Warum Sie Ihre Hoden monatlich abtasten sollten

Warum Sie Ihre Hoden monatlich abtasten sollten
Wer regelmäßig seine Hoden abtastet, kann mögliche Veränderungen im Gewebe frühzeitig erkennen

Hodenkrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern zwischen 25 und 45 Jahren. Zur Früherkennung sollten Sie regelmäßig Hand anlegen. Eine Anleitung, wie Sie die Hoden richtig abtasten

Wie oft im Jahr nehmen Sie Ihre Hoden in die Hand? Diese Frage ist ernstgemeint. Denn vermutlich tun Sie es seltener, als es Ihrer Gesundheit guttut. Wer regelmäßig wenige Sekunden dafür aufwendet, seine Hoden abzutasten, kann mögliche Veränderungen im Gewebe frühzeitig erkennen. "Bösartige Hodentumoren gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen bei jungen Männern", erklärt Hans-Christian Schuppe, Professor für Andrologie am Universitätsklinikum Gießen. Jedes Jahr erkranken rund 4000 Männer in Deutschland an Hodenkrebs. Die Hälfte aller Fälle sind zwischen 20 und 34 Jahre alt.

Warum Sie die Hoden ab jetzt regelmäßig abtasten sollten

Für Frauen ist es selbstverständlich, dass sie in regelmäßigen Abständen ihre Brüste auf Veränderungen abtasten. Spätestens beim ersten Frauenarztbesuch werden sie auf den Selbst-Check zur Brustkrebsvorsorge aufmerksam gemacht. Bei Männern gibt es nach der Untersuchung durch den Kinderarzt keine regelmäßigen Kontrollen mehr, welche die Genitalien einbeziehen. Als es die Wehrpflicht noch gab, wurden oft erst bei der Musterungsuntersuchung Auffälligkeiten des Hodens entdeckt. "Das war eine Art 'Filterfunktion'. Die Untersuchung und Früherkennung auf Prostatakrebs ist gesetztlich geregelt. Jeder Mann soll sich ab 45 Jahren einer Kontrolle unterziehen. Anders bei Hodenkrebs: Es gibt hier kein etabliertes Früherkennungsprogramm", so Prof. Schuppe. Der Grund, wieso der Krebs oft erst spät entdeckt wird, liegt also meist daran, dass viele Männer nicht wissen, dass sie ihre Hoden abtasten sollten. Das ist aber wichtig, denn je früher Hodenkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die sind positiv: 95 Prozent aller Betroffenen wird wieder gesund.

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Wie tastet man die Hoden richtig ab?
Viele Männer wissen nicht, wann und wie sie die Hoden abtasten sollen

Wie oft sollte man die Hoden abtasten?

Wichtig ist, dass Sie es regelmäßig tun. Wenn Sie Ihre Hoden bisher eher stiefmütterlich behandelt haben, sollten Sie jetzt damit anfangen, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Damit Sie Unebenheiten leichter ertasten, müssen Sie wissen, wie sich die Hoden im normalen Zustand anfühlen. Einmal im Monat sollten Sie sich Zeit für die Selbstuntersuchung nehmen.

Was kann man am Hoden ertasten?

Um einen möglichen Tumor oder eine andere Anomalie frühzeitig zu erkennen, sollten Sie auf bestimmte Symptome achten. "Im gesunden Zustand ist die Oberfläche der Hoden, die sich im Hodensack gut beweglich durch die Haut tasten lassen, glatt und leicht eindrückbar ('prall-elastisch'); die seitlich anliegenden Nebenhoden kann man ebenfalls fühlen", erklärt Schuppe. Die folgenden Symptome können auf eine Krebserkrankung hinweisen:

  • Ein Knoten oder Knubbel im Hodengewebe. Im frühen Stadium misst ein Knötchen oft nur die Größe eines Reiskorns oder einer Erbse und ist nicht schmerzhaft
  • Änderungen der Gewebedichte oder -struktur. Der Hoden fühlt sich hart oder uneben an
  • Ein vergrößerter Hoden. Es ist normal, wenn einer der Hoden tiefer oder höher hängt oder größer als der andere ist. Hat sich einer der Hoden aber erst in letzter Zeit vergrößert, ist das ein Alarmzeichen
  • Ein Schweregefühl oder Ziehen im Hodenbereich

Wenn Sie eines der Symptome beim Hoden abtasten entdecken, muss das noch nicht bedeuten, dass Sie an Hodenkrebs erkrankt sind. In vielen Fällen steckt auch eine harmlose Ursache hinter den Warnzeichen. Es können zum Beispiel auch eine Infektion, eine Verletzung oder Nierensteine zu einer Umformung der Hoden führen. Bei Auffälligkeiten sollten Sie jedoch sicherheitshalber unbedingt einen Arzt hinzuziehen, der die Symptomatik durch eine genauere Untersuchung besser beurteilen kann.

Hoden abtasten: Selbstcheck unter der Dusche
Während oder nach einer warmen Dusche ertasten Sie Knötchen leichter

Wie Sie die Hoden richtig nach Knoten abtasten – eine Anleitung zum Selbstcheck

Am besten tasten Sie die Hoden nach der Dusche oder einem Bad ab. Durch die Wärme wird die Haut des Hodensacks (Skrotum) weicher, sodass ungewöhnliche Änderungen leichter spürbar sind. Gehen Sie beim Check folgendermaßen vor:

  1. Schritt beim Hoden abtasten: Betasten Sie den gesamten Hodensack zunächst in der geöffneten Handfläche von unten und bewegen Sie ihn leicht auf und ab. So bekommen Sie ein Gefühl für Gewicht und Größe der Hoden.
  2. Schritt beim Hoden abtasten: Anschließend tasten Sie jeden Hoden einzeln ab. Dafür rollen Sie die Hoden vorsichtig zwischen Daumen (an der Oberseite) und Zeige- und Mittelfinger (an der Unterseite) hin und her. Achten Sie auf Unebenheiten und Knoten. Jetzt können Sie auch die Nebenhoden spüren. Sie liegen an der Außenseite und oben auf den Hoden. Sie können leicht mit einem auffälligen Befund verwechselt werden.
  3. Schritt beim Hoden abtasten: Zuletzt können Sie vor einem Spiegel kontrollieren, ob eine Schwellung oder anderweitige äußerliche Veränderung an den Hoden erkennbar ist.

Je öfter Sie die Selbstuntersuchung durchführen, desto routinierter werden Sie. Der Selbstcheck kostet Sie dann nur wenige Sekunden.

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Welche Ursachen und Risikofaktoren für Hodenkrebs?

Die Ursachen für Hodenkrebs sind nicht vollständig geklärt. Es gibt allerdings Risikofaktoren, welche die Entstehung von Hodenkrebs begünstigen. Männer, bei denen einer oder mehrere Risikofaktoren vorliegen, sollten neben der Selbstkontrolle auch regelmäßig eine Kontrolle beim Urologen durchführen lassen. Die Risikofaktoren sind:

  • Hodenhochstand in der Kindheit: "Lag in der Kindheit ein Hodenhochstand vor, bleibt das Erkrankungsrisiko auch nach Behandlung erhöht. Es ist etwa 4- bis 6-fach höher, insbesondere wenn die operative Korrektur spät erfolgte", so der Experte.
  • eine Hodentumorerkrankung in der Familie: "Hodenkrebs tritt familiär gehäuft auf. Heißt: Hodenkrebs bei Vater oder Bruder erhöhen das Risiko selbst zu erkranken", so Schuppe.
  • eine Fruchtbarkeitsstörung: "Ein unerfüllter Kinderwunsch kann auf Störungen der Hodenfunktion hinweisen: Bei 0,5 bis 1 Prozent der Männer, die primär wegen Fertilitätsstörungen untersucht werden, findet sich ein Hodentumor", erklärt der Androloge.
  • Männer, die schon einmal an Hodenkrebs erkrankt waren: "Das Risiko an Hodenkrebs zu erkranken ist besonders bei Patienten erhöht, die bereits an einem Hodenkrebs erkrankt waren; bis zu 5 Prozent der Betroffenen entwickeln im Verlauf einen bösartigen Tumor auf der Gegenseite", so Schuppe.
  • Genetische Störungen: "Genetische Störungen sind in der Regel eher seltener Risikofaktor. Die anderen Faktoren sind deutlicher", erklärt der Experte.
Ein Urologe überprüft einen Verdacht auf Hodenkrebs
Ein Urologe oder Androloge prüft den Verdacht auf eine Krebserkrankung

Wann Sie zum Arzt gehen sollten: Ist das Hodenkrebs?

Wenn Sie bei der Selbstuntersuchung mit der Hand oder vorm Spiegel etwas Auffälliges entdecken oder spüren, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. "Ein Urologe oder Androloge kann durch Abtasten und Ultraschalluntersuchung der Hoden klären, ob ein krebsverdächtiger Befund oder andere Veränderungen vorliegen, die eine weitere Abklärung und Behandlung erforderlich machen", erklärt Prof. Dr. Schuppe. "Bei Patienten der genannten Risikogruppen, zum Beispiel nach Hodenhochstand in der Vorgeschichte, sind zusätzlich zur monatlichen Selbstuntersuchung auch ärztliche Verlaufskontrollen der Hoden (Tastbefund und Ultraschall) in jährlichen Abständen anzuraten", so Schuppe.

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Männer sollten zur Früherkennung von Hodenkrebs die Hoden abtasten
Damit Krebs Ihnen nicht auf den Sack geht, ist Hoden abtasten Pflicht – so geht's!

Welche Behandlungsmethoden gibt es bei Hodenkrebs?

Die Heilungschancen bei Hodenkrebs sind sehr hoch. Rund 95 Prozent aller Betroffenen werden nach einer Therapie wieder ganz gesund. Voraussetzung ist, dass der Krebs früh erkannt wird. Beim Verdacht eines Hodentumors wird operiert. Es wird geklärt, ob der Tumor gut- oder bösartig ist. "Bestätigt sich der Verdacht bei der Schnellschnittdiagnostik von Gewebsanteilen noch während der Operation, wird der Hoden samt Nebenhoden und Samenstrang komplett entfernt", so Prof. Dr. Schuppe. Anschließend findet eine so genannte Ausbreitungsdiagnostik statt. Dabei wird mittels Computertomografie untersucht, ob es auch an anderen Stellen im Körper Absiedelungen gibt. Dann wird entschieden, wie man behandelt. Man kann einige Tumore durch eine Bestrahlung des Lymphabflussgebietes oder mit einer Chemotherapie behandeln. Wenn der Krebs früh erkannt wird, kann man sich Bestrahlung und Chemotherapie jedoch ersparen. Daher ist die frühzeitige Erkennung sehr wichtig.

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Hodenkrebs ist in 95 Prozent aller Fälle heilbar
Früherkennung ist wichtig: Hodenkrebs ist in 95 Prozent aller Fälle heilbar

Hat eine Hodenkrebserkrankung Auswirkungen auf Fruchtbarkeit oder Potenz?

"Um bei der Fruchtbarkeit auf Nummer Sicher zu gehen, sollte vor dem Behandlungsbeginn bei Hodenkrebs unbedingt über eine Kyrokonservierung von Sperma als 'Fertilitätsreserve' gesprochen und diese auf Wunsch auch durchgeführt werden", so Schuppe. In einigen Fällen ist die Hodenfunktion infolge der Krebserkrankung allerdings so stark eingeschränkt, dass keine Spermien im Ejakulat zu finden sind. "In diesem Fall können Gewebsproben aus nicht vom Hodenkrebs betroffenen Bereichen, beziehungsweise dem Hoden der Gegenseite, eingefroren werden, um später eine Spermienisolierung hieraus zu versuchen. Bei Verlust beider Hoden ist für einen normalen Hormonhaushalt – und damit die Aufrechterhaltung der Potenz – eine Testosterontherapie erforderlich", erklärt der Androloge.

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Wie finde ich bei Verdacht auf Hodenkrebs einen geeigneten Arzt?

Die Diagnose Hodenkrebs stellt nur ein Urologe oder Androloge. Er kann auch bei Auffälligkeiten beraten. Wenn Sie nicht sicher sind, wo der nächste Mediziner in Ihrer Nähe ist, können Sie Ihren Hausarzt befragen. Auf dem Urologenportal, der Internetseite der deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), finden Sie außerdem einen Urologen-Finder. Weitere Informationen zum Thema Hodenkrebs finden Männer bei der aktuellen Kampagne gegen Hodenkrebs der DGU: www.hodencheck.de.

Jeder Mann sollte die Vorsorgeuntersuchung seiner Hoden selbst in die Hand nehmen: Einmal im Monat sollten Sie sich Zeit für so eine Selbstuntersuchung nehmen. Bei Auffälligkeiten gehen Sie unbedingt zum Arzt. Die gute Nachricht: Hodenkrebs ist in 95 Prozent aller Fälle heilbar. 

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