Imitate von Originalen unterscheiden: Die schönsten Design-Klassiker

Leuchte PH Zapfen (1958) von Poul Henningsen
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Design-Klassiker wie der Barcelona Chair werden immer häufiger billig kopiert und teuer verkauft. Wir erklären Ihnen am Beispiel der schönsten Stücke, wie Sie Imitate von Originalen unterscheiden

Lampe: Leuchte PH Zapfen (1958)

von Poul Henningsen

Diese Lichtkugel, zurzeit wieder schwer angesagt, ist ein Spätwerk des im Jahre 1894 geborenen dänischen Architekten und Designers. Sie ist ein kompliziertes Gebilde sich überlagernder Blätter, die über eine maximale Fläche Licht streuen.
Übrigens: Auf Englisch wird der PH Zapfen (die beiden Buchstaben sind des Designers Initialen) Artichoke genannt. Leuchtet ein.

Hersteller in Lizenz: Louis Poulsen,
www.louis-poulsen.dk, ab 4800 Euro

Konstruktion: Die Blätter sind zweifach an den Korpus geheftet, nichts ist geschraubt. Bei Imitationen findet man manchmal nur eine Aufhängung, und die auch noch mit Schraube.
Signatur: Nahe der Fassung gibt es einen Aufkleber des Herstellers, den man aber nur beim Wechsel der Birne zu Gesicht bekommt.
Farbe: Die Original-Blätter sind aus Kupfer oder Edelstahl, weiß lackiert. Bei Kopien sind die Unterseiten oft in anderen Farben lackiert.
Verarbeitung: Sehen Sie sich die Blätter (Schuppen) genau an: Schlechte Kopien weisen auf der Oberfläche kleine Hubbel und Knoten auf. Beim Original ist sie so glatt und glänzend, dass sich die ganze Umgebung darin spiegelt.

Lounge Chair 670 (1956) von Charles und Ray Eames
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Lounge Chair 670 (1956)

von Charles und Ray Eames

Diese beiden US-Amerikaner waren ein Traumpaar des Designs: Von Los Angeles aus entwarfen sie viele Möbel, wirkten als Fotografen, Filmemacher und Architekten. Der Lounge Chair 670 sollte eine moderne Version des traditionellen englischen Clubsessels werden, das Gefühl eines weichen Baseballhandschuhs vermitteln, in den man hineinsinken möchte. Probieren Sie es aus!

Hersteller in Lizenz: Vitra, www.vitra.com,
Re-Edition ab 5259 Euro (Stuhl und Fußbank), alte Originale zirka 5000 bis 7000 Euro

Leder: Es muss dick und griffig sein. Narben und kleine Fehler deuten auf mindere Qualität.
Signatur: Neue Modelle tragen unter der Sitz-fläche eine silberne Plakette mit dem Hersteller-Logo und der Unterschrift von Charles Eames.
Mechanik: Der Stuhl muss sich leicht kippen lassen. Wenn die Lager nicht richtig funktionieren, deutet dies auf eine schlechte Verarbeitung hin.
Konstruktion: Das Gussaluminium des Gestells sollte glatt sein. Fälschungen weisen oft Unebenheiten wie Tiefenporen oder Pickel auf.
Lack: Die lackierte Oberfläche des Gussalus sollte absolut glatt sein, ohne jede Lacknase.

Stuhl 3107 (1955) von Arne Jacobsen
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Stuhl 3107 (1955)

von Arne Jacobsen

Sperrholz kann man nach Belieben biegen, doch auf die schönen Formen muss man erst mal kommen. Kein Problem für den dänischen Architekten Jacobsen: Er erfand viele aufregend geschwungene Sitzmöbel, zum Beispiel die so genannte Ameise, den Schwan, das Ei und den ebenso robusten wie praktischen Stapelstuhl mit der unverwechselbaren Rückenlehne und dem recht unromantischen Namen 3107. Heute gibt es diesen Stuhl in zahlreichen Farben, aber im Original trug er die pure Holzmaserung.

Hersteller in Lizenz: Fritz Hansen,
www.fritzhansen.com, ab 340 Euro

Lehne: Das Original hat eine einzigartige Form, die schwer zu treffen ist. Nachbauten wirken im Vergleich dazu häufig plump und unproportioniert.
Holz: Es zeigen sich Risse im Holz? Dann war es wohl ein Plagiat. Der Originalsitz ist aus einem einzigen Stück, das selten splittert oder bricht.
Gravur: Unter dem Sitz laufen die Rohre der Metallbeine in einer Plastikbox zusammen. Auf dieser finden sich der Name des Herstellers, eine Serien­nummer und die Signatur Jacobsens.

4 / 12 | Regal B 22 A (1925/26) von Marcel Breuer

Regal B 22 A (1925/26)

von Marcel Breuer

Der gebürtige Ungar begann 1925 während seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus in Dessau mit Stahlrohr zu experimentieren und entwickelte viele Möbel, die in puncto Kombinierbarkeit und Nutzung sehr vielfältig sind. Der Grund dafür liegt in der schlichten und klaren Gestaltung. Ab Ende der 30er-Jahre wirkte Breuer vor allem als Architekt, lehrte in Harvard. Bis heute produziert die Firma Thonet seine minimalistischen Klassiker.

Hersteller in Lizenz: Thonet,
www.thonet.de, ab 666 Euro

Rahmen: Achten Sie auf die Kurven: Sie sollten aus einem Stück Stahlrohr gebogen sein, über die vollen 90 Grad. Fälscher machen es sich leicht und fügen jeweils 2 Rohre zusammen, die nur um 45 Grad gebogen sind. Da ist eine Naht sichtbar.
Rohre: Beim Thonet-Original ist das Stahlrohr kreisrund, Nachbauten flachen das Rohr oft ab.
Verchromung: Sie sollte makellos sein. Die Fälschungen weisen meist qualitative Mängel auf, es sind Einschlüsse und Unebenheiten zu finden.
Logo: Das Original trägt auf einem Regalbrett (hinten) einen Aufkleber mit dem Thonet-Logo.

5 / 12 | Beistelltisch E-1027 (1927) von Eileen Gray

Beistelltisch E-1027 (1927)

von Eileen Gray

Die irische Designerin entwarf den höhen-verstellbaren Tisch für ihr Sommerhaus bei Monte Carlo – ein Meisterstück der Moderne, das sie für sich und ihren Partner Jean Badovici baute. Der Name des Tischchens ist übrigens ein Zahlenspiel: E steht für Eileen, die Ziffern für Buchstaben im Alphabet: 10 für J wie Jean, 2 für B wie Badovici und 7 für G wie Gray.

Hersteller in Lizenz: Classicon,
www.classicon.com, ab 600 Euro

Glasplatte: Sie liegt auf 3 Stegen mit Noppen, die mit kleinen Schrauben unten an dem verchromten Stahlrohr angebracht sind.
Kette und Steg: Die Kette besteht aus kleinen Kugeln. Der rundliche, massive Steg ist in der Mitte leicht tailliert – bei Imitaten besteht er oft nur aus einer dünnen Schiene.
Gravur: Originale tragen hier die Serien­nummer des Herstellers und eine Signatur.
Chrom: Flecken und Farbabweichungen zeugen von einer mangelhaften Verchromung.

6 / 12 | Wanduhr mit Strichblatt von Max Bill

Wanduhr mit Strichblatt

von Max Bill

Der Schweizer Max Bill studierte 1927 am Bauhaus in Dessau. Zeitlos modern sind seine Nachkriegsentwürfe – etwa die bis heute begehrten Armbanduhren oder die Wanduhr mit Strichblatt von 1956 (ab 200 Euro, www.junghans.de).

7 / 12 | Barcelona Chair (1929) von Ludwig Mies van der Rohe

Sessel: Barcelona Chair (1929)

von Ludwig Mies van der Rohe

In Barcelona fand 1929 die Weltausstellung statt. Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe erhielt den Auftrag, den deutschen Pavillon mitsamt der Einrichtung zu entwerfen. Er fand die Stühle besonders wichtig: elegant, wertvoll und monumental sollten sie werden. Volltreffer!
Die einzigartig schlichte Form überzeugt noch heute. Der spätere Bauhaus-Direktor, der sich 1967 mit der Neuen Nationalgalerie in Berlin ein Denkmal setzte, verwendete für seinen Stuhl Bandstahl, ein Material, das die elegante Scherenform ermöglichte. Ab 1952 wurde das Gestell in einem Guss aus rostfreiem Stahl hergestellt.

Hersteller in Lizenz: Knoll International,
www.knoll-deutsch.com, ab 5000 Euro

Kissen: Sind beim Original nicht rechteckig, sondern dem Schwung der Rückenlehne angepasst, schließen mit dem Gestell bündig ab.
Leder: Vorsicht, wenn die Kissen Falten werfen! Im Original sind sie handgefertigt aus über 100 Teilen feinsten Rindsleders. Billige Plagiate sind oft aus einem Stück gemacht.
Verbindung Kissen–Gestell: Lassen Sie die Finger davon, wenn Sie Schnallen entdecken! Originalverbindungen zwischen Kissen
und Gestell sind starke Lederriemen in Kissenfarbe, die mit Druckknöpfen befestigt sind.
Gravur: An der Unterseite einer Gestellkufe findet man die Gravur „Knoll Studio“ und eine Signatur von Mies van der Rohe.

8 / 12 | Pfeffermühle Serie Cylinda von Arne Jacobsen

Design zum kleinen Preis: Pfeffermühle Serie Cylinda

von Arne Jacobsen

Der Däne Arne Jacobsen hat diese Pfeffermühle aus der Serie Cylinda von Stelton 1969 entworfen. Nicht gerade billig, aber für was Scharfes muss man schon seit Urzeiten tief in die Tasche greifen (etwa 100 Euro, Shops unter www.stelton.com).

9 / 12 | Aufbewahrungsmöbel von Anna Castelli ­Ferrieri

Design zum kleinen Preis: Aufbewahrungsmöbel

von Anna Castelli ­Ferrieri

Diese Componibili der Italienerin Anna Castelli ­Ferrieri sind kleine Aufbewahrungsmöbel, die sowohl als Beistelltisch wie auch als Nachttisch eine gute Figur machen. Die Teile lassen sich nahezu endlos in die Höhe stapeln, ohne dass man sie irgendwie befestigen müsste (zirka 60 Euro, www.kartell.com).

10 / 12 | Vase Savoy von Alvar Aalto

Design zum kleinen Preis: Vase Savoy

von Alvar Aalto

Das Markenzeichen des Finnen Alvar Aalto waren unregelmäßig geschlängelte Linien. Die schwungvolle Vase Savoy wird seit 1936 von der Firma Iittala in Handarbeit produziert. Im Original in Klarglas, doch Iittala bringt auch Saisonfarben heraus (ab 55 Euro, je nach Größe, www.iittala.com).

11 / 12 | Rührschüsseln von Sigvard Bernadotte

Design zum kleinen Preis: Rührschüsseln

von Sigvard Bernadotte

Sie ist die Urmutter aller Rührschüsseln, trägt den Namen Margrethe und istmütterliche 58 Jahre alt.
Material: beständiges Melamin. Ihre Kurven bleiben allerdings ewig jung. Erfun­den hat das gute Stück der schwe­dische Produktdesigner Sigvard Bernadotte im Jahre 1950 (ab 4 Euro, $(link:e:http://www.mepal-rosti.de|www.mepal-rosti.de|_blank).

12 / 12 | Die wichtigsten Händleradressen

Möbel-Klassiker: Die wichtigsten Händleradressen

Die besten Einkaufsmöglichkeiten für Design-Klassiker für ein schönes Ambiente zuhause

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