch von Cannabis noch weitere giftige Stoffe, die vor allem die Lungen angreifen. Viele dieser Stoffe sind bis heute nicht vollkommen erforscht. Neuseeländische Studien haben allerdings ergeben, dass der Rauch eines Joints noch weitaus schädlicher ist, als der einer gewöhnlichen Zigarette.

Dauerhaften Konsum kann eine starke Veränderung der Persönlichkeit des Konsumenten hervorrufen. Das logische Denkvermögen wird oft beeinträchtigt. Zusammenhänge werden vom Konsumenten nicht mehr erkannt oder falsch verarbeitet. Typisch ist ebenfalls eine hohe Antriebsarmut und ein allgemeines Desinteresse an den Belangen des eigenen sozialen Umfeldes. Es entsteht beim Konsumenten ein ständiges Gefühl der Überforderung. Aufgaben können nicht mehr erfüllt werden. Diese Reaktion ist allerdings selten und hängt auch stark von der grundsätzlichen psychischen Stabilität des Konsumenten ab.

Der Entzug

Wie bei Zigaretten gelingt es auch einigen Cannabissüchtigen immer wieder, ohne weitere Unterstützung das Ende der Sucht herbeizuführen. Trotzdem ist fachmännische Hilfe sinnvoll. Unser Experte Prof. Thomasius rät: "Jeder, der regelmäßig mehrmals in der Woche Cannabis konsumiert, ist gefährdet, abhängig zu werden oder ist es bereits. Aus dieser Situation ohne professionelle Hilfe zu entkommen, ist schwierig. Der Rat und die Unterstützung eines Experten sollten eingeholt werden." Die Krankenkassen übernehmen auch hier unter Umständen die Kosten der Entgiftung. Hier finden Sie weitere Informationen über Anlaufstellen in der Suchtberatung.

Zum Weiterlesen

Kay U. Petersen und Rainer Thomasius: Auswirkungen von Cannabiskonsum und -missbrauch

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