Habe ich Mundgeruch? 7 Tipps gegen schlechten Atem

Die besten Tipps gegen Mundgeruch
Mundgeruch ist leider nur schwer zu ignorieren.

Mundgeruch ist unangenehm, häufig hartnäckig und betrifft fast jeden einmal im Leben. Unser Selbsttest sowie diese Lebensmittel und Tipps helfen gegen schlechten Atem

So darf ein Wochenende beginnen: Ihre Freundin wartet auf der Couch auf Sie. Doch als Sie zum Kuss anrücken, sagt sie plötzlich: "Putz dir die Zähne." Der Fluch des schlechten Atems. Halitosis, wie Mundgeruch medizinisch bezeichnet wird, stellt aber nicht nur die etablierte Liebe auf die Probe. Es ist auch Date-Killer Nummer 1. Die hübsche Lady im Club mag noch so verführerisch an Ihrem Ohr knabbern, hat sie schlechten Atem, überkommt Sie der Würgereiz. Mundgeruch ist leider nur schwer zu ignorieren.

Schlechter Atem ist ein heftiger Attraktivitäts-Downer und ein Tabuthema. Wie soll man es ansprechen, ohne dass es dem anderen peinlich ist? Millionen Menschen auf der ganzen Welt leiden unter Mundgeruch. Wir verraten, wie Sie Mundgeruch vermeiden und was im Notfall sofort hilft. Außerdem: Wie Sie per Selbsttest checken können, ob Sie aus dem Mund riechen oder nicht. 

In diesem Artikel

Wie entsteht Mundgeruch? 

Die Luft, die wir ausatmen besteht zu 78 % aus Stickstoff, zu 17 % aus Sauerstoff, zu 4 % aus Kohlendioxid. Der Rest von 1 % sind andere Gase, wie etwa Schwefelverbindungen. Diese können übel riechen. Die Gase entstehen dabei durch die Arbeit von etwa 600 verschiedenen Arten von Bakterien, die im Mund und Rachenraum leben. Sie bauen Eiweiß-Stoffe, Nahrungsreste oder abgestorbene Zellen ab. Dadurch entstehen zunächst Aminosäuren. Werden diese wiederum von den Bakterien zersetzt, bilden sich die übelriechenden Gase. Ergebnis: Mundgeruch.

Zungenbürsten beseitigen Bakterien auf dem Zungenrücken
Zungenschaber beseitigen Bakterien auf dem Zungenrücken

Was sind Ursachen für Mundgeruch? 

Es gibt sehr viele Faktoren, sagt Dr. Ayten Dogan, Zahnärztin aus Hamburg. In 70 bis 90 % der Fälle entsteht Halitosis in der Mundhöhle selbst.  

Die Auslöser für schlechten Atem:  

  • Mangelnde Mundhygiene

    Wer seine Zähne nach dem Essen nicht oder nur unzureichend putzt, bietet Krankheitskeimen und Fäulnisbakterien viel Raum, um sich zu vermehren.   

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  • Gingivitis und Parodontitis

    Wurde die Mundhygiene vernachlässigt, steigt auch das Risiko, dass sich das Zahnfleisch durch Bakterien (seltener Pilze und Viren) entzündet. Wird die Gingivitis nicht rechtzeitig behandelt, entzündet sich auch der Zahnhalteapparat (Parodontitis). Studienergebnisse haben nachgewiesen, dass diese beiden Entzündungen zusammen bei etwa 20 % der Betroffenen die Ursache für Mundgeruch sind.
  • Bakterieller Zungenbelag

    Bei fast 50 % aller Fälle liegt die Ursache auf dem Zungenrücken. Grund: Wegen der zerklüfteten Struktur der Zunge können sich dort sehr gut Bakterien einnisten. "Die meisten Menschen vergessen, dass die Zunge zur täglichen Mundhygiene dazu gehört," sagt Dr. Ayten Dogan. Die Reinigung befreit  nicht nur von den vielen Bakterien, die zu Mundgeruch führen. Sie schützt auch gegen Erkältungskrankheiten. Also, benutzen Sie eine Zungenbürste. 
  • Zahnimplantate

    An den künstlichen Rändern von Implantaten können sehr leicht Bakterien andocken oder sich Essensreste verhaken, die dann anfangen, streng zu riechen. 
  • Mundtrockenheit (Oligostomie)

    Ausgelöst durch Stress, Schnarchen, Alkoholkonsum oder durch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente (Antidepressiva, Betablocker, Appetitzügler, oder auch Antihistaminika, die bei Allergien verschrieben werden). Dadurch wird der wichtige Speichelfluss eingeschränkt. Die Speicheldrüsen übernehmen nämlich die Reinigungsfunktion in unserem Mund, indem sie am Tag bis zu 1,5 Liter Speichel produzieren. Bakterien, Pilze, Vire und Essensreste werden ganz einfach fortgespült. Ist der Speichelfluss gestört, erhöht sich die Chance auf Mundgeruch. 
  • Ernährungsveränderung

    Wer fastet oder eine Diät verfolgt, bei dem kann der Mund schneller austrocknen. Achten Sie darauf, dass Sie ausreichend Wasser über den Tag trinken, um Ihre Schleimhäute feucht zu halten. Nur dann kann der Speichelfluss die stinkenden Stoffe abtransportieren.  

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  • Karies

    In den Zahnlöchern nistet sich die Bakterienart Streptococcus mutans ein. Diese verstoffwechselt Nahrungsreste und es entstehen Schwefelgase. Hier hilft auch keine Mundspülung auf Dauer.

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Warum hat man morgens Mundgeruch?

"Viele haben morgens Mundgeruch, weil sie Mundatmer sind und mit offenem Mund schlafen", erklärt die Expertin. Abhilfe: Einfach ein Glas Wasser trinken. 

Gefährliche Ursachen von Mundgeruch

Aber: Mundgeruch kann auch gefährliche Ursachen haben. Dann tritt übler Geruch beim Ausatmen mit geschlossenem Mund auch über die Nase aus. In diesen Fällen sind vor allem folgende Bereiche im Körper betroffen: 

Magen

  • Bei der "gastroösophagealen Refluxerkrankung" (GERD) ist der automatische Magenmuskel-Verschluss gestört (oftmals ausgelöst durch einen ungesunden Lebensstil, wie viel fettiges Essen und Rauchen). Es fließt daher säurehaltiger Magensaft in die Speiseröhre zurück. Das saure Klima kann dann bis in den Rachen und in den Mund aufsteigen. Ergebnis: fieser Mundgeruch. Gehen Sie zum Arzt.

Rachenraum

  • Infizierte Mandeln sondern ein übel riechendes Sekret ab. Weitere Ursache: Mandelsteine. Diese hat jeder, doch bei manchen treten die kleinen weiß-gelben Kugeln aus Speiseresten, toten Zellen und Bakterien häufiger auf. Sie sind nicht gefährlich, stinken aber. Selbsthilfe: Einfach per Plastikspatel entfernen. Bei einigen Menschen lösen sie sich sogar schon bei einem kräftigen Niesen.

Speiseröhre

  • Speiseröhrendivertikel sind Ausbuchtungen der Speiseröhrenwand. Sie treten eher im hohen Alter und bei Männern auf. In den Ausbuchtungen bleiben zersetzte Speisereste hängen. Folge: chronischer Mundgeruch. Symptome: unter anderem Schluckbeschwerden und häufiges Verschlucken. 

Nase

  • Schlechter Atmen kann durch eine behinderte Nasenatmung ausgelöst werden. Etwa durch die sogenannte Rhinosinusitis, die gleichzeitige Entzündung der Nasenschleimhaut und der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen. Und wer nicht mehr frei durch die Nase atmen kann, weicht schnell auf die Mundatmung aus.  

In seltenen Fällen können die Ursachen für Mundgeruch auch diese schweren Erkrankungen sein: eitrige Abszesse in der Lunge, Nierenschwäche (Atemluft riecht nach Urin), oder auch Diabetes mellitus (süßliche Atemluft).  

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Wie stelle ich fest, ob ich Mundgeruch habe?

Die meisten Menschen wissen gar nicht, ob Sie schlechten Atem haben. Nicht nur, weil es ihnen vielleicht niemand sagen möchte. Sondern auch, weil der weitverbreitete Selbsttest, das Anhauchen in die hohle Hand, oftmals gar nichts preisgibt: Das Hirn ist nämlich bereits an unseren Eigen-Gestank gewöhnt. Aber: Es gibt andere Tests, um zu prüfen, ob Sie im Moment unter Mundgeruch leiden.

4 Wege, um Mundgeruch festzustellen:

  1. Leere Plastiktüte: Statt der hohlen Hand nehmen Sie eine kleine Plastiktüte und atmen hinein. Es reicht, die Plastiktüte lediglich über die Lippen zu legen und danach an die Nase zu halten. 

  2. "Schleck-Test": Lecken Sie Ihren Arm oder Handrücken an und riechen sie dann an der Stelle. 

  3. Stäbchen-Riechtest: Per Wattestäbchen nehmen Sie einen Abstrich von Ihrem Zungenrücken. 30 Sekunden warten, danach dran riechen.  

  4. Halimeter-Test: Das Halimeter-Gerät misst, wie stark Ihre Atemluft mit Schwefelverbindungen versetzt ist. Gibt’s beim Zahnarzt. Kosten: bis zu 100 Euro.

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7 Tipps, die gegen Mundgeruch helfen

So bekommen Sie Mundgeruch erfolgreich weg: 

  1. Vorbeugen durch Mund-Hygiene: Nach dem Essen ist Zähneputzen Pflicht, sofern es die Situation erlaubt. Dazu die Zwischenräume mit Interdentalbürsten oder Zahnseide von Lebensmittelresten und Bakterien reinigen. Die professionelle Zahnreinigung (PZR) bietet den Vorteil, dass sich durch das Polieren der Zähne weniger Bakterien anheften und üblen Geruch im Mund verbreiten können. Denken Sie an den Zungenschaber.
  2. Achten Sie auf Ihren Lifestyle: Wer raucht, riecht aus dem Mund wie ein Aschenbecher. Trinken Sie dazu noch Kaffee, entsteht eine übelriechende Mischung, die ihre Mitmenschen auf Abstand hält. 
  3. Meiden Sie Lebensmittel, die besonders oft Mundgeruch verursachen: Kaffee, Alkohol, Knoblauch und Zwiebelgewächse (dazu gehört auch Bärlauch).   
  4. Kaugummi kauen killt Bakterien: Durch das Kauen zuckerfreien Kaugummis entsteht Speichel, in dem Sauerstoff enthalten ist. Dieser ist der natürliche Feind der Bakterien.   
  5. Mundspüllösungen: Mundspülungen helfen nur, wenn sie eine antibakterielle Wirkung haben. Dazu auf den Inhaltsstoff Chlorhexidindigluconat achten.   
  6. Chlorophylltabletten: Helfen, wenn überhaupt, nur kurzfristig. 
  7. Nutzen Sie diese Lebensmittel gegen Mundgeruch:
  • Grüner Tee hat antibakterielle Eigenschaften.
  • Ähnliches gilt für Zimt, der ätherische Öle enthält und Mundgeruch bekämpft. Pudern Sie ein wenig über Ihr Frühstücks-Müsli.
  • Das Kauen von Früchten und frischem Gemüse, wie Sellerie oder Äpfeln, beseitigt gleich zweifach Mundgeruch: Es fördert den Speichelfluss, und die feste Konsistenz schrubbt dazu festsitzende Bakterien einfach weg, so Dr. Harold Katz, Bakteriologe und Gründer der California Breath Clinic.
  • Essen sie Natur-Joghurt. Die darin enthaltenen Milchsäurebakterien verhindern die Ausbreitung von Fäulnisbakterien.
  • Petersilie, Dill und Fenchel enthalten das ätherische Öl Apiol, das Mundgeruch neutralisiert.  

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Gibt es eigentlich eingebildeten Mundgeruch?

Ja! An der sogenannten Pseudo-Halitosis leiden sogar durchschnittlich 16 % der Menschen, laut einer Untersuchung von insgesamt 2000 Patienten. Und es gibt noch eine weitere Form: die Halito-Phobie. Wer darunter leidet, bildet sich ein, Mundgeruch zu haben, auch wenn durch Tests längst das Gegenteil bewiesen wurde. Hier kann nur ein Psychiater helfen.  


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Fazit

  1. In den meisten Fällen entsteht Mundgeruch durch Vernachlässigung der Mund- und Zahnpflege. Gute Zahnpflege ist also entscheidend. Wichtig: Säubern Sie auch Ihre Zunge – aber sachte. Sie ist kein Schleifpapier, sondern ein Muskel mit delikaten Geschmacksknospen. 
  2. Gehen Sie regelmäßig zur Vorsorge zum Zahnarzt. 
  3. Halten Sie Ihre Schleimhäute feucht, trinken Sie viel.
  4. Wann muss ich zum Arzt? Wenn die obigen Punkte keine Abhilfe schaffen. Suchen Sie zunächst den Zahnarzt des Vertrauens auf. Der hilft Ihnen weiter, indem er Ihren Mundraum auf Entzündungen kontrolliert oder Sie weiter zu einem HNO-Arzt überweist. 
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