Der große Running-Check: Die neusten Lauftrends im Test

Unser Lauftrend-Tester Florian Neuschwander (34), genannt Flow, ist einer der besten Läufer Deutschlands
Unser Lauftrend-Tester: Florian Neuschwander (34) - genannt Flow

Florian Neuschwander, einer der schnellsten deutschen Läufer, hat die neuesten Lauftrends getestet und verrät, welchen Sie hinterherrennen sollten – und welche Sie lieber meiden

Trend aus Amerika - Bier als Flüssigkeitsversorger beim Laufen
Trend aus Amerika - Bier als Flüssigkeitsversorger beim Laufen 

1. Lauftrend: Die Beer-Mile

In Hunderten von You-Tube-Videos zu sehen: US-Amerikaner auf Tartanbahnen rennen um die Wette, trinken Bier und übergeben sich mitunter. Klingt irre, ist aber ein geregelter Wettkampf: die Beer-Mile. Ablauf: Eine Meile (1609 Meter) so schnell wie möglich laufen, dabei 4 Bier (offiziell 12 Unzen/355 Milliliter) mit je 5 Prozent Alkohol kippen, am besten auf der 400-Meter-Bahn. Stellen Sie 3 der 4 Biere etwa 10 Meter vor die 1-Meilen-Marke und Sie sich mit dem 4. Bier genau an die Linie. Die Zeit läuft, sobald Sie trinken. Ist das 1. Bier leer, rennen Sie los. Nach Runde 1 geht es so weiter: Bier, Runde, Bier, Runde. Nach 4 Runden und 4 Bieren haben Sie’s dann geschafft. 

Flows Fazit:
„In Amerika ist es ein Mega-Trend und ein brutaler Sport — für mich ein Gag, den man durchaus mal machen kann. Ich habe es schon 2-mal versucht und bin nie weiter als 1200 Meter gekommen, dann kam es oben wieder raus. Nicht der Alkohol killt einen, sondern die Kohlensäure, sobald man zu schnell rennt. Ich trinke mein Bier lieber gemütlich auf der Couch.“ 

2. Lauftrend: Low Carb für Läufer

„Um DEN Fettstoffwechsel zu Verbessern, kann es bei manchen was bringen, auf Kohlenhydrate zu verzichten. Ich jedoch bin absolut der high-carb-Typ, stehe voll auf Nudeln und esse, worauf ich bock habe. Auch vor den Wettkämpfen mache ich nie eine Saltin-Diät oder ähnlichen Quatsch.“

Oben: Challenger Art von Hoka One One, um 120 € / Unten: Torin 2.0 von Altra, um 130 €
Oben: Challenger Art von Hoka One One, um 120 € / Unten: Torin 2.0 von Altra, um 130 €

3. Lauftrend: Dicke Sohle

Jo-Jo-Effekt bei Schuhen! Jahrelang waren stark gedämpfte Schuhe das Nonplusultra. Dann wurden die Sohlen flacher. Barfußschuhe waren in aller Munde — und an fast allen Füßen. Sinn: den natürlichen Laufstil so wenig wie nötig beeinflussen. Jetzt plötzlich gibt’s Schuhe mit richtig fetten Zwischensohlen,. Manche Sohlen sind mehr als 3 Zentimeter dick, sehen eher nach orthopädischer als nach flotter Lösung aus. Dabei scheinen sich diese beiden Trends nur auf den ersten Blick gegenseitig auszuschließen. Zwar ist die Dämpfung enorm, doch auf viel Technik, die den Laufstil beeinflusst, wird wie bei Barfußschuhen meist ganz verzichtet. So sind die dicken Dinger überraschend leicht – und schnell.

Flows Fazit
„Ich laufe lieber flache Schuhe, weil ich den Kontakt zum Boden will. Für lange Distanzen auf Asphalt kann aber eine fette Dämpfung sinnvoll sein. Im Gelände sind sie zu wacklig, da man höher im Schuh steht und schneller umknickt.“

Im Test: Zero Runner von Octane Fitness
Im Test: Zero Runner von Octane Fitness

4. Lauftrend: Gelenke schonen

Bei jedem einzelnen Laufschritt müssen Ihre Knochen das 2- bis 4-Fache des Körpergewichts ertragen. Profis wie Olympiasieger Mo Farah, die weit über 150 Kilometer pro Woche rennen, trainieren daher teilweise auf Null-G- oder Wasser-Laufbändern. Diese haben den großen Vorteil, dass man als Läufer nicht seinen ganzen Körper auffangen muss und somit die Gelenke schont.

Ähnlich und brandneu ist der von Flow getestete Zero Runner von Octane Fitness (um 3500 Euro, www.sport-tiedje.de).

Flows Fazit
„Es dauerte eine Weile, bis ich darauf laufen konnte, weil man sich sehr auf einen sauberen Stil konzentrieren muss – also Kniehub, Abdruck und Beinstreckung. Genau das ist es aber auch, was man damit gut trainiert.“

Runattack von Under Pressure
Kompressionsstrümpfe Runattack von Under Pressure, zirka 28 Euro

5. Lauftrend: Kompression am Körper

Kompressions­strümpfe sollen die Muskeln entspannen und die Durchblutung verbessern. Außerdem können sich die Arterien weiten – und mehr Blut durchlassen, also mehr Sauerstoff zum Muskel transportieren. So weit die Theorie.

Flows Fazit:
„Mich stört an Oberschenkeln und der Brust der Druck von Kompressions-Wäsche total. Socken trage ich dagegen sehr gerne. ich glaube zwar nicht, dass ich mit den teilen schneller bin, sie verzögern allerdings die Ermüdung. auch nach der einheit helfen sie zu regenerieren.“ 

6. Lauftrend: Wettkampf mit Strava

Werden Sie der Schnellste! Okay, Florians Bestzeit für eine Runde um die Alster (23:21 Minuten auf etwa 7,5 Kilometer) ist nur schwer zu knacken, doch irgendwo können Sie Erster sein, wenn Sie eine GPS-Uhr haben und auf www.strava.com registriert sind. Dort können Sie mit anderen in Wettstreit treten. Jeder Strava-Athlet kann Strecken hochladen, Teilabschnitte als Segmente bestimmen. Laufen Sie so ein Segment, etwa eine Gerade im Stadtpark, erkennt Strava dies, und Sie rutschen sofort in die Bestenliste. Wissen Sie, wo ein Segment ist, geben Sie da richtig Gas, um den Course-Record brechen.  

Flows Fazit
„Cool! Ich checke im Vorwege die Segmente auf meiner Runde, laufe locker hin, knalle volle Lotte los. Auf dem Bridge Sprint 1 am Main habe ich mich mal mit einem duelliert, bis sich zeigte: Es war ein Biker.“ 

Bewegungsanalysen können Ursachen für Probleme aufklären
Bewegungsanalysen achten auf den ganzen Körper können Ursachen für Probleme aufklären 

7. Lauftrend: Bewegungsanalysen

„Mehr mit dem Mittelfuß aufsetzen“, „Arme nicht so stark anwinkeln“ — Tipps, die Läufer Mitläufern gerne mit auf den Weg geben. Problem: Die Laufbewegung ist komplex. „Stellen Sie sich Läufer als Soundanlage vor“, sagt Björn Gustafsson vom Laufanalysen-Anbieter Currex (www.currex.de). „Wenn man an einem Regler dreht, wirkt sich das aufs gesamte System aus.“ Gute Bewegungsanalysen (um 160 Euro) achten also nicht nur auf Fuß- und Beinbewegung, sondern auf den ganzen Körper, und klären darüber auf, woher Probleme rühren und wo Verbesserungspotenzial besteht.

Flows Fazit
„Sinnvolle Sache. Man sieht vieles, was sonst nicht auffällt: Fußaufsatz, Dysbalancen etc. Das zeigt, welcher Schuh geeignet ist um wo Verbesserungs- potenzial liegt oder wo Schmerzen entstehen. Bei mir hat die Analyse einen schwachen Hüftabduktor ergeben, was bewirkt, dass ich mit meinem Becken nach links abkippe und zum Ausgleich den Oberkörper und den Kopf nach rechts nehme. Mit den richtigen Übungen kann man solche Probleme beheben.“

8. Lauftrend: Ultramarathon 

Als ob ein Marathon nicht genug wäre, wagen Jahr für Jahr mehr Athleten längere Distanzen. Ab 42,3 Kilometern heißt es offiziell Ultramarathon, der längste geht über 4989 Kilometer. 2015 liefen 9325 Deutsche Ultras, im Jahr 2000 waren es nur 3271. Bock? Übertreiben Sie’s anfangs nicht! Ein Marathon-Trainingsplan mit langen Läufen (bis halbe Wettkampfdistanz) bringt Sie auf die sichere Seite. Für einen 100er reicht es also, wenn Sie im Training 50 Kilometer entspannt laufen können.

Flows Fazit
„Straßenmarathons sind eigentlich immer das Gleiche, wenn man wie ich schon ein paar gelaufen ist. Das Schöne an Ultras ist, dass man sie entspannter angeht. So hat man Zeit, sich auch mal Landschaft anzugucken. Auch im Training ballere ich gern Stunde um Stunde über die Trails.“ 

Laufen mit Kopfhörern
Akustisch abgeschirmt mit Kopfhörern

9. Lauftrend: Kopfhörer

Flows Fazit
„Mit solchen Dingern auf dem Kopf zu laufen, finde ich ziemlich Blöd.
Klar, es sieht cool aus, aber man schwitzt darunter, sie Wackeln und sind so schalldicht, dass man manchmal gar nicht hört, wenn sich von hinten ein Auto nähert.“ 

10. Lauftrend: Tempotraining

Um besser zu werden, braucht Ihr Körper intensive Reize, also Tempo. Dafür empfehlen Trainer Hobbyläufern oft keine klassischen Intervalle, sondern Tabata-Einheiten. Die pushen Muskulatur und Herz-Kreislauf- System, verbessern die Sauerstoffaufnahme, sparen Zeit.
So geht’s: 15 Minuten warmlaufen / 20 Sekunden Vollgas, 10 Sekunden traben im Wechsel, dies 4 Minuten lang (8 Durchgänge) / 15 Minuten auslaufen.

Flows Fazit
„Tempotraining ist wichtig. Ich selbst mache aber kein Tabata und gehe nur sehr selten auf die Bahn. Als Ultraläufer mache ich lange Fahrtspiele, bei denen ich dann gleich noch ein paar Strava-Segmente einsammle.“

11. Lauftrend: Günstige Sportkleidung

Marken-Outfits mit Pulsuhr kosten oft über 1000 Euro. Discounter und Modemultis bieten aber auch Schnäppchen an. Ein Vergleich:

Links: Teure Variante One Gore-tex Active Run von Gore, um 300€, www.goreapparel.de
Rechts: Günstige Variante Running Jacket von H&M, um 30€, www.hm.com/de


Links: Teure Variante Dry 2.0 Shirt von Kossmann, um 60€, www.andrekossmann.com
Rechts: Günstige Variante Performance Tee von Jack&Jones, um 25€, www.jackjones.de


Links: Teure Variante Exo Twinskin von Salomon, um 160€, www.salomon.com
Rechts: Teure Variante Sportshorts von Tchibo, um 15€, www.Tchibo.de

Rechts: Teure Variante Metarun von Asics, um 250€, www.asics.com
Links: Günstige Variante Laufschuh von New Yorker, um 30€, www.newyorker.de

Flows Fazit
"Es muss nicht alles teuer sein. Bei Schuhen sollten Sie sich grundsätzlich beraten lassen. Wer voll einknickt, hat vom teuersten Neutralschuh nichts. Je günstiger, umso schlechter sind meist Funktion und Qualität. Für den Anfang reichen günstige Sachen. Wer täglich trainiert, die Kleidung täglich wäscht, hat von teuren Sachen letztlich mehr."

Ein Trend mit Hindernissen
Ein Trend mit Hindernissen

12. Lauftrend: Hindernis-Lauf 

Volkslauf? Volksfest? Das boomende Race-Format lässt die Grenzen verschwimmen. Wer nicht baden gehen will, braucht Ausdauer für die Distanz, Kraft und Mut für die Hindernisse.
Hier gewinnt nicht der beste Läufer, sondern der vielseitigste Athlet. Das Besondere: Nur wenige kämpfen um den Sieg, auf der Strecke regieren Kameradschaft und Hilfsbereitschaft. 

Flows Fazit
 „Ich bin viele solcher Rennen gelaufen und habe viele gewonnen. Für mich ist das echter Sport. Den meisten geht es um Spaß, Party, Scheiße bauen — das ist cool. Ich will erst ballern und dann Party machen. Wer das auch will, der sollte im ersten Starterblock beginnen, um nicht eingebremst zu werden.“ 

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