Fußball-Interview: Diegos Tipps für die Sommerpause

So hält sich Fußball-Star Diego in der Sommerpause fit
Diego entspannt sich mit ein paar Pappkameraden in der Wanne

Bremens ehemaliger Mittelfeldstar und jetziger Fenerbahçe Istanbul-Spieler Diego hat nun Pause. Der Profi verrät, wie man in der Sommerpause fit bleibt

Während seine Kollegen von Fenerbahçe Istanbul die EM spielen, schaut der Brasilianer Diego nur zu.

Diego, die Sommerpause ist in diesem Jahr fast drei Monate lang. Wie halten Sie sich in dieser Zeit fit, wie die Motivation hoch?

Zunächst einmal ist es natürlich absolut nötig, dass ich zur Ruhe komme, mich eine Zeit lang entspanne. Regeneration nach einer langen Saison ist sehr wichtig. Aber ein bis zweimal in der Woche gehe ich etwa eine Stunde laufen, und natürlich spiele ich mit meiner Familie oder meinen Freunden in Brasilien immer mal wieder zwischendurch Fußball.

Bekommen Sie denn für die fußballfreie Zeit einen Trainingsplan vom Verein, oder halten Sie sich nach eigenem Ermessen fit?
Wir bekommen einen Plan für 15 Tage vor dem eigentlichen Trainingsbeginn. Da müssen wir offiziell anfangen uns vorzubereiten...

Diego pokert gerne – während der Sommerpause aber nur mit Pappkameraden
Solange nur Gläser schief stehen klappt es auch beim Solitaire legen - Diego in der Vorbereitung zum Men's Health-Shooting

Und natürlich halten Sie sich daran...
Sicher, immer doch...Nein, im Ernst...ich nehme den Plan wirklich sehr ernst, und die Trainer checken ja auch zum Trainingsstart unseren Leistungs- und Fitnessstand. Schummeln geht also nicht. Aber klar, hin und wieder ist da mal ein Aussetzer dabei. Wenn keiner ständig dabei ist und Dich kontrolliert, fällt es schwerer, seinen Laufplan durchzuziehen als im Training mit anderen. Vor allem, wenn man weiß, dass man in 14 Tagen eh wieder Vollgas trainieren muss.

Wo liegen denn die Schwerpunkte in diesem "Vorab-Trainingsplan"?
Es ist reines Konditionstraining, nichts mit dem Ball, kein Techniktraining. Verstehen Sie jetzt, warum da mal das ein oder andere Mal eine Einheit ausfällt?

Auch in der Sommerpause trainiert Diego fleissig
Natürlich spielt Diego immer mal wieder zwischendurch Fußball

Sind Sie auch eigentlich ab und zu froh, mal den Ball ruhen zu lassen, nicht trainieren zu müssen?
Kurz tut das gut, ganz klar. Aber es dauert nicht lange, da vermisse ich den Fußball schon wieder. Vor allem fehlt mir das Spielen im Stadion, die Fans, die Spannung in den Spielen. Erholung ist schön und gut, aber ich freue mich immer, wenn ich Fußball spielen darf. Das war schon als kleiner Junge so, und irgendwie habe ich das Gefühl, diese Lust am Fußball nimmt noch immer weiter zu. Der Fußball war und ist das Wichtigste in meinem Leben. Über den Fußball definiere ich mich, er gibt mir einen großen Teil meines Selbstwertgefühls.

Das müssen Sie genauer erklären.
Es ist so: wenn ich ein Tor schieße und dann sehe, wie viele Fans ich damit glücklich mache, spüre ich, welch eine Verantwortung ich habe. Ich kann mit dem, was ich tue, Menschen zumindest für einen kurzen Moment froh machen. Dieses Gefühl liebe ich, und das vermisse ich auch in der Sommerpause sehr.

Fußball-Star Diego beim Men's Health-Shooting
Macht auch ohne Trikot eine gute Figur: Fußball-Star Diego beim Men's Health-Shooting

Diego-Interview Teil 2: 'Mentale Vorbereitung wird immer wichtiger'

Diego über die Fußball-Verrücktheit die Brasilianer. Außerdem spricht der Fußball-Star über Freizeitaktivitäten und mentale Fitness

In kaum einem Land herrscht eine derartige Fußball-Verrücktheit wie in Ihrer Heimat Brasilien. Fehlt Ihnen diese ab und zu in Deutschland/in Europa?
Nein, eigentlich nicht. Natürlich mag ich es, dass in Brasilien alle verrückt nach Fußball sind, so wie ich auch. Aber jedes Land geht halt anders mit dem Thema Fußball um, es ist immer eine Frage der Mentalität. Und man darf nicht vergessen, dass in Brasilien das Wetter mit ein Hauptgrund dafür ist, dass es dort so viele Fußballverrückte gibt...

Moment...das Wetter ist schuld daran, dass es in Brasilien so viele gute Fußballer gibt?
Klar, ist doch ganz logisch: Es ist fast immer warm, die Leute spielen am Strand, auf den Straßen, weil sie eh immer draußen sind. Hier in Deutschland dagegen regnet es oft, da verstehe ich, dass die Leute nicht so häufig kicken können und wollen. Aber trotzdem merke ich, dass auch hier in Deutschland die Menschen dem Fußball eine große Bedeutung geben. Die Stadien sind immer voll, die Leute sehr enthusiastisch, sie fiebern sehr mit ihrem Lieblingsverein mit. Den ganzen Tag, ob während der Arbeit und in der Freizeit: Fußball scheint auch in Deutschland immer ein Thema zu sein.

Diego in Aktion
Top-Kicker Diego in Aktion

A propos Freizeit: Womit beschäftigen Sie sich in der Sommerpause, was bereitet Ihnen neben dem Fußball Freude?
Das wichtigste ist es, meine Familie und Freunde wieder zu sehen, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die ich liebe. Außerdem bin ich viel am Strand mit meinen Freunden, genieße das Klima, die Sonne. Ein absoluter Höhepunkt in Brasilien sind aber auch immer die Churrasco-Grillabende, die ich nirgends so gut feiern kann wie in meiner Heimat. Obwohl, auch in Deutschland habe ich das schon häufiger gemacht. Ich habe einen recht großen Garten in Bremen, da lade ich meine Freunde ein, grille für sie...

...und futtern sich Pfunde an, die Sie dann im Training wieder loswerden müssen??
Na ja, das ein oder andere Steak ist natürlich Pflicht. Aber im Ernst: Körperliche Fitness und Krafttraining sind für mich sehr wichtig und nehmen in meinem täglichen Training einen großen Stellenwert ein. Schließlich muss ich immer bereit sein, auf dem Platz 100 Prozent zu geben. Und das geht nur mit 100 Prozent Fitness, anders ist es mir gar nicht möglich, meine Stärken, die Spritzigkeit, Antrittsschnelligkeit und schnelle Bewegungen, im entscheidenden Moment gezielt einzusetzen.

Neben körperlicher ist aber auch mentale Fitness unabdingbar, oder?
Absolut. Mentale Vorbereitung wird immer wichtiger. Ich versuche immer, alles um mich herum auszuschalten, um mich im Spiel ausschließlich auf den Fußball und meine Aufgaben als Spieler konzentrieren zu können. Einen eigenen Mentaltrainer habe ich zwar nicht, auch keinen speziellen Trainingsplan. Aber ich bin mir der Verantwortung bewusst, die ich als eine sehr im öffentlichen Fokus stehende Person habe. Daher versuche ich immer, meine Emotionen im Griff zu haben und als Vorbild auf dem Platz zu agieren.

Diego in Aktion
Diego bei einem seiner Werder-Spiele

Was ab und zu aber nicht so gut klappt: Sehen Sie Frankfurt-Spiel, Kopfstoß gegen Kyrgiakos...
Das durfte mir nicht passieren, ganz klar. Aber als Spielmacher bin ich häufiger als andere Spieler direkten Attacken, oft auch unfairer Natur, ausgesetzt. Mein Stil scheint viele Spieler zu provozieren, dann können sich die Gegner halt oft nur mit Fouls wehren. Und es gibt dann Spieler, die übers Ziel hinaus schießen. Ich reklamiere da auch nicht, will mich gar nicht beschweren oder jammern. Fußball ist ein harter Sport, da können auch mal Fouls passieren. Aber trotzdem muss ich die Nerven im Griff behalten, was mir gegen Frankfurt nicht gelungen ist. Daran arbeite ich, aber trotz allem glaube ich nicht, dass ich professionelle Hilfe dafür in Anspruch nehmen muss.

Diego beim Fotoshooting
Der Mittelfeld-Star sinniert über echten Copacabana-Teint

Diego-Interview Teil 3: 'Fußball ist mein Leben'

Was Diego über den europäischen Fußball denkt. Plus: Wie groß seine Angst ist, nicht mehr spielen zu können

Sie sagen, Sie sind als Spielmacher sehr vielen Fouls ausgesetzt. Haben Sie Angst vor dem einen Foul, dass Ihre Karriere beenden könnte?
Wenn ich auf den Platz gehe, habe ich keine Angst. Das würde mich nur hemmen, mir meine Unbekümmertheit, und damit eine meiner größten Stärken, rauben. Aber klar, jeder Spieler macht sich über so etwas Gedanken. Ich bete täglich mehrmals zu Gott, dass er mich unterstützt, dass er mich auf meinem Weg begleitet. Ich möchte mich einfach nicht mit dem Gedanken befassen, was ich tun würde, wenn ich auf einmal nicht mehr Fußball spielen könnte. Ich habe bisher in meinem Leben nichts anderes gemacht, als Fußball zu spielen, Fußball ist mein Leben. Wenn man mir das nehmen würde...keine Ahnung, was ich dann machen würde.

Woher nehmen Sie trotz dieser Sorge die Unbekümmertheit auf dem Platz?
Ich bin mir einfach sicher, dass Gott mich beschützt und dafür sorgt, dass ich ein gutes Leben habe. Und sollte mir einmal etwas Schlimmes passieren, dann wird Gott mich auch aus diesem Tal hinaus führen.

Diego bei einem seiner Spiele
So kennt man Diego – im Werder-Trikot auf dem Platz

Kommen wir zum Thema Europameisterschaft: Was beeindruckt Sie am europäischen Fußball, was können Sie davon lernen?
Vor allem die taktische Disziplin imponiert mir. Gerade im Vergleich zum brasilianischen Fußball, wo es im Training oft zugeht wie in einem Hühnerhaufen. Hier in Deutschland hören die Spieler auf ihren Trainer und versuchen immer umzusetzen, was er ihnen sagt. In Brasilien dagegen wollen die Spieler immer ein Wörtchen mitreden und versuchen, wenn ihnen etwas nicht passt, ihren Kopf durchzusetzen.

Also stimmt das gängige Urteil, dass etwa deutscher Fußball taktisch sehr gut, aber technisch viel schwächer als der brasilianische ist?
Ich finde, das sollte man so nicht pauschalisieren. Jedes Land hat seine fußballerischen Stärken, die es einzigartig machen. Die Brasilianer sind natürlich technisch stärker als etwa die Deutschen, was eben damit zusammenhängt, dass sie zuhause immer und überall in der Freizeit Fußball spielen. Da bei diesem Gekicke aber natürlich meist die taktische Disziplin in den Hintergrund gerät, ist es sehr wichtig, dass so viele Brasilianer in Europa spielen. Sonst wäre die brasilianische Mannschaft zwar technisch überlegen, aber im taktischen Bereich nicht auf der Höhe.

Zum Abschluss: Schauen Sie sich eigentlich die EM im Fernsehen an?
Klar, wenn ich zuhause bin, gucke ich mir ein paar Spiele an. Aber wenn ich am Strand liege, das Wetter genieße...dann kriegt mich da so leicht keiner weg.

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