Aktuelle Aids-Forschung: Die neuen Methoden gegen HIV

Kampf gegen HIV
Der Virus verändert sich ständig. Deshalb ist es so schwierig Medikamente zu entwickeln.

Da sich der HI-Virus ständig verändert, ist seine Bekämpfung äußerst kompliziert. Transplantationstechnik und Genforschung machen Hoffnung

Neben der Therapie ist für viele Experten Vorbeugung wichtig. Studien im Rahmen des HIV-Aidsprogramms der Vereinten Nationen (UN) haben gezeigt, dass Beschneidung das Ansteckungsrisiko bei heterosexuellen Männern um bis zu 60 Prozent reduzieren kann – vermutlich weil so das Schleimhautareal, das mit dem Vaginalsekret in Berührung kommt, verkleinert wird. Und die freigelegte Haut wird dicker, was Zellen schützt, die darunter liegen. Schließlich nimmt auch die Zahl der Bakterien ab, die an Entzündungen beteiligt sind und Zellen so für das Virus empfänglicher machen.

Beschneidung wird vorwiegend in Afrika empfohlen, wo in manchen Regionen bis zu 25 Prozent der Bevölkerung HIV-positiv sind. „Hier zu Lande infizieren sich ein paar Hundert Hetero-Männer. Tausende müssten beschnitten werden, um statistisch eine einzige Infektion zu vermeiden“, sagt Schafberger. Aufwand und Nutzen stehen da in keinem Verhältnis.

Ein erster Schritt ist getan
In den USA wurde als vorbeugender HIV-Schutz kürzlich ein Mittel namens  Truvada zugelassen. „Doch hinsichtlich seiner Wirkung kommen verschiedene Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen“, berichtet derGesundheits-Experte. „Im besten Fall wird eine Erfolgsquote von 75 Prozent bescheinigt, im schlechtesten gar keine Wirkung.“ Zudem muss das Präparat, das 850 Euro pro Monat kostet, täglich genommen werden. In Europa wurde es bislang nur für die HIV-Therapie zugelassen, nicht aber zur Prävention. „Dafür ist das Mittel noch nicht ausreichend erforscht“, sagt Schafberger. Aber es ist ein erster Schritt, und weitere werden folgen. Derzeit wird an Monatsspritzen, Scheidenzäpfchen, Vaginalringen, Gels und Gleitcremes geforscht, die Infektionen vorbeugen sollen. Schön und gut, nur was passiert, wenn der Feind schon da ist?

Beim Kampf gegen den hinterhältigen Angreifer ist das Immunsystem des Menschen überfordert. „Es erkennt Eindringlinge normalerweise und macht sie unschädlich. Das klappt besonders effizient, wenn das Immunsystem den Angreifer schon einmal gesehen hat und genau weiß, wie er aussieht“, erklärt Biologin Hofmann-Sieber. Dummerweise ist HIV der Legastheniker unter den Viren. Denn es macht beim Abschreiben der eigenen Erbinformationen unheimlich viele Fehler. „Aus dem Grund sehen seine Nachkommen häufig ein wenig anders aus, und das Immunsystem braucht länger, um auch diese als HIV zu erkennen“, so die Forscherin weiter. Bis das der Fall ist, hat das Virus schon die nächste Zelle infiziert. Und diese Zellen produzieren dann Viren, die wieder etwas anders aussehen. So entsteht ein Wettlauf zwischen Angreifer und Immunsystem, den bis heute in der Regel der Angreifer gewinnt.

Der HI-Virus verändert sich ständig
Die ständige Veränderung des Virus ist einer der Hauptgründe dafür, dass es bislang nicht möglich war, eine schützende Impfung gegen HIV zu entwickeln. Bisher gibt es nur Medikamente, die im Körper die Viruslast reduzieren, doch der Bauplan für das Virus bleibt in der infizierten Zelle. Das ist auch der Grund dafür, dass HIV-Medikamente lebenslang eingenommen werden müssen. „In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich mehr als 20 Medikamente durchgesetzt, die meist im 3er-Pack kombiniert werden“, so Schafberger.

Dass immer mehr Menschen in Deutschland HIV-positiv sind, liegt auch an der gestiegenen Lebenserwartung durch die Therapien. Diese sorgen dafür, dass die Zahl der Todesfälle im Schnitt geringer ist als die der Neuinfektionen. Lange galt Heilung als unmöglich. Inzwischen gibt es Hoffnung. Ein Grund dafür: Timothy Ray Brown.

Der Fall Brown zeigt, dass Heilung möglich ist
Der US-Amerikaner ist der erste Mensch, der von Aids geheilt wurde. Brown war HIV-infiziert und erkrankte zusätzlich an Leukämie. Dann pflanzten ihm Ärzte an der Berliner Charité Knochenmark eines zu ihm passenden Spenders ein, der HIV-resistent war (ist bei 1 Prozent aller Europäer der Fall). Brown überwand die Leukämie – und das HI-Virus verschwand. Ein Einzelfall, der bislang nicht wiederholbar war, der aber etwas bewegt hat.

„Über lange Zeit war die Heilung der Krankheit wie ein Berg, von dem keiner wusste, ob er je bezwungen werden würde“, sagt Hofmann-Sieber. Der Fall Brown zeigt jedoch, dass es möglich ist. Er hat zwar einen Weg genommen, den andere so nicht gehen können. Aber wo ein Pfad ist, da muss es noch andere geben. Der Gipfel soll für alle zugänglich werden – am besten mit einer Seilbahn.

Neuer Ansatz: Genschere
Ein vielversprechender Weg scheint die Gen-Schere zu sein, an der Hofmann-Sieber in Hamburg mit ihren Kollegen der Arbeitsgruppe von Professor Joachim Hauber forscht. Es ist der einzige Forschungsansatz, der sich darauf konzentriert, den Bauplan des Virus aus der Zelle zu eliminieren. „Die Gen-Schere ist ein winziges Eiweißmolekül, das in der Lage ist, das HI-Virus in der Zelle aufzuspüren und herauszuschneiden“, sagt die Forscherin. „So haben wir zum ersten Mal überhaupt den Bauplan aus einer infizierten Zelle entfernt und die Infektion rückgängig gemacht.“

Bislang funktioniert das nur in Zellkulturen und noch nicht im Menschen – es steht also noch eine Menge Forschungs- und Entwicklungsarbeit bevor. Aber selbst wenn infizierte Menschen irgendwann geheilt werden können, bleibt die effektivste Waffe gegen HIV immer noch die Prävention. Also: Es spricht nichts dagegen,  dass Sie bei der schönsten Sache der Welt Ihren Kopf ausschalten – wenn Sie damit kurz zuvor die richtige Entscheidung getroffen haben.

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