Vom Rechner in die Klinik: Ein männliches Problem

Onlinesucht: Ein männliches Problem
Gewalt und Fantasiecharakter vs. Mein Pferdehof und Die Sims

Mit 12 sitzt Mirko das erste Mal vor einem PC, probiert Spiele aus, die Bekannte seines Vaters entwickelt haben

Mirko schraubt sich Rechner aus einzelnen Komponenten zusammen, baut mit Freunden Netzwerke auf und programmiert eigene Text-Adventures. Das ist 21 Jahre her. Heute ist Mirko 33 und hat gerade eine Therapie gegen Computerspielsucht hinter sich.

"Das Alter der Betroffenen reicht von 13 bis 40 Jahren, die meisten sind zwischen 17 und 25, quer durch alle sozialen Schichten", sagt Klaus Wölfling, psychologischer Leiter der ersten Ambulanz für Computerspielsucht an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Uni Mainz. Neben Mirkos Alter ist aber noch etwas anderes charakteristisch für seine Computerspielsucht: Mirko ist ein Mann.

"Computerspielsucht ist ein fast ausschließlich männliches Problem", sagt der Psychologe. Die Gründe sind weitestgehend noch unbekannt. Eine Hypothese: "Jungen fühlen sich zu Spielen mit realitätsnaher dargestellter Gewalt und Fantasiecharakter hingezogen – und dies sind meist die Spiele, die auch süchtig machen können. Zudem stellen wir bei Jungen häufig ein Defizit bei der Kommunikation fest, die stattdessen über das Online-Spiel mit anderen ausgelebt werden kann. Spielen bietet einen Ausgleich." Mädchen tauchen dagegen lieber in gewaltfreie Welten wie "Mein Pferdehof" oder "Die Sims" ab. Grundsätzlich sind aber alle Personen gefährdet, die in ihrer psychischen Entwicklung nicht oder noch nicht gefestigt sind, also vor allem Kinder und Jugendliche.

In Deutschlands umfangsreichster Studie zur Computerspielnutzung Jugendlicher, finanziert vom Bundesinnenministerium und durchgeführt vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), kam man nach mehr als einem Jahr Arbeit zu dem Ergebnis: 3 Prozent der Jungen und 0,3 Prozent der Mädchen sind von Computerspielen abhängig. Dafür wurden 44610 Jugendliche in ganz Deutschland gefragt, wie viel sie spielen, jeder Dritte gab Auskunft über die Auswirkungen. Eine vergleichbare Untersuchung mit jungen Erwachsenen gibt es noch nicht.

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