Trend-Family-Bike: Drahtesel mit Familienanschluss

Das Nihola Family ist ein Kabinenradler für Stadtfamilien
Designfahrrad im Test: Das Nihola Family ist ein Kabinenradler für Stadtfamilien

Unterwegs in der Stadt, mit Kindern aber ohne Auto – geht das? Jawohl. Und zwar mit dem Nihola Family, einem eigens dafür konzipierten Fahrrad

Testobjekt: Fahrrad Nihola Family
Hersteller: Nihola
Gewicht: 33 kg
www.nihola.de
Preis: ab 2300 Euro

Kann ich einer jungen Familie ernsthaft und ohne schlechtes Gewissen ein Fahrrad für gut 2300 Euro empfehlen – immerhin dem Preis für einen gebrauchten Golf IV? Ja, kann ich. Denn das Nihola-Family-Bike ist kein Super-Carbon-Bike, mit dem er über die Landstraßen jagt, während sie zu Hause hockt und die Kinder hütet. Es ist auch kein breitlenkriges Beach-Cruiser-Protzrad. Es ist eben ein Familienfahrrad. Das Nihola-Family-Bike ist eigentlich gar kein Fahrrad, denn es hat drei Räder und einen Kasten, in dem bis zu zwei Kinder plus Einkaufstaschen Platz finden. Der Trend ist unverkennbar: Immer mehr Familien gondeln im Kabinenradler durch die Städte. Wir wollten wissen: Taugt das Nihola Bike auch für Papa und Sohn?

Das Nihola Family im Alltagstest
Der Start ist denkbar einfach: Sohn in die Box, anschnallen - los. Sohn findet's super: Endlich sieht er beim Radfahren nicht mehr bloß Papas Rücken, sondern gleich das ganze Straßen-Panorama aus Blech und Asphalt. Im Fahrtest zeigt sich das Nihola-Family-Bike erstaunlich leichtfüßig, die Gänge lassen sich flüssig schalten (wenn man kapiert hat, dass man beim Schalten möglichst nicht treten sollte), und die Lenkung spricht an wie bei einem normalen Rad. Gut, der Wendekreis ist der eines Kleinlasters – aber im Gegensatz zum Kleinlaster können Sie das Nihola zur Not einfach umheben in die Stellung, in der Sie es benötigen. Tipp: Nehmen Sie die Kinder vorher raus. Ist gut für die Kinder – und für Ihren Rücken.

Überhaupt: Die Kinder. Sie lieben das Teil. Mein Sohn (2) saß darin wie der König von Siam in seiner Sänfte, leuchtende Augen, stolzes Lächeln, Passanten grüßte er huldvoll mit erhobener Hand. Es ist nicht nur der Komfort des eigenen Fonds zum Sitzen – es ist vor allem die freie Aussicht nach vorne, die meinen und alle anderen Kleinen begeistert hat. Wenn wir an anderen Müttern und Kindern vorbeifuhren, die sich gerade in handfestem Streit festgeschrien hatten, herrschte plötzlich Ruhe, die Lütten staunten nur und sagten: "Mama, kuck ma', das Fahrrad!"

Einkaufen mit dem Nihola Family
Shoppen mit dem Nihola-Family-Bike ist fast so bequem wie mit dem Auto – und Sie finden immer einen Parkplatz. Gut, es passen keine drei Kisten Bier hinein. Aber vor den Füßen der Passagiere ist Platz für drei große gefüllte Einkaufsbeutel. Und mehr können Sie in Kinderbegleitung eh nicht tragen! Parken ist natürlich nicht so einfach wie mit einem Klapprad. Aber es findet sich immer eine freie Ecke auf dem Bürgersteig. Der Vorteil: Das Rad muss nicht immer und unbedingt irgendwo angeschlossen werden, weil es kaum wer wegtragen kann. Die Investition in ein Schloss, das sonst für Motorräder genommen wird, kann sich bei 2400 Euro Bike-Wert allerdings lohnen.

Das Nihola Family kritisch betrachtet
Bei so viel Spaß traut man sich die kleinen Mängel gar nicht zu erwähnen – aber auch sie gehören hierher: Der Schnellspanner am Sattel saß beim Testrad nicht bombenfest, gleiches gilt für den Lenker. Aber beides war schnell behoben. Für längere Überlandfahrten ist das Rad nur bei gerader, flacher Strecke zu empfehlen. Aufstehen im Sattel, wenn es zu steil bergan geht, ist ein Balanceakt für Fortgeschrittene. Und wenn Sie vorhaben, mit dem Rad die meiste Zeit über Kopfsteinpflaster zu fahren, schmeißen Sie Ihren MP3-Player weg. Sie werden ihn nicht hören. Aber der hat im Straßenverkehr eh nichts zu suchen! Ein anderer Punkt ist die Federung der "Kabine": Holperstrecken rütteln die kleinen Passagiere ganz schön durch. Also besser auf Asphalt ausweichen!

Die Investition in einen Dreipunktgurt für jeden Passagier lohnt sich, vor allem weil kleinere Kinder gern von der Bank rutschen, was der serienmäßig mitgelieferte Hüftgurt nicht wirklich verhindern kann. Müssen Sie neben einem über Zweijährigen noch ein kleineres Kind transportieren, das noch nicht alleine sitzen kann, stecken Sie in der Klemme. Eine Babyschale ("Maxi-Cosi") passt nicht zusätzlich in die Box und wird vom Hersteller des Rads dafür auch ausdrücklich nicht empfohlen. Die von Nihola vorgeschlagene Lösung, mit einer Kinderwagen-Babywanne das kleinere Kind in die Box zu legen und das andere auf die Bank zu setzen, wird so angeblich von Tausenden Dänen praktiziert, wirkt auf uns aber nicht 100-prozentig vertrauenerweckend.

Fazit: Das Nihola Family ersetzt Stadtfamilien den Zweitwagen
Für eine Familie oder auch Alleinerziehende mit nur einem Kind – oder auch mit mehreren Kindern über zwei Jahren – ist das Nihola eine tolle Alternative zum Auto, vor allem in der Stadt. Keine Parkplatzsorgen, kein Schadstoffausstoß, freie Fahrt durch Einkaufszonen und Parks, keine Benzinkosten, kein Gefummel mit Kindersitzen oder Fahrradanhängern. Das Geschäft für Lastenfahrräder brummt, das Nihola ist mit Sicherheit eines der schönsten und komfortabelsten am Markt.

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