Nachtleben: Die schmutzigen Geheimnisse der Barkeeper

Die schmutzigen Geheimnisse der Barkeeper

Sie stehen ewig für Ihren Drink an und dann ist er auch noch viel zu schwach? 3 Barkeeper verraten, was wirklich hinterm Tresen passiert ...

Wir haben die Plätze getauscht und uns hinter die Tresen der Bars und Nachtclubs gewagt. Dort standen uns 3 Barkeeper Rede und Antwort: Wem sie wann wie viel Alkohol ausschenken, was sie am meisten nervt und was sie zum leidigen Thema Trinkgeld zu sagen haben.

1. Warum zum Teufel schwimmt so viel Eis in meinem Drink?!
Keine Frage, kalt mögen wir unsere Cocktails am liebsten. Manchmal aber scheint es, als wären die Barkeeper zu spendabel mit dem Eis. Wollen sie etwa bloß am Alkohol sparen? Eher nicht, erklärt Scott Young, Autor und Gründer der Website thebartendingmasters.com. Young hat bislang rund 900.000 Drinks in seiner Karriere serviert und ist sich sicher, dass der Eisgehalt im Glas rein gar nichts über die Menge des Alkohols aussagt. "Die meisten Bars haben festgelegte Alkoholmengen für jeden Drink. Ob der Barkeeper mit viel oder wenig Eis im Glas startet, macht also im Endeffekt gar keinen Unterschied." Ganz im Gegenteil. Mehr Eis ist sogar besser - für den Gast und für die Bar - denn je mehr davon im Glas steckt, desto langsamer wird der Drink wässrig und desto schneller trinkt der Gast. Und leere Gläser bedeuten im Normalfall: Nächste Runde, bitte!

2. Ist da überhaupt Alkohol drin?
Sie haben das Gefühl, dass ihr Drink plötzlich weniger stark ist als noch zu Beginn des Abends? Das muss nicht zwangsläufig Einbildung sein. Hayley*, Barkeeper aus der Nähe von Boston, verrät, dass er seinen Gästen schwächere Drinks serviert, wenn er es für nötig hält. "Lallen und nachlassende motorische Fähigkeiten sind für mich ein sicheres Zeichen dafür, dass ein Gast zu viel Alkohol im Blut hat", sagt April Wachtel, Barkeeper und Gründer von Swig + Swallow, einem Cocktail-Lieferservice. Selbstverständlich kommt es dabei immer auch auf den Gast an. "Man möchte natürlich niemandem einen Drink verweigern, der einfach einen schlechten Tag hatte oder etwas lauter ist", sagt Wachtel. Hier ist manchmal Diplomatie gefragt. Viele Barkeeper versuchen Ärger auch einfach zu umgehen, indem sie ihren Gästen starke Cocktails ausreden und ihnen stattdessen einen milden Drink vorschlagen.

3. Warum sieht der Typ mich nicht?
Sie gestikulieren wild mit den Armen oder wollen den Barkeeper mit lautem Rufen auf sich aufmerksam machen? Ganz schlechte Idee. Die Aufmerksamkeit eines Barkeepers erhält man tatsächlich am einfachsten, indem man Augenkontakt mit ihm sucht - und hält! So macht man den Barkeeper ohne Worte klar, dass man etwas bestellen möchte. Barkeeper haben immer ein Auge darauf, wer die Bar wann betritt und merken sich ziemlich gut, wen sie als nächstes bedienen sollten.


4. Die Runde geht auf mich, mein Freund!

In manchen Ländern ist es Barkeepern erlaubt, während der Arbeit mit Ihnen anzustoßen. Und selbst wenn sie ablehnen müssen, wissen es viele Barkeeper sehr zu schätzen, wenn ein Gast sie einladen möchte. "Sehr wenige Barkeeper werden sich während der Arbeit ein Bier einschenken", sagt Young, "Aber für einen Shot haben viele Zeit."


5. Das war doch bloß ein Kavaliersedelikt, oder?
Sind wir mal ehrlich: Jeder von uns hat sich in seiner Bar-Karriere mindestens einmal daneben benommen. Nicht weiter tragisch, so lange der Laden nicht gerade unsere Stammkneipe ist? Leider doch, denn viele Bars sprechen sich untereinander ab. "Wenn wir hinter der Bar stehen, arbeiten wir und sind nicht zum Spaß da", sagt Hayley. "Das heißt, wenn Du Dich daneben benimmst merken wir uns Dein Gesicht. Und in ganz harten Fällen erzählen wir unseren Kollegen in den anderen Bars von Dir!"

6. Kann ich auch mit Kreditkarte zahlen?
Laut Young werden Barkeeper sich nicht unbedingt beschweren, wenn jemand mit Karte bezahlt. Aber gerne gesehen ist es trotzdem nicht. Schließlich kostet es Zeit eine Karte durch die Maschine zu ziehen und eine Unterschrift zu verlangen. Das nervt besonders, wenn ein Gast nur einen Drink bezahlt. Noch schlimmer ist es, wenn die Bar voll ist. Laut Young sollte man in einer Bar nur auf eine Kreditkarte zurückgreifen, wenn man entweder eine größere Bestellung aufgegeben hat oder vorhat ein paar Runden auf die gleiche Karte abzurechnen.

7. Spiel mal Amor für mich!
Sie wollen der hübschen Lady da drüben in der Ecke einen Drink spendieren, wissen aber nicht, wie Sie es anstellen sollen? Young hat schon viele Flirt-Versuche scheitern sehen und verrät gerne seine Tipps: Fragen Sie den Barkeeper nach einem Weinglas und einem Strohhalm. Ihre Aufgabe an die Süße: Sie muss einen Weg finden, das Weinglas mit dem Strohhalm aufzuheben. "Mit einem einfachen Spiel wie diesem fordert man die Mädels heraus und lenkt sie davon ab, vorschnell eine Abfuhr zu erteilen", erklärt Young. Oder Sie schreiben der hübschen Dame ein Rätsel auf eine Serviette und lassen es den Barkeeper mit der Versprechung überreichen, dass Sie ihr für die Lösung einen Drink spendieren. Voraussetzung laut Young: "Der Drink muss auf jeden Fall spendiert werden - auch wenn sie das Rätsel nicht lösen kann!"


8. Stimmt so!

In den USA ist laut Young 20 Prozent Trinkgeld die Regel und wird für guten Service erwartet. In Deutschland gilt als Faustregel, dass es für gute Leistung auch ein gutes Trinkgeld geben sollte; in der Regel sind das 10 Prozent, laut Knigge. "Barkeeper sind oft auf das Trinkgeld angewiesen", erklärt Young. Und am Liebsten erhalten sie ihr Trinkgeld in bar und nicht erst am Ende ihrer Schicht. "Wenn Ihnen nach einer langen Nacht ist, dann geben Sie dem Barkeeper direkt am Anfang ein großzügiges Trinkgeld. So weiß er, dass Sie seine Arbeit zu schätzen wissen und er wird sich extra viel Mühe geben."




*Name von der Redaktion geändert

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